Bundeswehr Tram Kassel
Gevatter Tod gegen Bundeswehr-Trams: Die Deutsche Friedensgesellschaft protestierte in Kassel unter dem Motto "Menschen töten und selbst sterben" Bild © Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen

Eine tarnfarbene Tram, die für die Bundeswehr wirbt, sorgt für Empörung bei der Friedensbewegung. Der Kriegsdienst werde verharmlost. Die Kasseler Verkehrsbetriebe teilen die Kritik nicht.

Gevatter Tod steht in Kassel mit einer Sense vor der Straßenbahn, verteilt Flyer und sagt: "Ich und die Bundeswehr sind gute Kumpels. Die einen beschaffen mir die Leute, und ich brauche sie nur noch mit einem Schlag abzusäbeln."

Der kostümierte Sensemann war Teil einer Aktion der Deutschen Friedensgesellschaft gegen eine Werbekampagne der Bundeswehr, die auf eine Kasseler Tram geklebt wurde. Das Video ist auf Youtube zu sehen. Auf den Flyern stand: "Menschen töten und selbst sterben".

Kritiker: "Wie ein Militärfahrzeug"

Die Straßenbahn rollt jedoch weiterhin in Tarnfarben-Optik durch die Stadt und sorgt für Empörung bei friedensbewegten Kasselern. Auf die Tram geklebte Slogans wie "Grünzeug ist auch gesund für deine Karriere" sollen künftige Soldaten anlocken.

Die Kasseler Friedensbewegung liest aber etwas anderes heraus: Es werde "unterhalb von Bewusstsein und Sichtbarkeit ein Denken der Gewaltbereitschaft" gestärkt, heißt es nun in einem offenen Brief, der Ende vergangener Woche an die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) geschickt wurde.

Im Brief wird auch kritisiert, eine solche tarnfarbene Straßenbahn wirke "fast schon selbst wie ein Militärfahrzeug". Das sei eine Zumutung für Minderjährige und Kriegsflüchtlinge. Der Dienst im Krieg werde außerdem verharmlost. Die kommunale KVG mache sich mit der Straßenbahn als Militär-Werbefläche mitschuldig, "die Stimmung in der Bevölkerung zu verändern und die Menschen fürs Militär zu begeistern".

Initiator des offenen Briefes ist der Kasseler Soziologe Jens Bukowski, der seit vielen Jahren in der Friedensbewegung aktiv ist. Er sagt, ein Unternehmen könne seine Werbekunden stets auswählen. Und es könne Fahrgästen auch gefallen, wenn die KVG bei der Auswahl von Werbekunden Haltung zeige und sich gegen die Bundeswehr entscheide. Auf den offenen Brief habe es von der KGV bisher keine Antwort gegeben.

KVG: Bundeswehr ist demokratisch legitimiert

Auf Anfrage von hessenschau.de teilte die Sprecherin der KVG, Heide-Marie Hamdad, mit, es gebe die Vorschrift, dass Werbung nicht gegen das Gesetz verstoßen und keine politischen oder religiösen Inhalte haben dürfe. Die Bundeswehr jedoch "handelt im Auftrag des Bundestags und agiert in diesem Rahmen, ist somit demokratisch legitimiert". Die Bundeswehr werbe seit der Abschaffung der Wehrpflicht außerdem breit in der Öffentlichkeit um Nachwuchs, nicht nur in Kassel.

Bundeswehr-Straßenbahnen haben in der Vergangenheit auch schon in Dresden, Chemnitz, Halle und Erfurt für reichlich Diskussionen gesorgt. Trotz Protesten durften die Trams aber auch dort weiter durch die Stadt rollen. Die Bundeswehr selbst antwortete nicht auf Fragen von hessenschau.de.

Ihre Kommentare Bundeswehr-Werbung: ärgerlich oder notwendig zur Rekrutierung?

9 Kommentare

  • Ich verstehe dass die Bundeswehr alles versucht um neue Nachwuchs Soldaten/Rekruten anzuwerben aber die Art und weise in der dies hier und auch vor kurzem in der GamesCom durchgeführt wurde halte ich erstens für überhaupt nicht Zielführend und ausserdem auch weit unter der Gürtellinie.

    Ich persönlich repektiere die Bundeswehr für ihre aktionen im Ausland sehr aber die Werbeplakate der letzten wochen lassen mich an der Kompetenz der Werbeapteilung zweifeln.

  • DRINGENDST NOTWENDIG das is Vorbereitung zum Krieg nach und nach werden Manöver abgehalten zu 100tausenden...das nennt man in Stellung gehen und ausrichten haupt zentrale der USAist in Wiesbaden weder Russland noch USA China wollen Krieg im eigenen Land doch Europa ist n netter Schauplatz

  • Diese Bundeswehr-Werbung ist schrecklich! Deutschland sollte ein neutraler Staat wie die Schweiz sein.

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