Verschimmelte Salami des nordhessischen Wurstherstellers Wilke

Der Twistetaler Wursthersteller Wilke wird nach wiederholten Listerien-Funden geschlossen, dubiose Machenschaften bei zwei AWO-Kreisverbänden werden aufgedeckt, ein mutmaßlicher Hackerangriff legt die Computersysteme der Uni Gießen für Tage lahm. Das vierte Quartal des Jahres im Rückblick.

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OKTOBER

1. Oktober: Der Wilke-Skandal erschüttert das Land. Verschimmelte Wurst, Hygienemängel, fehlende Kontrollen: Nach wiederholten Listerien-Keimfunden in Waren von Wilke schließen die Behörden den nordhessischen Fleischhersteller. Listerien können bei geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein. Drei Todes- und 37 Krankheitsfälle werden mit Wilke-Produkten in Verbindung gebracht. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen den Geschäftsführer. Das Unternehmen in Twistetal-Berndorf (Waldeck-Frankenberg) meldet schließlich Insolvenz an. Der Skandal stößt eine bundesweite Diskussion um Lebensmittelsicherheit an. Das hessische Verbraucherschutzministerium gerät wegen Versäumnissen in Kritik, doch die zuständige Ministerin Priska Hinz (Grüne) sieht schwere Mängel in erster Linie in der Kontrollarbeit des zuständigen Landkreises Waldeck-Frankenberg.

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7. Oktober: Amokfahrt mit gestohlenem Lkw. Ein Unfall in Limburg gibt Rätsel auf: Ein 32 Jahre alter Mann soll einen Lastwagen gekapert haben und damit ungebremst auf mehrere Fahrzeuge aufgefahren sein. Acht Menschen und der Verdächtige werden verletzt. Der Lkw-Fahrer wird festgenommen, gegen ihn wird Haftbefehl erlassen. Die Staatsanwaltschaft geht nicht von einem terroristischen Hintergrund aus und ermittelt unter anderem wegen versuchten Mordes.

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Hessenschau vom 08.10.2019
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15. Oktober: Frankfurter Buchmesse startet mit royalem Besuch. Die 71. Frankfurter Buchmesse wird feierlich eröffnet, dafür ist aus dem Gastland Norwegen das Kronprinzenpaar Mette-Marit und Haakon eigens angereist. Für Aufregung sorgte bereits am Abend zuvor der diesjährige Buchpreis-Gewinner Saša Stanišić mit seiner Wut-Dankesrede, in der er mit dem Literaturnobelpreisträger Peter Handke abrechnet. Am Ende kann sich die weltgrößte Buchmesse über einen kräftigen Publikumszuwachs mit mehr als 300.000 Besuchern freuen. Zum Abschluss wird der Staffelstab für die Gastrolle von Norwegen an Kanada überreicht.

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hs
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22. Oktober: Mordprozess gegen Sekten-Chefin. Vor rund 31 Jahren starb ein vier Jahre alter Junge einen qualvollen Tod, nun muss sich eine mutmaßliche Sekten-Chefin wegen Mordverdachts vor dem Landgericht Hanau verantworten. Die 72-Jährige soll für den Tod des Kindes verantwortlich sein. Der Junge soll in ihrer Obhut gestanden haben, als sie ihn am 17. August 1988 in einem Leinensack eingeschnürt und im Badezimmer ihres Wohnhauses abgelegt haben soll. Laut Staatsanwaltschaft wurde der Vierjährige trotz seiner Schreie sich selbst überlassen. Er starb kurze Zeit später. Zum Auftakt des Prozesses äußert sich die Angeklagte nicht zu den Vorwürfen.

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hessenschau
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24. Oktober: Woolrec-Prozess endet mit Geldstrafen. Sieben Jahre nach der Schließung der umstrittenen Mineralfaserfirma Woolrec in Braunfels-Tiefenbach (Lahn-Dill) werden der frühere Geschäftsführer und ein Gutachter zu hohen Geldstrafen verurteilt. Das Landgericht Gießen spricht die beiden Männer wegen des unerlaubten Umgangs mit gefährlichen Abfällen beziehungsweise der Beihilfe dazu schuldig. Die beiden Angeklagten gehen gegen das Urteil in Revision. Eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs darüber steht noch aus. (Stand 17. Dezember) Der Fall ist einer der aufsehenerregendsten Umweltskandale der letzten Jahre. Das von Woolrec aus Bauabfällen hergestellte Granulat-Produkt "Woolit" sollte als Beimischung in Ziegelsteinen deren Qualität erhöhen und nebenher zum Umweltschutz beitragen. Das Brisante: Woolit enthielt unter anderem gefährliche künstliche Mineralfasern, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Recherchen des hr-Magazins defacto hatten die Recycling-Lüge aufgedeckt.

