Hunderte Menschen versammelten sich vor der Westend-Synagoge in Frankfurt.

Rund 900 Menschen sind dem Aufruf der Stadt Frankfurt zu einer Kundgebung vor der Westend-Synagoge gefolgt. Dort wurde der Opfer des Terrors von Halle gedacht. Die Jüdische Gemeinde richtete deutliche Worte an die AfD.

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Im Gedenken an die Opfer von Halle und von Antisemitismus und Rassismus in der Gesellschaft haben sich am Sonntag etwa 900 Menschen an der Westend-Synagoge in Frankfurt versammelt. Dazu hatte die Stadt in Absprache mit der Jüdischen Gemeinde eingeladen. Die Veranstaltung verlief nach Polizeiangaben ohne Zwischenfälle.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) betonte in seiner Rede, Frankfurt sei eine weltoffene Stadt. Es gebe keinen Platz für Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus. Der OB sprach von einem "weiteren, rechtsextremistischen Terroranschlag". Es sei beschämend, dass das jüdische Leben in Deutschland geschützt werden müsse.

Grünbaum in Richtung AfD: "Schämen Sie sich!"

Neben Feldmann sprach Marc Grünbaum vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt zu den Anwesenden. Er forderte, die antisemitisch motivierte Attacke von Halle müssten endlich zu einem Umdenken führen.

Mitverantwortlich für eine gesellschaftliche Spaltung sei der aktuelle politische Diskurs in Deutschland. Namentlich nannte Grünbaum die AfD. In Richtung der Parteispitze Weidel/Gauland/Meuthen rief er: "Schämen Sie sich, schämen Sie sich auch für Halle!"

Politiker aus ganz Deutschland hatten in den Tagen nach der Attacke von Halle, die zwei Todesopfer forderte, ein schärferes Vorgehen gegen die AfD gefordert. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sprach sich für eine Beobachtung der Partei durch den Verfassungsschutz aus. Der CSU-Vorsitzende Markus Söder sagte am Wochenende: "Die AfD ist auf dem Weg, die wahre NPD in Deutschland zu sein."

3.000 Menschen in Marburg auf der Straße

Für Solidarität mit der Jüdischen Gemeinde und gegen Fremdenhass waren schon am Samstag in Marburg mehr als 3.000 Menschen auf die Straße gegangen. Unter dem Motto #wirstehenzusammen zogen sie durch die Innenstadt. Monika Bunk von der Jüdischen Gemeinde Marburg ermunterte die Bürger, gegen jegliche Form von Ausgrenzung vorzugehen: "Nehmt die alltäglichen Diskriminierungen, Antisemitismen und Hassworte wahr, die an eure Mitmenschen gerichtet werden."

Am Mittwoch hatte ein schwer bewaffneter Mann versucht, in die Synagoge von Halle einzudringen, in der mindestens 50 Gläubige den wichtigsten jüdischen Feiertag Jom Kippur begingen. Als das geplante Massaker misslang - der 27-Jährige scheiterte an der Eingangstür zur Synagoge - erschoss er eine 40-jährige Passantin und einen 20-Jährigen in einem Dönerladen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 13.10.2019, 19.30 Uhr