Impfpatienten stehen im Wiesbadener Impfzentrum im Kongresszentrum RMCC an den Registrierungsschaltern.

Die sechs großen regionalen Impfzentren in Hessen haben ihre Arbeit aufgenommen. Zunächst sind über 80-Jährige an der Reihe. Beim Impfstoff von Biontech gibt es erneut Lieferschwierigkeiten.

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Am Dienstag haben zunächst sechs regionale Zentren ihre Arbeit aufgenommen - und zwar in Kassel, Gießen, Fulda, Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt. Im Darmstädter Zentrum kündigte Innenminister Peter Beuth (CDU) an, dass die restlichen Einrichtungen dann am 9. Februar folgen werden. Dies solle auch geschehen, wenn der Impfstoff weiterhin nur begrenzt zur Verfügung stehe.

In den sechs regionalen Zentren werden zuerst Menschen in der höchsten Priorisierungsgruppe gegen das Virus geimpft. Das sind überwiegend Männer und Frauen im Alter von 80 Jahren aufwärts. Rund 1.900 Dosen sollen am Dienstag in den sechs Zentren verimpft werden. Mobile Impfteams hatten zuvor Mitarbeiter und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sowie Personal in Corona-Intensivstationen in Hessen geimpft.

Die 87 Jahre alte Marielotte Kilian wird im Wiesbadener Impfzentrum geimpft.

Impfstoff nur begrenzt verfügbar

"Wir haben uns gut vorbereitet im Land", sagte Beuth, der am Dienstag das Darmstädter Zentrum gemeinsam mit Sozialminister Kai Klose (Grüne) besuchte. Der Start der ersten Impfzentren habe Symbolcharakter, damit beginne eine neue Etappe in der Pandemie-Bekämpfung, teilten die Minister mit.

Für die sechs nun an den Start gehenden Zentren gibt es bis zum 8. Februar dem Innenministerium zufolge rund 60.000 Termine. Das liege an dem nur begrenzt verfügbaren Impfstoff, betonte Innenminister Beuth.

"Die Impfstoff-Zufuhr ist weiterhin der limitierende Faktor für unser erklärtes Ziel, eine Corona-Schutzimpfung schnell allen Hessinnen und Hessen zu ermöglichen", teilten Beuth und Klose mit. Weitere verbindliche Impftermine könnten nur vergeben werden, wenn der Impfstoff verlässlich und stetig geliefert werde.

Lieferkürzungen beim Biontech-Impfstoff

Erschwerend komme hinzu, dass weitere Impfstoff-Lieferungen vom Mainzer Unternehmen Biontech geringer ausfielen würden als erwartet. Dies sei ein "bitterer Rückschlag", sagten Klose und Beuth. Wie hoch die Anzahl der Impfdosen ist, die nicht geliefert werden, teilten die Minister nicht mit.

Um die rund 60.000 Termine in den sechs regionalen Impfzentren bis 8. Februar trotz der angekündigter Lieferkürzungen sicherzustellen, soll auch Impfstoff der Firma Moderna eingesetzt werden. Das teilte ein Sprecher des Innenministeriums am Dienstag mit.

Moderna-Impfstoff soll Engpass ausgleichen

Die 60.000 Termine hatten sich aus den vom Bund zugesagten Biontech-Impfstofflieferungen für drei Wochen ergeben. Von den wöchentlich zugesagten rund 49.000 Dosen werde die Hälfte sicher gelagert, um die wichtige Zweitimpfung sicherstellen zu können. 20.000 Dosen gingen pro Woche an die Impfzentren, die übrigen rund 4.500 Dosen werden weiterhin in den Alten- und Pflegeheimen sowie den besonders belasteten Klinken eingesetzt.

Das Land Hessen habe darüber hinaus bisher rund 4.800 Impfdosen des Impfstoffs von Moderna erhalten. Eine weitere Lieferung von Moderna in ähnlicher Größenordnung sei laut Innenministerium für die kommende Woche in Aussicht gestellt worden. "Diese Impfdosen dienen zurzeit als Reserve und werden im Logistikzentrum des Landes sicher verwahrt." Sie könnten zum Einsatz kommen, um die bereits terminierten Impfungen in den regionalen Impfzentren sicherzustellen.

Impfzentrum Fulda

Terminvergabe lief zunächst chaotisch ab

Nach einem chaotischen Start der Terminvergabe Anfang der Woche waren nach nur drei Tagen alle 60.000 verfügbaren Termine für die Erst- und Zweitimpfung vergeben. Das Online-Anmeldeportal musste zwischenzeitlich heruntergefahren werden, in dieser Zeit konnten auch telefonisch keine Termine vergeben werden.