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Hessenschau - 24.10.2019
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31. Oktober: Vergewaltigungsprozess gegen Ali B. endet. Der Mörder der Mainzer Schülerin Susanna wird auch in einem Prozess um die Vergewaltigung einer Elfjährigen verurteilt. Das Landgericht Wiesbaden verhängt gegen den 22-jährigen Ali B. sieben Jahre und sechs Monate Haft. Der 15 Jahre alte Mitangeklagte wird zu vier Jahren und sechs Monaten Jugendstrafe verurteilt. Die beiden hatten nach Überzeugung des Gerichts das Mädchen im Frühjahr 2018 vergewaltigt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Urteil im Vergewaltigungsprozess gegen Ali B.

Ali B. beim Prozessauftakt
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NOVEMBER

4. November: Schüler singen antisemitische Lieder. Drei Schüler aus Grünberg (Gießen) geraten ins Visier der Polizei. Die drei 14-Jährigen von der Theo-Koch-Schule waren gemeinsam mit ihrer Klasse auf der Rückfahrt von einem Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar (Thüringen), als sie antisemitische Lieder abgespielt und dabei mitgesungen haben sollen. Nach dem Vorfall vom 15. Oktober erstattet die Schule Anzeige, gegen die drei Jugendlichen wird nun ermittelt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Schüler hören antisemitische Lieder nach Besuch im KZ Buchenwald

Das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald
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9. November: Hessen und Thüringen feiern 30 Jahre Mauerfall. Ökumenischer Gottesdienst und Festakt werden an einem besonderen Ort begangen: Das Dorf Großburschla an der Grenze zwischen den Bundesländern litt besonders unter der deutschen Teilung. Mit einem Gedenkmarsch geht es von hier ins benachbarte hessische Wanfried-Heldra (Werra-Meißner), wo weiter gefeiert wird.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bürgerfest und Gottesdienst zum Mauerfall-Jubiläum

Mauerfall-Jubiläumsfeier
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9. November: Bewaffneter Überfall vor Ikea-Filiale. Ein Geldbote wird am Seiteneingang des Ikea-Möbelhauses im Frankfurter Stadtteil Nieder-Eschbach angeschossen und schwer verletzt. Zuvor soll es zu einer Rangelei zwischen ihm und dem Täter gekommen sein, der nach einem Schusswechsel mit der Geldkassette flieht. Die Suche nach dem Mann bleibt zunächst ergebnislos. Zwei Tage später stellt sich heraus, dass ein in der Nähe ausgebranntes Auto der Fluchtwagen des Täters war. Die Polizei setzt bei der weiteren Fahndung auf Hinweise aus der Bevölkerung und veröffentlicht Bildmaterial der Überwachungskameras.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Geldbote nach Schusswechsel schwer verletzt

Polizei vor dem Ikea-Möbelhaus in Frankfurt-Nieder-Eschbach
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14. November: Dubiose Machenschaften bei zwei AWO-Kreisverbänden. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue gegen Verantwortliche des Frankfurter Kreisverbands der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Es geht um Millionenzahlungen für den Betrieb von Flüchtlingsunterkünften. Den Fall hatten Recherchen der Frankfurter Neue Presse (FNP) ins Rollen gebracht. Wie sich bald herausstellt, ist der Fall nur ein Teil eines handfesten Skandals. In Kritik gerät dabei auch Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), weil seine Ehefrau als Leiterin einer Kindertagesstätte der AWO ein ungewöhnlich hohes Gehalt bekommen haben soll. Eine Stellungnahme von Feldmann kommt erst nach Tagen und fällt knapp aus. Die Affäre weiter sich aus, nachdem weitere Fälle von überhöhten Gehältern und dubiosen Beraterverträgen bekannt werden. Es folgen Rücktritte, eine Task-Force zur Aufklärung und Ermittlungen auch gegen die AWO-Wiesbaden. Schließlich nimmt auch der Landtag sich des Themas an.

