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Atemwegsinfekte und Personalmangel: Kinderkliniken am Limit

Die Zahl der Atemwegsinfekte bei Kindern schnellt in diesem Jahr früher in die Höhe als üblich. Viele Kliniken haben bereits ihre Kapazitätsgrenzen erreicht - vor allem, weil es an Personal mangelt.

Engpässe bei der Versorgung von Kindern mit Atemwegsinfekten liegen nach Einschätzung von Kinderärzten nicht an einer höheren Zahl von Betroffenen, sondern an weniger Kapazitäten in Praxen und Krankenhäusern. "Die Praxen und die Kliniken sind am Limit", sagte der Landesvorsitzende des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte in Hessen Ralf Moebus. "Wir gehen personell am Stock."

Zu wenig Personal auf den Stationen

Dass es sehr viel mehr Fälle von Kindern mit Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) gibt als in früheren Jahren, kann der Berufsverband zumindest für Hessen nicht bestätigen. "Wir haben keine andere Infekt-Situation als sonst, aber wir können weniger an Versorgung leisten", sagte Moebus.

Der Ärztliche Direktor von Hessens größtem Krankenhaus bestätigt diesen Befund. "Aktuell ist die Lage auf den pädiatrischen Stationen angespannt", sagte Prof. Jürgen Graf der Nachrichtenagentur dpa. "Das gilt sowohl für uns hier am Universitätsklinikum Frankfurt als auch für viele andere Kliniken in der Region, mit denen wir im Austausch sind."

Ursache seien hohe Infektionszahlen, etwa durch RSV oder Influenza, und eine gleichzeitig angespannte Personalsituation. "Zahlreiche Betten auf verschiedenen Stationen können derzeit nicht betrieben werden. Dadurch kann es zu Einschränkungen bei der Versorgung kommen."

Versorgungslage auf dem Land besonders angespannt

Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte vergangene Woche bundesweit von einer starken Zunahme von RSV-Infektionen berichtet. Besonders Kinder bis vier Jahre würden immer häufiger deswegen in Krankenhäusern behandelt. Zahlen für einzelne Bundesländer hat das RKI nicht. Das RS-Virus kann Moebus zufolge vor allem für Kinder unter einem Jahr gefährlich werden. Wenn sie Atemnot bekämen, müssten sie Sauerstoff bekommen und seien daher auf einen Platz im Krankenhaus angewiesen.

Besonders schlimm sei die Situation im ambulanten Sektor auf dem Land, sagte Moebus. In Regionen wie dem Schwalm-Eder-Kreis gebe es zahlreiche freie Kinderarzt-Sitze. Auch in ländlichen Kliniken gebe es weniger Personal - unter anderem weil es für Kinderärzte oft weniger attraktiv sei, dort zu arbeiten.

Derzeit kämen leider viele Faktoren zusammen, sagte Moebus: Die Influenza-Welle habe früher eingesetzt, dazu kämen die RS-Viren. "Corona spielt zum Glück zurzeit eine vergleichsweise geringe Rolle."

Am Freitag reagierte die Politik: Die Finanzierung der Krankenhäuser soll nach Plänen von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) stärker von wirtschaftlichem Druck gelöst werden. Für Kinderkliniken soll es 2023 und 2024 jeweils 300 Millionen Euro mehr geben, zum Sichern von Geburtshilfestandorten jeweils 120 Millionen Euro zusätzlich. Die Finanzierung soll auch unabhängiger von der jetzigen leistungsorientierten Logik werden.

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