Der Angeklagte sitzt zu Prozessbeginn vor Gericht

Er soll fast 80 Frauen dazu gebracht haben, sich selbst Stromschläge zu versetzen. Dafür muss sich ein 30 Jahre alter Mann vor Gericht verantworten. Vier der betroffenen Frauen stammen aus Hessen, Nebenklägerin in dem Verfahren ist eine Frau aus Gießen.

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hessenschau kompakt - 16:45 Uhr
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Der Kontakt begann über eine harmlose Internetanzeige: Ein Jobangebot für Studenten mit Verweis auf die Teilnahme an einer Studie. Auch eine junge Frau aus Gießen meldete sich. Was dann folgte, war jedoch alles andere als harmlos, sondern stellte sich als äußerst gefährliches und möglicherweise sadistisch motiviertes Schein-Experiment heraus.

Der mutmaßliche Täter muss sich ab Dienstagvormittag vor dem Landgericht München verantworten. Laut Staatsanwaltschaft soll der 30-jährige Angeklagte aus dem Raum Würzburg sich zwischen 2013 und 2018 als Wissenschaftler ausgegeben haben, der eine Studie erstellt. Über einen Videochat habe er die meist jungen Frauen dann angeleitet, sich selbst Stromschläge zuzuführen. Laut Anklage sollten sich die Frauen mit selbst gebastelten Versuchsaufbauten  aus geschälten Elektrokabeln und Metallgegenständen wie Löffeln Strom in ihre Schläfen oder Füße leiten.

Mit dieser Apparatur sollen sich die Frauen Stromschläge zugeführt haben.

Bei der Auswertung der sichergestellten Daten fanden die Ermittler über 200 Videoaufzeichnungen, die der Beschuldigte per Webcam von seinen Opfern angefertigt haben soll.

Versuchter Mord in 88 Fällen

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Prozessbeginn: Betrüger soll Frauen dazu veranlasst haben, sich Stromstößen auszusetzen

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Durch die Stromschläge verletzten sich mehrere Frauen. Sie beklagten Kopfschmerzen oder litten unter sogenannten Elektromarken auf der Haut. Zu Tode kam niemand. Doch die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft wiegen schwer: Sie wirft dem Angeklagten versuchten Mord aus Heimtücke vor. Ihm werden 88 Taten an 79 Opfern aus ganz Deutschland vorgeworfen. Das Motiv soll die Befriedigung des Geschlechtstriebs gewesen sein.

Vier der Opfer stammen aus Hessen. Eine 24-Jährige aus Gießen tritt im Prozess als Nebenklägerin auf und wird auch als Zeugin aussagen. Ihr Anwalt sagte dem hr, der Fall habe eine "gewisse Einmaligkeit" im Hinblick darauf, wie die Kontaktaufnahme gelaufen sei und eine Vertrauensbasis geschaffen worden sei. Seiner Mandantin gehe es im Prozess nicht um eine höchstmögliche Bestrafung, sondern darum, die "Mitwirkung an der Schuldfrage" zu klären.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 12.11.2019, 16.45 Uhr