Mit Schildern auf denen "Holt uns Heim" geschrieben steht, machen in Pakistan gestrandete Hessen auf ihre Situation aufmerksam.

Das Auswärtige Amt plant eine Rückholaktion für rund 300 Deutsche, die in Pakistan gestrandet sind. Darunter sind viele Hessen. Lange fühlten sich die Betroffenen im Stich gelassen. Das soll sich nun ändern.

Am Sonntag verbreitete das Auswärtige Amt auf Twitter gute Nachrichten für rund 300 Deutsche, die wegen der Corona-Krise in Pakistan festsitzen: "Die Vorbereitungen für eine Rückholaktion aus Pakistan laufen an", schrieb der deutsche Botschafter in Islamabad, Bernhard Schlagheck. Damit können auch rund 70 Hessen aufatmen, die aus Pakistan zurück nach Hause wollen.

Heimreise in Sicht

Während die Rückholaktionen aus vielen Ländern längst liefen, warteten Deutsche in Pakistan tagelang verunsichert auf ein Signal zur Ausreise. Die pakistanischen Behörden hatte Flüge ins Ausland massiv eingeschränkt. Die Botschaft vor Ort bemühte sich nach eigenen Angaben tagelang um eine Klärung mit der pakistanischen Regierung und den Fluggesellschaften. Nun sollen sich die gestrandeten Urlauber für die Rückholaktion registrieren.

🇵🇰 #Pakistan : Rückholaktion geplant! ➡️ Mehr Informationen: Deutsche Botschaft Islamabad: https://t.co/apm7o5YvmQ & @GermanyinPAK ➡️ Registrieren Sie sich: https://t.co/PldtpUCeB0 ➡️ FAQ zur Rückholaktion: https://t.co/R5zl2gLmju #COVID19 #Rueckholaktion

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Frust über das Auswärtige Amt

Damit enden für viele bange Tage: Najeeb Ahmed und seine Familie aus Friedberg reiste am 11. März nach Pakistan. Der Anlass: die Hochzeit seiner Schwägerin. Anschließend wollten sie noch ein paar Tage in dem Land verbringen, aus dem seine Eltern nach Deutschland eingewandert waren. Die Rückreise war gebucht.

Über eine Whatsapp-Gruppe versuchten die Gestrandeten aus Deutschland sich zu organisieren, Informationen auszutauschen. Der Frust über die deutsche Botschaft in Islamabad wuchs, Ahmed, der mit seiner Familie bei Verwandten unterkam, bezeichnete die Informationspolitik noch Ende der Woche als "Totalausfall". Er berichtete: "Da werden Tipps gegeben wie: "Deckt Euch mit Wasser ein! Sucht Euch ein gutes Hotel".

Najeed Ahmed aus Friedberg - hängt in Pakistan fest

Petition an die Bundesregierung

In Frankfurt hatten Freunde und Verwandte noch am Freitag eine Petition aufgelegt, die sich direkt an die Bundesregierung, das Auswärtige Amt und die Botschaft in Pakistan richtete. Die Forderung: Alle zurückholen, die die deutsche Staatsbürgerschaft oder einen Aufenthaltstitel innehaben und in Pakistan festsitzen!

"Das pakistanische Gesundheitssystem ist für die Corona-Epidemie überhaupt nicht ausgestattet", sagt Ayesha Khan, Initiatorin der Petition. Unter den Gestrandeten aber befänden sich viele ältere und kranke Menschen sowie mindestens eine schwangere Frau. Sie in Pakistan zu lassen, bedeute, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, warnt Khan.

Auswärtiges Amt zögerte zunächst

Dass es vom Auswärtigen Amt zunächst keine Rückholaktion gab, wurde gegenüber dem hr damit begründet, dass es noch Flugverbindungen gebe. Diese "reguläre" Flugverbindung bestanden jedoch aus nur einem Flug täglich, den Qatar Airways vom Flughafen der Hauptstadt Islamabad aus aufgrund einer Sondergenehmigung anbietet.

Die Preise dafür bewegen sich nach Angaben von Ahmed derzeit zwischen 1.500 und 2.000 Euro pro Person. "Wir haben hier fünfköpfige Familien, die zurück wollen. Wie sollen die sich das leisten?", fragte Ahmed. Und selbst für den theoretischen Fall, dass sie sich die Preise leisten könnten, hätten viele Betroffene das Problem, dass sie nicht bis nach Islamabad kämen. "Hier herrscht auch Lockdown", sagt Ahmed, "und einige sind mitten in der Provinz."