Dieses Foto postete der Bembel-with-Care-Gründer Benedikt Kuhn bei Instagram.

Benedikt Kuhn hat die erfolgreiche Dosen-Apfelweinmarke Bembel-with-Care gegründet. Den 75. Jahrestag des Kriegsendes nutzte er zu rechten Kommentaren in sozialen Medien. Erste Folgen hatte das schon.

Videobeitrag

Video

zum Video Kelterei kündigt Kooperation mit Bembel-with-Care-Erfinder

hs110520
Ende des Videobeitrags

Er hat die Apfelweinmarke Bembel with Care aus Birkenau (Bergstraße) gegründet, er war Geschäftsführer der Bembel with Care GmbH & Co, KG. Diesen Posten hat Benedikt Kuhn nun niedergelegt. Das teilte das Unternehmen über Facebook mit. Der Grund sind umstrittene Äußerungen und Auftritte Kuhns in den Sozialen Medien anlässlich des 75. Jahrestages des Kriegsendes am 8. Mai 1945.

Auf Instagram hatte Kuhn die Botschaft verbreitet, der 8. Mai sei "kein Tag der Befreiung", Deutschland sei noch immer besetzt. Auf einem Foto posierte er in einem Aufzug, der an eine Wehrmachtsuniform erinnert. Kritiker sehen in seinen Auftritten eine Nähe zum Rechtsextremismus.

Viele offene Fragen

Das Team von Bembel with Care sei betroffen und distanziere sich von Kuhns "privaten Äußerungen", teilte das Unternehmen mit. Man entschuldige sich ausdrücklich bei allen Kunden und Handelspartnern.

Die Kelterei Krämer aus Reichelsheim (Odenwald) erklärte die Zusammenarbeit mit Kuhn für beendet. Man wolle den bisher für Bembel with Care produzierten Apfelwein unter dem gleichen Namen selbst vermarkten. Geplant sei, dass die Rechte an der Marke so schnell wie möglich auf die Kelterei übergehen, sagte eine Sprecherin.

Auf die Frage, welche Rolle Kuhn als bisheriger Markeninhaber dabei künftig spielen werde, antwortete sie: "Das Rechtliche müssen wir noch klären." Somit bleibt vorläufig offen, ob Kuhn an den Apfelweindosen weiter mitverdienen wird. Nach hr-Informationen war er zuletzt noch immer alleiniger Gesellschafter der Bembel with Care Verwaltungs GmbH, der wiederum die Bembel with Care GmbH & Co. KG gehört.

Kelterei Krämer bezeichnet Äußerungen als "inakzeptabel"

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found hr-Reporter Volker Siefert über den Rücktritt von Benedikt Kuhn

Dieses Foto postete Benedikt Kuhn bei Instagram.
Ende des Audiobeitrags

Die Kelterei bezeichnete Kuhns Äußerung am Sonntag gegenüber dem hr als "inakzeptabel". Sie begreife sich als "Teil eines lebendigen, demokratischen und freiheitlichen Rechtstaates".

Statusmeldung von Benedikt Kuhn zum Ende des Zweiten Weltkriegs bei Instagram.

Der Landrat des Kreises Bergstraße, Christian Engelhardt (CDU), teilte mit, er sei angesichts der Vorwürfe gegen Kuhn "irritiert". Bembel with Care sei eine "Erfolgsgeschichte aus dem Kreis Bergstraße", die er bisher gerne hergezeigt habe. "Aber es gibt Grenzen, deren Überschreiten für unsere Gesellschaft gefährlich ist. Dem müssen wir uns gemeinsam entgegenstellen", sagte Engelhardt laut der Mitteilung. Es gebe jetzt eine Menge offener Fragen zu klären.

Die Grünen an der Bergstraße hatten gefordert, dass Kommunen Bembel with Care bis zur Klärung der Vorwürfe keine Standerlaubnis auf Volksfesten mehr erteilen sollten. Die SPD Reichelsheim bezeichnete Kuhns Äußerungen als "verblendet" und "menschenverachtend".

Der Leiter der Edeka-Filiale in Erbach (Odenwald), Holger Gunkel, hat die Bembel-with-care-Dosen bereits aus seinen Regalen entfernt, wundert sich aber auch über die Kelterei Krämer. "Die arbeiten 13 Jahre zusammen, hätte man das nicht schon vorher merken können?" fragte er.

Und Kuhn selbst? Der gab auf seinem Instagram-Account "apfelweinbaron" vor, sich missverstanden zu fühlen, sprach von einem "unglücklich formulierten Beitrag" und entschuldigte sich. Um Schaden von der Marke, von Mitarbeitern und Geschäftspartnern abzuwenden, ziehe er als Unternehmer die Konsequenzen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 11.05.2020, 19.30 Uhr