Arsenbelastung in Richelsdorf

Tausende Quadratmeter im osthessischen Richelsdorf sind mit Arsen verseucht. Auf die Grundstücksbesitzer kommen hohe Kosten zu. Hilfe vom Land ist kaum in Aussicht - der Unmut wächst.

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hessenschau vom 05.02.2020
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Hans-Otto Schaper steht auf seinem Grundstück und hält einen Plan in der Hand, der zeigt, wo der Boden mit Arsen verseucht ist. Die umgebaute Mühle mit Garten in der Gemeinde Wildeck (Hersfeld-Rotenburg) ist schon lange im Besitz der Familie, vom Arsen im Boden weiß Schaper aber erst seit vergangenem Jahr - und dass er die Kosten für die Beseitigung tragen muss: wohl um die 500.000 Euro.

Der Bach Wehe fließt durch sein Grundstück und spülte die Abfallprodukte vom Bergbau seit dem 16. Jahrhundert in die Böden. Die verseuchten Böden müssten ausgehoben, entsorgt und schließlich durch neue Erde ersetzt werden. Wer zahlt die Reinigung? Insgesamt sind 9.000 Quadratmeter Boden in Richelsdorf verseucht. Betroffen sind 18 private Grundstücksbesitzer.

Hans-Otto Schaper

Dazu kommt ein Spielplatz und eine Minigolf-Anlage, die der Gemeinde gehören und abgesperrt sind. Dort war im Jahr 2016 erstmals aufgefallen, dass die erlaubte Menge Arsen in Bodenproben um das 132-fache überschritten worden war.

Wegen der verseuchten Böden fand am Dienstagabend eine Bürgerversammlung statt. Jemand hatte "Land Hessen darf Richelsdorf nicht vergessen" auf ein rotes Plakat gemalt. Nach zwei Stunden war für die betroffenen Grundstückbesitzer klar, dass sie auf den Kosten wohl sitzen bleiben werden: Das Land sehe sich nicht zuständig und er könne auch nicht helfen, sagte der Landrat von Hersfeld-Rotenburg, Michael Koch (CDU). Am Mittwoch stand das Thema auch auf der Tagesordnung im Umweltausschuss des Landtages - aber auch da hieß es, die Kosten tragen die Besitzer.

Wer ist Rechtsnachfolger von Landgraf Karl?

Schaper und die anderen Eigentümer haben gleich mehrfach Pech: Seit 1999 gibt es ein Bundesbodengesetz, wonach Eigentümer für die Sanierung der Altlasten verantwortlich sind - sofern die Verursacher nicht herangezogen werden können. Vorher war das Landessache. Aber: "Bundesrecht bricht Landesrecht", erklärte Umweltminsterin Priska Hinz (Grüne) im Umweltausschuss. Damit sind nun die Eigentümer in der Pflicht.

Dazu kommt das zweite Problem: die Verursacher der Altlasten: Zu ihnen gehört der Landgraf Karl von Hessen, der sich in Kassel im frühen 18. Jahrhundert mit dem monumentalen Herkules und dem Bergpark selbst ein Denkmal baute. Das benötigte Kupfer kam aus dem Bergbau des Richelsdorfer Gebirges.

Ob das Land Hessen Rechtsnachfolger des Landgrafen ist, müsse erst rechtlich geprüft werden, sagte Hinz dem hr am Mittwoch - auch wenn der Bergpark dem Land gehört. Doch selbst dann ist nicht klar, ob das Land auch für den Bergbau zuständig ist, in dem ein Landgraf sich Kupfer für seine Prunkbauten holte.

Verseuchter Boden - wertloses Grundstück

Die Eigentümer sind nun in Zugzwang: Sie können den betroffenen Boden 50 Zentimeter tief ausheben, dafür müssen sie mit rund 100 Euro pro Quadratmeter rechnen. Dieses Verfahren wird vom Regierungspräsidium Kassel empfohlen, es ist das teuerste Verfahren. Sollte festgestellt werden, dass eine Gefahr für Menschen besteht, könnten die Eigentümer dazu auch gezwungen werden. Bisher hoffe man allerdings auf eine einvernehmliche Lösung, sagte eine Sprecherin des Regierungspräsidiums dem hr.

Nur der Aushub der verseuchten Erde verhindert auch einen entsprechenden Eintrag bei der Baubehörde - was das betroffene Grundstück wohl wertlos machen würde. Ministerin Hinz bemühte sich am Mittwoch zumindest um einige warme Worte für die 18 Richelsberger: Sie sprach von einer Abfederung bei sozialen Härten. Ins Detail ging die Ministerin dabei aber nicht.

Dass sein Haus und Land nicht mehr viel wert ist, hat Schaper schon erlebt. Kürzlich versuchte er beidsn zu verkaufen. Als der Käufer vom Arsen erfuhr, sprang er ab.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 05.02.2020, 19.30 Uhr