Die Kirche in Usingen-Merzhausen

Einem Anwohner in Usingen-Merzhausen ist das Glockengeläut der benachbarten Kirche so auf die Nerven gegangen, dass er mit einer Anzeige drohte. Die Kirche reagierte mit Schallschutz darauf - zum Leidwesen anderer Nachbarn.

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Die drei Glocken der kleinen evangelischen Kirche in Usingen-Merzhausen (Hochtaunus) sollen eigentlich wohltuend und einladend klingen. "Mir ist wichtig, dass die Gemeinde zeigt: Wir sind da und wir laden zum Gottesdienst ein", sagt Pfarrer Thomas Hessel. Werktags um 7 Uhr und sonntags um 8 Uhr läuten die Glocken für jeweils zehn Minuten. Um 10.30 Uhr laden sie sonntags zudem zum Gottesdienst ein.

Manche Nachbarn finden das allerdings weniger idyllisch. "Es ist schon sehr laut, definitiv. Und es gibt Uhrzeiten, da braucht man heutzutage das Geläut nicht mehr", sagt Helen Krücke, die mit ihrer Familie im Nachbarhaus wohnt. Ein anderer Anwohner drohte gleich mit einer Strafanzeige gegen die Kirche. Wie die FNP berichtet, handelt es sich bei dem Mann um einen Neubürger, also Zugezogenen.

Alteingesessene: "Geläut ist Alltag"

Das passt einigen Alteingesessenen gar nicht. "Das Geläut ist Alltag. Ich finde es wichtig, dass das in Merzhausen erhalten bleibt", sagt Brigitte Emmel von der Metzgerei Emmel, die gegenüber der Kirche liegt. Auch ihr Sohn findet, das Geläut gehöre zum Dorf. "Es gehört genauso dazu wie Leute, die zuziehen und meckern", ergänzt er.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kann es keinem Recht machen: Pfarrer Thomas Hessel

Kirche in Usingen-Merzhausen
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Im Konflikt zwischen Neubürgern und Alteingesessenen sowie Alt und Jung kann es Pfarrer Hessel anscheinend keinem so richtig recht machen. "Wenn die Fenster geschlossen sind, dann ist es doch in Ordnung", beschwichtigt er. Es sei aber tatsächlich lauter, wenn man in der Schallschneise wohne.

Schallschutz hilft nur wenigen Nachbarn

Dennoch: Die Androhung des Nachbarn, Strafanzeige gegen das Geläut zu erstatten, wird in der Gemeinde ernst genommen. Der Pfarrgemeinderat habe im vorauseilenden Gehorsam sofort reagiert, wie Ortsvorsteher Johannes Stenzel (SPD) erzählt. Das sei geschehen, "indem die Glockenzeiten reduziert wurden und indem gerade sonntagmorgens statt drei Glocken nur eine Glocke - die sogenannte Totenglocke - geläutet hat." Zudem sei in Richtung des klagenden Anwohners der Glockenturm mit Schallschutz-Platten verschalt worden.

Der Schallschutz sieht allerdings unästhetisch aus und er strahlt jetzt den Schall auf genau die andere Seite der Kirche - und zwar doppelt so laut. Prompt fühlen sich jetzt die anderen Nachbarn von zu viel christlicher Tradition überfordert. So war das natürlich nicht gedacht.

Die Fronten sind verhärtet, sagt der Ortsvorsteher - spätestens seit der letzten Bürgerversammlung. Um weiteren Beschwerden vorzubeugen, fiel im Ortsbeirat der Entschluss: "Die Platten müssen wieder ab", so Stenzel.

Damit geht alles wieder zurück auf Anfang: Geläut ohne Schallschutz und die Glocken läuten wieder zu den gewohnten Zeiten in gewohnter Dauer und Lautstärke. Vorerst jedenfalls - denn angesichts der Lage soll es nun eine Sondersitzung des Kirchenvorstandes geben.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 14.08.2019, 19.30 Uhr

Ihre Kommentare Kirchenglocken: Schön oder nervig?

40 Kommentare

  • Schön ist es schon, aber könnte manchmal auch nervig sein wenn man so nah an einer Kirche wohnt, gibt schlimmeres.

  • Der Typ soll sich nicht so anstellen. Entweder er akzeptiert es, oder er zieht wieder weg.

  • Kirchenglocken haben früher vielleicht mal einen Sinn gehabt. Heute auf keinen Fall. Sie sollten nicht mehr läuten. Außerdem müsste man auch dann akzeptieren dass der Muezzin gerufen wird aus Gleichbehandlungsgeünden. Und das kann nun keiner wollen. Also ich zumindest nicht!

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