Ein Mädchen geht alleine einen Weg entlang.
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Fast jeder dritte Schüler in Hessen ist bereits Opfer von Mobbing geworden. Das hat eine Umfrage unter 47.000 Teilnehmern ergeben. Linke und FDP sehen ein Versagen der Landesregierung.

Viele Schüler erleben Mobbing und fordern mehr Hilfsangebote an den Schulen. Nach einer Online-Umfrage der Landesschülervertretung sind 27 Prozent der Kinder und Jugendlichen schon einmal rund um den Unterricht Opfer von Mobbing gewesen. 33 Prozent hätten das auch bereits im Zusammenhang mit körperlicher Gewalt erlebt. Im Förderschulbereich sind es der Umfrage zufolge sogar knapp 60 Prozent. 2017 war die Zahl der Straftaten auf Schulhöfen leicht gestiegen.

Es müsse mehr vorbeugende Maßnahmen und "Hilfen im Ernstfall" geben, damit Schule "als Lebensraum zum Wohlfühlen" verstanden werden könne, forderte die stellvertretende Landesschulsprecherin Hannah Kriebel.

Schüler auch zu Hausaufgaben und Inklusion befragt

An der Umfrage hatten zwischen Dezember und März 47.000 Schüler teilgenommen. Befragt wurden Kinder und Jugendliche aller Jahrgangsstufen und Schulformen. Dabei ging es auch um die Themen Hausaufgaben, Inklusion, Mediennutzung und Berufsorientierung. Die Befragung sei bundesweit einmalig, hieß es von der Landesschülervertretung.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) verwies auf die bereits laufenden Programme im Kampf gegen Mobbing an Schulen. Diese würden fortgesetzt und weiter ausgebaut. Die Online-Umfrage der Landesschülervertretung gebe dafür gute Orientierungspunkte.

Linke fordert sinnvoll betreute Ganztagsschulen

Für die Landtagsfraktion der Linken offenbaren die Umfrageergebnisse "ein Versagen der hessischen Bildungspolitik im Umgang mit Gewalt an Schulen". Die Abgeordnete Gabi Faulhaber kritisierte, auch das "Versagen bei der Inklusion" gehe an der Schülerschaft nicht spurlos vorbei. "Inklusion scheitert an zu großen Klassen, fehlendem Personal und einer unzulänglichen Gebäudegestaltung."

Faulhaber betonte zudem, Schüler hätten zu viele und oft nicht sinnvolle Hausaufgaben auf. "Zu viele sind auf teure Nachhilfe angewiesen, die sie sich ganz einfach nicht leisten können." Chancengleichheit und ein gerechteres Schulsystem könnten nur durch sinnvoll betreute Ganztagsschulen gewährleistet werden.

FDP: "Landesregierung tut nichts, um Abhilfe zu schaffen"

Die FDP-Fraktion bezeichnete die Ergebnisse als erschreckend. "Seit Jahren ist das Problem bekannt, aber die Landesregierung tut nichts, um Abhilfe zu schaffen", kritisierte der Fraktionsvorsitzende René Rock. "Wir haben das Thema immer wieder im Landtag auf die Tageordnung gesetzt, ohne Erfolg."

Rock forderte die Landesregierung auf, die Förderung der Sozial- und Medienkompetenz verbindlich in den Schulunterricht aufzunehmen und den Themenkomplex Mobbing/Cybermobbing/Medienbildung in die Lehreraus- und -fortbildung zu integrieren. Außerdem regte er an, alle parallel bestehenden Präventionsmaßnahmen in einem Ministerium zu bündeln und dort auch eine zentrale Anlaufstelle zur Krisenintervention einzurichten.

Sendung: hr-iNFO, 24.04.2018, 17 Uhr