Rettungssanitäter im Einsatz
Sanitäter Stefan Froschhäuser (li.) im Einsatz. Bild © hr

Überstunden nach einer Zwölf-Stunden-Schicht: Für Rettungssanitäter ist das oft Alltag. Doch das ist gefährlich für sie selbst - und für die Patienten. Eine Lösung des Problems ist nicht absehbar.

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hs

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Wenn Stefan Froschhäuser an seinen letzten längeren Einsatz denkt, erinnert er sich vor allen an eines: Die Augen haben am Ende gebrannt. "Man hofft dann, dass es nicht zu Lasten des Patienten geht." Froschhäuser rutscht in der orangefarbenen Retterhose ein wenig hinter dem Steuer des Rettungswagens hin und her, den Blick konzentriert nach vorne gerichtet. Der Dienst hat gerade angefangen, er hat noch fast zwölf Stunden vor sich. Vielleicht werden es wieder mehr.

Stefan Froschhäuser arbeitet als Notfallsanitäter in Hanau. Zwölf-Stunden-Schicht sind hier die Regel. "Das Maximum, das man in dem Beruf arbeiten kann", sagt er. Dazu kommen allerdings oft noch Überstunden - ein landesweites Problem. In mehr als 1.300 Schichten haben Sanitäter aus ganz Hessen auf eine Umfrage der Gewerkschaft Verdi reagiert und dokumentiert, wann sie Überstunden oder keine Pause gemacht haben. Die Rückmeldung: in allen befragten Rettungswachen überlastete Retter. Dabei müssten diese beim Patienten voll einsatzfähig sein.

Hunderte Überstunden bei Rettungskräften

Für Froschhäuser ist das nach so langen Schichten ein Problem: "Die Konzentration lässt nach, wenn man schon zwölf Stunden gearbeitet hat und dann ein bis zwei Stunden draufkommen. Da ist man schon müde und wird unkonzentriert." Und in anderen Kreisen gebe es Kollegen mit 500 bis 600 Überstunden. Für Verdi muss sich daran etwas ändern, um langfristig die Qualität des Rettungsdienstes abzusichern. "Das Problem ist, dass die Politik sich nicht verantwortlich fühlt", sagt der hessische Verdi-Gewerkschaftssekretär Stefan Röhrhoff.

Tatsächlich verweist das hessische Sozialministerium in einem Statement auf das Arbeitszeitengesetz auf Bundesebene, auf das man keinen Einfluss habe. Die Träger des Rettungsdienstes wie das Rote Kreuz oder den Arbeiter-Samariter-Bund habe das Ministerium aber "bereits letztes Jahr darauf hingewiesen, dass die Regelungen des Arbeitszeitgesetzes zu Arbeitsende und Pausenregelungen auch im Rettungsdienst einzuhalten sind".

"Das Interesse an Notfallpatienten kommt an erster Stelle"

Beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Hessen weiß man um die langen Arbeitszeiten der Mitarbeiter. Der Bereichsleiter des Rettungsdienstes im DRK, Günter Ohlig, verweist aber ebenfalls weiter. Ein Problem seien die zentralen Leitstellen der Kreise, von denen aus die Rettungswagen losgeschickt würden, manchmal auch nach Schichtende. Die Leitstellenmitarbeiter müssten dafür Sorge tragen, dass Sanitäter Pausen machen könnten.

Die Mitarbeiter würden auch darauf achten, heißt es von der Leitstelle, die auch für Hanau zuständig ist. Aber: "Das Interesse des Notfallpatienten kommt immer an erster Stelle."

Retter wollen Arbeitszeitverkürzung

Hängen bleibt dieser Streit an Stefan Froschhäuser und seinem Kollegen im Rettungswagen. An diesem Tag haben sie zwar keine Überstunden gemacht – doch von zwölf sind sie die letzten sieben Stunden ohne Pause im Einsatz gewesen. Für die Retter eine extreme Belastung. "Eine Arbeitszeitverkürzung wäre schon optimal", sagt Froschhäuser.

Allerdings bräuchte es laut Ohlig für Schichten mit weniger als zwölf Stunden - die auch, wie vom Sozialministerium gefordert, die Regelungen des Arbeitsgesetzes erfüllen würden - mehr Sanitäter, die im Wechsel arbeiten. Wegen des Fachkräftemangels sind diese allerdings kaum zu finden. Das spüren auch die Retter in Hanau jeden Tag – an kürzere Schichten glaubt Froschhäuser in der nächsten Zeit deshalb nicht.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 07.08.2019, 19.30 Uhr