Am Valentinstag schenken sich Liebende Blumen oder teilen sich einen süßen Liebesknochen vom Bäcker. Mit dem heiligen Valentin, dessen Reliquie nur an diesem Tag im Fuldaer Dom zu sehen ist, hat das allerdings wenig zu tun.

Heiliger Valentin
Der Valentinsaltar im Fuldaer Dom. Bild © Bistum Fulda

Auch im Fuldaer Dom gibt es zum Valentinstag Blumen und Kerzen. Sie zieren den Valentinsaltar, der einmal im Jahr zu Ehren des heiligen Valentin hergerichtet wird. Auf dem geschmückten Altar befindet sich laut Bistum Fulda ein Reliquiar mit einem Oberschenkelknochen des Schutzpatrons der Liebenden. Die weiteren sterblichen Überreste des heiligen Valentin sind der Legende nach in ganz Europa verstreut.

Christen, die den heiligen Valentin als Schutzheiligen verehren, können zu dem Altar im Fuldaer Dom kommen und für sich und ihre Liebsten beten, wie der Sprecher des Bistums, Christof Ohnesorge, hessenschau.de sagt. Ist der Valentinstag vorbei, wandert der Oberschenkelknochen wieder in die Domsakristei.

Als Glücksbringer für die Liebe will Ohnesorge die Reliquie allerdings nicht sehen. "Es handelt sich um einen Gedenktag, da geht es um den Glauben." Nach dem alten katholischen Heiligenkalender ist am 14. Februar das Fest des heiligen Valentin.

"Blumen sind ein schönes Zeichen"

Dass die meisten Menschen den Valentinstag weltlich feiern und die Blumenindustrie davon besonders profitiert, nimmt Ohnesorge gelassen. "Das ist ein schöner Brauch", sagt er. "Und es ist ein schönes Zeichen, wenn ein Mann seiner Ehefrau mal Blumen mitbringt. Das sollte man viel öfter tun."

Fulda Dom
Stadtpfarrer Stefan Buß erklärt Jugendlichen im Fuldaer Dom den Altar des heiligen Valentin. Bild © Bistum Fulda

Der Valentinstag wird in Deutschland etwa seit den 1950er Jahren gefeiert. Sein Ursprung ist nicht so ganz klar, denn um das Leben des Heiligen ranken sich mehr Fragen und Spekulationen als gesicherte Antworten.

Drei Märtyrer im Heiligenverzeichnis

Im Heiligenverzeichnis stehen gleich drei Märtyrer namens Valentin unter dem 14. Februar eingetragen. Der eine soll römischer Priester gewesen sein, der zweite Bischof der italienischen Provinz Terni, der dritte soll mit christlichen Märtyrern in Afrika gelitten haben.

Das Gedenken im Fuldaer Dom gilt jenem Valentin, der im dritten Jahrhundert als Bischof von Terni in Umbrien amtierte und um das Jahr 268 in Rom als Märtyrer starb. Vom ihm soll der Oberschenkelknochen stammen, den Rabanus Maurus, Abt im Kloster Fulda, im 9. Jahrhundert erwarb.

Anderswo wird aber auch der römische Priester Valentin als Patron der Liebenden verehrt, der am 14. Februar 209 das Martyrium erlitt. Trotz eines Verbots von Kaiser Claudius II. soll er Liebespaare nach christlichem Zeremoniell getraut und in Partnerschaftskrisen geholfen haben, heißt es.

"Liebes-Lotterie" für junge Frauen und Männer

Eine andere Erklärung für den 14. Februar als Tag der Liebenden ist eher eine machtpolitische: Die Kirche attackierte demnach gezielt heidnische Bräuche im alten Rom. Dort wurde der 14. Februar zu Ehren der Göttin Juno begangen, der Beschützerin von Ehe und Familie. Frauen bekamen an diesem Tag traditionell Blumen.

Ebenfalls im Umkreis des 14. Februar wurde das Fest des Hirtengottes Lupercus gefeiert. In einer "Liebes-Lotterie" fanden junge Frauen und Männer durch Losentscheid zueinander.

"Tag der Verliebten" in England und Frankreich

Seit dem späten 14. Jahrhundert gilt der Valentinstag in England und Frankreich als "Tag der Verliebten". Mit dem süßen Gebäck Liebesknochen, das seinen Weg aus Frankreich in deutsche Bäckereien fand, hat der heilige Valentin allerdings wohl nichts zu tun. "Uns ist kein historischer Zusammenhang bekannt", sagt ein Sprecher der Akademie des Deutschen Bäckerhandwerks in Weinheim an der Bergstraße.

Das längliche, mit Creme oder Schokolade gefüllte Gebäck heißt in Frankreich Éclair ("Blitz"). Da Éclairs von Verliebten früher traditionell geteilt wurden, bekam das süße Stückchen hierzulande wohl den Namen Liebesknochen. Und diesen gibt es zum Glück nicht nur am Valentinstag zu kaufen.

Sendung: hr1, 14.2.2019, 14:00