"Da werden wir nachbessern", versprachen Beuth und Klose am Dienstag. Dennoch müsse klar gesagt werden, dass hier auch künftig mit Fallstricken und Herausforderungen gerechnet werden müsse.

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Die Grafik zeigt den Oberarm eines Menschen und eine Hand, die eine Impfspritze zu diesem Oberarm führt.
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Im Anmeldeverfahren bereits erfolgreich registrierte Menschen, die aber noch keinen Termin erhalten hatten, blieben den Ministerien zufolge im System gespeichert. Registrierungen sind demnach auch weiterhin möglich, die konkrete Terminvereinbarung erfolge dann, sobald dafür Impfdosen planbar durch den Bund zur Verfügung gestellt würden.

Neuer Impfstoff am Montag geliefert

Die große Mehrheit der 400.000 impfberechtigten Personen ab 80 Jahren ging im ersten Schritt leer aus. Erst am Montagabend war eine neue Lieferung des Impfstoffes des Hersteller Biontech/Pfizer in Hessen eingetroffen - insgesamt 25.000 Dosen, von denen 20.000 umgehend an die Impfzentren weitergeleitet werden.

Die ersten mobilen Impfungen waren in Hessen bereits seit dem 27. Dezember vergangenen Jahres durchgeführt worden. Derzeit haben nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bereits 70.000 Menschen in Hessen zumindest eine erste Impfdosis erhalten. Ziel der Landesregierung ist die Impfung von 60 Prozent der Einwohner - rund 3,8 Millionen Menschen.

Weitere Informationen

Das sind die Priorisierungsgruppen

A. Schutzimpfungen mit höchster Priorität

  • Personen ab 80 Jahren
  • Personen in Alten- und Altenpflegeeinrichtungen (Mitarbeiter*innen und Bewohner*innen)
  • Mitarbeiter*innen ambulanter Pflegedienste
  • Mitarbeiter*innen in medizinischen Einrichtungen mit sehr hohem Covid-19-Expositionsrisiko (besonders Intensivstationen, Notaufnahmen, Rettungsdienste)
  • Mitarbeiter*innen in medizinischen Einrichtungen, in denen Personen behandelt werden, bei denen eine Covid-19-Infektion schwere beziehungsweise tödliche Verläufe erwarten lässt (besonders Hämato-Onkologie, Transplantationsmedizin)


B. Schutzimpfungen mit hoher Priorität

  • Personen ab 70 Jahren
  • Personen mit besonderem Risiko eines schweren oder tödlichen Infektionsverlaufs (Personen mit Trisomie 21, Demenz oder geistiger Behinderung und Organtransplantierte)
  • Eine enge Kontaktperson der oben genannten Personen mit hoher Priorität sowie von Schwangeren
  • Personen in Obdachlosen- und Asylbewerberunterkünften
  • Personen, die im öffentlichen Gesundheitsdienst oder in besonders relevanter Position zur Aufrechterhaltung der Krankenhausinfrastruktur tätig sind


C. Schutzimpfungen mit erhöhter Priorität

  • Personen ab 60 Jahren
  • Personen, bei denen aufgrund einer bestimmten chronischen Vorerkrankung ein erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht.
  • Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit niedrigem Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus SARS-CoV-2 tätig sind, insbesondere in Laboren und Personal, welches keine Patienten mit Verdacht auf Infektionskrankheiten betreut
  • Personen, die in besonders relevanter Position in staatlichen Einrichtungen tätig sind, insbesondere in den Regierungen und Verwaltungen, bei den Streitkräften, bei Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz, in den Parlamenten und in der Justiz
  • Personen, die in besonders relevanter Position in weiteren Einrichtungen und Unternehmen der kritischen Infrastruktur tätig sind, insbesondere im Apothekenwesen, in der Pharmawirtschaft, in der Wasser- und Energieversorgung, Ernährungs- und Abfallwirtschaft, im Transport- und Verkehrswesen sowie in der Informationstechnik und im Telekommunikationswesen
  • Personen, die als Erzieher*innen oder Lehrer*innen tätig sind
  • Personen, mit prekären Arbeits- und/oder Lebensbedingungen, insbesondere Saisonarbeiter*innen, Beschäftigte in Verteilzentren oder der fleischverarbeitenden Industrie
  • Personen, die im Einzelhandel tätig sind


Quelle: Hessische Landesregierung mit Verweis auf §§ 2, 3 und 4 der Impfverordnung des Bundes (PDF)

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 19.01.2021, 16.45 Uhr