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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found KV Hessen: Sommerferien-Impfaktion mit Astrazeneca

Strand auf Mallorca

Im Eiltempo mit Astrazeneca impfen und leichter verreisen: Das ist nach den neuen Beschlüssen möglich. Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen ruft dazu auf - doch Virologen sehen die neue Sechs-Wochen-Offensive eher kritisch.

Nach bloß sechs Wochen vollständig geimpft, gerade noch rechtzeitig zum Sommerferienbeginn Mitte Juli: In Hessen können Arztpraxen Impfwilligen nach dem langem Pfingstwochenende Ende Mai eine schnellere Corona-Impfung mit Astrazeneca anbieten.

Erstgeimpfte müssen dann auf den zweiten Pieks nicht mehr zwölf, sondern bloß nur noch vier Wochen warten. Darauf und auf die Aufhebung der generellen Impfpriorisierung für Astrazeneca hatten sich Bund und Länder Anfang Mai geeinigt. In Hessen ruft nun auch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) zu einer Astrazeneca-Impfung im Eiltempo auf.

Zuvor hatten sich die Fach- und Hausarztpraxen, die das Astrazeneca-Vakzin überwiegend verimpfen, an die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) vom RKI zu einen 12-Wochen-Intervall halten müssen. Zugelassen ist der Impfstoff in der EU bereits ab einem zeitlichen Abstand von vier Wochen zwischen den beiden Impfdosen.

Sechs Wochen bis zum Impfpass-Nachweis

Anders als bislang nach insgesamt 14 Wochen - denn für den vollständigen Impfschutz müssen zunächst noch zwei Wochen nach der Zweitimpfung verstreichen - soll es den Nachweis im Impfpass dann schon insgesamt sechs Wochen nach der ersten Spritze geben. Die Lockerung der Intervallvorgabe stelle somit für viele Impfwillige die lang ersehnte Urlaubsperspektive dar, wie die KV mitteilte.

Denn anders als Nicht-Geimpfte müssen Genesene und vollständig Geimpfte mit den in der EU zugelassenen Impfstoffen sich bei der Einreise in vielen EU-Ländern nicht auf das Coronavirus testen lassen oder in Quarantäne begeben. Auch bei der Rückreise nach Deutschland kommen Geimpfte nach den neuen Einreisebestimmungen in den meisten Fällen ohne Quarantänepflicht aus - es sei denn, sie kommen aus einem Gebiet mit neuen, ansteckenderen Virusvarianten.

Virologe Stürmer: Risiko für geringen Impfschutz zu hoch

Wie viele Haus- und Facharztpraxen sich in Hessen an der Impfaktion für den Sommerurlaub beteiligen, ist noch unklar, wie die KV am Freitag erklärte. Eine Auflistung über die teilnehmenden Arztpraxen gebe es nicht. Interessierte müssen sich bei den Praxen selbst erkundigen. Es könne durchaus sein, dass einzelne Hausärzte, die im Moment durch die Zweitimpfungen stark belastet sind, erst einmal nicht bei der Impfaktion mitmachen.

Wissenschaftler wie der Frankfurter Virologe Martin Stürmer befürchten zudem, dass der verkürzte vierwöchige Abstand zu einer niedrigeren Wirksamkeit von Astrazeneca führt. "Man will möglichst schnell möglichst viele Menschen doppelt geimpft haben, um sie in ihre Freiheit zu entlassen. Aber damit erkaufe ich mir, dass bei einem bestimmten Prozentsatz die Impfung nicht wirkt und es doch wieder schwerere Erkrankungen gibt." Dies habe zudem weitreichende Folgen, da für Geimpfte die Testpflicht entfalle.

Einer Studie der Uni Oxford zufolge liegt der Impfschutz von Astrazeneca bei einem zeitlichen Abstand von mindestens zwölf Wochen bei rund 81,3 Prozent, bei weniger als sechs Wochen bloß noch bei 55,1 Prozent. Der Hersteller Astrazeneca verwies Ende März in einer Mitteilung auf neue Erkenntnisse zu einem höheren Impfschutz - demnach soll die Wirksamkeit bei einem Abstand von Erst- und Zweitdosis von vier Wochen deutlich höher bei rund 76 Prozent liegen.

Besser mit Erstimpfung und Negativ-Tests verreisen

Nach Einschätzung des Virologen Stephan Becker, der das Institut für Virologie an der Philipps-Universität Marburg leitet, seien diese Daten jedoch aktuell nicht belastbar, da die Studienergebnisse nicht öffentlich seien. "Wenn die Ergebnisse draußen sind und das belegen, wäre das natürlich sehr gut."

Er rät, der Empfehlung der Stiko zu folgen. "Ich denke auch, dass es besser ist, länger zu warten – vielleicht nicht zwölf Wochen, sondern sechs oder acht Wochen. Je länger man Zeit hat, desto besser ist der Schutz."

Urlaubern und Astrazeneca-Impfwilligen rät er dazu, sich vor Antritt möglichst um eine Erstimpfung zu bemühen - und mit Negativ-Testungen im Sommer zu verreisen. "Die Regeln sind ja auch so, dass man Urlaub machen kann, ohne vollständig geimpft zu sein. Nur hat man dann nicht die Freiheiten wie bei einem vollständigen Impfschutz." Im Urlaub gelte ohnehin das Gebot: mit Abstand und Maske.

Sendung: hr-iNFO, 12.05.2021, 14.20 Uhr