Im Vorfeld von Bauarbeiten in Frankfurt wurde ein menschlicher Schädel aus der Steinzeit gefunden
Der Schädel lag ohne Körper in einer Grube. Bild © hr

Bei Grabungen in Frankfurt-Harheim ist einer der ersten dort sesshaften Menschen ans Tageslicht gekommen - teilweise. Forscher haben viele Fragen an den Steinzeitmenschen, dessen Schädel sie fanden. Zuallererst: Wo ist der Rest?

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Frankfurts OB Feldmann bei der Bergung des Steinzeit-Menschenschädels

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In Frankfurt-Harheim ist ein fast 7.000 Jahre alter menschlicher Schädel aus der Steinzeit gefunden worden. Dabei handelt es sich um den Oberschädel von vermutlich einem der ersten Menschen, die in Frankfurt sesshaft wurden und Landwirtschaft betrieben haben, erklärte die Leiterin des Frankfurter Denkmalamts, Andrea Hampel, bei der Bergung des archäologischen Fundes am Dienstag.

Wo ist der Körper der oder des Toten abgeblieben?

Der Schädel wurde bei archäologischen Grabungen vor dort geplanten Bauarbeiten in einer Grube entdeckt. Vom restlichen Körper fehlt allerdings noch jede Spur. Der Kopf wurde vom Körper abgetrennt, der Unterkiefer entfernt und der Schädel aus bislang unbekannten Gründen absichtlich deponiert. Dies sei ungewöhnlich, da Tote grundsätzlich auch in der Steinzeit auf Friedhöfen beerdigt worden seien, sagte Hampel.

Keramikfunde in der Grube ließen laut Hampel darauf schließen, dass der Schädel aus der Zeit um 4800 vor Christus stammt. Damit sei es das erste Skelettteil aus dieser Zeit, das in Frankfurt gefunden wurde. Untersuchungen sollten Alter, Geschlecht und Herkunft des Steinzeitmenschen klären und auch, wie der Kopf vom Körper abgetrennt wurde.

Feldmann: "Einer der ersten Landwirte Frankfurts"

Für Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) liegt die Besonderheit des Fundes in der Tatsache, "dass wir vielleicht einen der ersten Landwirte in Frankfurt gefunden haben, der im Gegensatz zur nomadischen Lebensweise für die neue Technologie der Landwirtschaft steht".

Zuwanderer aus dem vorderasiatischen Raum hatten sich vor rund 7.500 Jahren im heutigen Stadtgebiet von Frankfurt dauerhaft niedergelassen. Mit dieser neuen Sesshaftigkeit lösten sie die Lebensweise der Jäger und Sammler ab. Auf dem Grundstück im Stadtteil Harheim fanden Archäologen zuvor bereits Überreste von Siedlungen aus dieser Zeit.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 16.07.2019, 13 Uhr