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hs
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19. November: Unbefristeter Busfahrer-Streik beginnt. Harte Bewährungsprobe für Pendler in Hessen: Mit Beginn der Frühschicht treten die Fahrer privater Busunternehmen in mehr als 20 hessischen Städten und Umgebung in einen unbefristeten Streik. Rund 3.100 Fahrer beteiligen sich am ersten Streiktag, der schließlich ausgeweitet wird. Erst zwei Wochen später fahren wieder alle Busse im Nahverkehr, nachdem die Tarifparteien sich auf eine Schlichtung einigen. Schließlich wird ein neuer Tarifvertrag für die Busfahrer der privaten Unternehmen vereinbart - mit teils kräftigen Gehaltssteigerungen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Private Busfahrer in Hessen im Ausstand

Busfahrer Streik
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19. November: Überraschende Wende im Fall Franco A. Der ehemalige Bundeswehrsoldat Franco A. muss sich nun doch wegen Terrorverdachts vor Gericht verantworten. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe lässt die Anklage wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat durch einen Beschluss zu. Erst im September war neues belastendes Material gegen den Offizier aus Offenbach aufgetaucht. Laut Medienberichten wurde bei ihm eine Liste mit möglichen Anschlagszielen gefunden. Franco A. saß 2017 bereits für mehrere Monate in Untersuchungshaft. Nachdem das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt keinen hinreichenden Terrorverdacht gesehen und eine Anklage gegen ihn nicht zugelassen hatte, zog der Generalbundesanwalt vor den BGH. Zwischenzeitlich wurde ein mutmaßlicher Helfer in Gießen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Der Prozess gegen Franco A. beginnt voraussichtlich im kommenden Jahr vor dem OLG Frankfurt.

DEZEMBER

1. Dezember: Posthume Ehrung für Lübcke. Der ermordete Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) wird posthum mit der höchsten Auszeichnung des Landes Hessen geehrt. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) überreicht die Wilhelm-Leuschner-Medaille an die Familie Lübckes. Der Politiker habe sich "aus voller Überzeugung für Freiheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit eingesetzt", sagt Bouffier zu der Ehrung. In einer emotionalen Dankesrede wendet sich Lübckes Sohn Jan-Hendrik mit einem "eindringlichen Appell" an die Gesellschaft: "Die Unkultur der Hetze und Diffamierung darf sich nicht verfestigen. Wir sind alle aufgefordert, demokratische Werte zu verteidigen, die schlimme Verrohung der Sprache zu stoppen - damit jetzige Generationen und nachfolgende in Frieden und Freiheit leben können." Verbale und körperliche Gewalt dürften nicht toleriert werden.

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hs
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8. Dezember: Hackerangriff auf Uni Gießen. Die Universität Gießen wird Opfer eines mutmaßlichen Hackerangriffs, der die Computersysteme lahmlegt. Die Server müssen aus Sicherheitsgründen heruntergefahren werden, weder Intranet noch E-Mail-Systeme können genutzt werden. Auch die Seite der Uni-Klinik ist zeitweise offline. Das Problem ist auch mehr als einer Woche nicht vollständig behoben. Unter anderem müssen 38.000 E-Mail-Konten von Studenten und Mitarbeitern neu eingerichtet werden, samt neuen Passwörtern. Das Landeskriminalamt wird eingeschaltet.

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hs
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10. Dezember: VGH-Urteil zu Fahrverboten in Frankfurt. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel entscheidet, dass es in Frankfurt vorerst keine große Fahrverbotszone für Dieselfahrzeuge geben muss. Die Stadt muss nun aber kleinräumige und streckenbezogene Fahrverbote prüfen, wenn die Schadstoffwerte in der Luft nicht zurückgehen. Denn die bisher vorgesehenen Maßnahmen hätten sich "als ungeeignet erweisen, in kürzester Zeit eine Grenzwertüberschreitung im gesamten Stadtgebiet zu erreichen", heißt es in der Urteilsbegründung. In Darmstadt hingegen gilt schon seit dem 1. Juni auf zwei stark befahrenen Straßen ein Diesel-Fahrverbot. Die Stadt will daran auch im kommenden Jahr festhalten.

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hessenschau vom 10.12.2019
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19. Dezember: Gericht untersagt Uber-Fahrten. Juristische Schlappe für Uber: Der Fahrdienstvermittler darf in Deutschland erst mal keine Fahrten mehr anbieten. Die Unterlassungsklage der Vereinigung Taxi Deutschland gegen Uber ist erfolgreich: Laut Urteil des Landgerichts Frankfurt ist das Geschäftsmodell des US-Dienstleisters wettbewerbswidrig und verstößt gegen verschiedene Grundsätze. Nur vier Tage nach der Urteilsverkündung teilt Uber mit, dass es sein Modell zur Vermittlung von Fahrten in Deutschland geändert habe. Demnach werden Kunden nun informiert, wer den Fahrtauftrag übernimmt. Außerdem kann das Unternehmen beim Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt in Berufung gehen.

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hsk
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