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Rund tausend Menschen beteiligen sich an Warnstreiks

Warnstreiks am Weltfrauentag

Im Tarifstreit der Sozial- und Erziehungsberufe haben rund 2.000 Beschäftige hessischer Kitas ihre Arbeit niedergelegt. Die Aktionen waren Teil eines bundesweiten Warnstreiks zum Internationalen Frauentag.

"Menschen in den Mittelpunkt" - das stand auf vielen Schildern, die Erzieherinnen, Sozialarbeiter und Beschäftigte aus der Behindertenhilfe am Dienstag zu den Demonstrationen und Kundgebungen mitgebracht hatten. Ob in Gießen, Marburg, Kassel oder Offenbach - die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen fordern bessere Arbeitsbedingungen, mehr Personal und eine finanzielle Aufwertung ihrer Jobs.

Die Gewerkschaft Verdi hatte zu Warnstreiks in sozialen Berufen am Weltfrauentag aufgerufen. In Hessen arbeiten im sozialen Bereich nach Gewerkschaftsangaben rund 100.000 Menschen, rund 83 Prozent sind Frauen, in Kitas sind es sogar über 90 Prozent.

Die Beschäftigten in sozialen Berufen würden wie jetzt während der Corona-Zeit permanent von der Politik gelobt aber gleichzeitig schlecht bezahlt, sagte ein Verdi-Sprecher in Gießen. Das müsse sich ändern. Gelegenheit dazu hätten die Arbeitgeber bei der nächsten Verhandlungsrunde am 20. und 21. März. An den hessenweiten Aktionen beteiligten sich nach Verdi-Angaben rund 2.000 Menschen. 

Verdi: "Mehr wert als Klatschen"

"Sorge- und Bildungsarbeit muss den Arbeitgebern und unserer Gesellschaft mehr wert sein als ein Klatschen", kritisiert Kristin Ideler, Gewerkschaftssekretärin bei Verdi Hessen. Dass für den Streik der Weltfrauentag gewählt wurde, sei naheliegend, heißt es von Verdi: Gerade Berufe mit hohem Frauenanteil seien schlecht bezahlt, in Bereichen, wo es keinen Tarifvertrag gibt, sei außerdem die ungleiche Bezahlung besonders gravierend. Frauen würden dort im Schnitt pro Monat rund 729 Euro weniger verdienen als ihre Kollegen.

Bei Erzieherinnen und Sozialarbeiterinnnen entspreche die Bezahlung oft nicht der tatsächlichen Leistung. Die Löhne und Gehälter seien zu niedrig, die Arbeitsbelastung hoch, dazu käme ein großer Fachkräftemangel. Aktuell fehlen nach Angaben von Verdi allein in den Kitas 9.000 Fachkräfte.

Die Tarifverhandlungen für kommunale Einrichtungen stocken derweil. Verdi fordert, dass die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung deutlich verbessert werden - bis 2030 würde sich die Zahl der fehlenden Fachkräfte sonst verdreifachen. Kundgebungen und Demonstrationen waren in Offenbach, Gießen, Marburg, Kassel und Frankfurt geplant.

Klose: Corona-Normalität bis zum 2. April

Der Druck auf Beschäftigte in den Kitas war durch die Pandemie noch weiter gestiegen. Das Sozialministerium in Wiesbaden verkündete in dieser Hinsicht am Montag zumindest etwas Erleichterung und eine "schrittweise Rückkehr in den Normalbetrieb". Hessens Kitas dürfen nach und nach wieder zu offenen und teiloffenen Konzepten zurückkehren, Gruppen also wieder gemischt werden.

Bis zuletzt liefen die Einrichtungen im "Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen", was in erster Linie bedeutete, dass es nur geschlossene Betreuungsgruppen und möglichst wenige Berührungspunkte gab. "Aufgrund der stabilen Lage in den Kliniken ist es nun wieder möglich, virusbedingte Beschränkungen behutsam zu lockern", begründete Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) den Schritt.

Klose wirbt für Verständnis

Herr Klose im Landtag

Weil sich die Kinder an die alte, neue Freiheit mit offeneren Konzepten aber erst gewöhnen müssten, sei damit zu rechnen, dass der Übergang zum Prä-Pandemie-Betrieb bis zum 2. April abgeschlossen sei. Die Kitas, so hieß es, sollten sich dafür pädagogisch sinnvolle Lösungen überlegen.

Klose warb für Verständnis sowohl auf Erzieherinnen- als auch auf Elternseite. Die Herausforderungen, denen sich alle Beteiligten seit Beginn der Pandemie im Jahr 2020 stellen, seien noch nicht vorüber.

Freitesten am Folgetag für Nicht-Positive

Mitte Februar hatte das Land bereits die Quarantäneregelungen in den Kitas geändert und einheitlich gefasst. Seitdem gilt hessenweit: Wird ein Kind positiv getestet, dürfen die nicht selbst positiv getesteten Kinder und Betreuungspersonen nach Vorlage eines von einer Teststelle durchgeführten Schnelltests mit negativem Ergebnis die Kita am Folgetag wieder betreten.

Die Betreuung in den Kitas soll weiterhin nach den Maßgaben des hessischen Hygienekonzepts erfolgen. Dieses soll laut Klose in Kürze angepasst werden und auf der Website des Sozialministeriums veröffentlicht werden.

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