Lübcke Schule Wolfhagen

Schüler im nordhessischen Wolfhagen wollen ihre Schule nach Walter Lübcke umbenennen. So würdigen sie den ermordeten Politiker - und werden den ungeliebten bisherigen Namenspatron der Schule los.

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Schüler, Eltern und Lehrer der Wilhelm-Filchner-Schule haben am Donnerstagabend dafür gestimmt: Die Schule in Wolfhagen (Kassel) soll in Gedenken an den ermorderten Kasseler Regierungspräsidenten in Walter-Lübcke-Schule umbenannt werden. Lübcke, der in Wolfhagen-Istha lebte, war im vergangenen Juni mutmaßlich von dem Neonazi Stephan Ernst erschossen worden.

Für die Schulvertreter ist die angestrebte Namensänderung gleich ein doppeltes Anliegen. Denn neben der Würdigung Lübckes hatte es zuvor schon seit Jahren Vorstöße gegeben, den ungeliebten Namenspatron Filchner loszuwerden. Jetzt ist ein erster wichtiger Schritt gemacht.

"Wir Schüler sind sehr dankbar, dass wir mit unserem Anliegen ernst genommen wurden", freute sich Lukas Mühlbauer von der Schülervertretung am Freitagmorgen. Der 17-Jährige hat die Idee der Umbenennung mitentwickelt.

"Nach dem Krieg nie distanziert"

Mit dem Geophysiker Wilhelm Filchner (1877-1957) habe sich die Schülerschaft eigentlich nie so richtig identifizieren können, erklärte Mühlbauer. Filchner ließ sich Forschungsreisen von der NS-Regierung bezahlen und nahm von ihr Auszeichnungen entgegen. Außerdem war er Gründungsmitglied der Gesellschaft für Rassenhygiene.

Was die Schüler dabei besonders gestört habe: "Dass Filchner sich nach dem Krieg nie davon distanziert hat", sagte Mühlbauer.

Auch regionaler Bezug fehlt

Außerdem fehle bei Filchner der regionale Bezug, weder lebte noch arbeitete er in der Region. "Wir wollten einen Namen und eine Person, die diesen lokalen Bezug erfüllt und Werte vermittelt, die auch die Schulgemeinde teilt", erklärte Mühbauer. Und die sei nun in der Person des ermordeten CDU-Politikers Walter Lübcke gefunden worden.

Die Wilhelm-Filchner-Schule in Wolfhagen.

"Uns geht es um die Werte, die er immer wieder nach außen vertreten hat und die ihn leider auch sein Leben gekostet haben: Streiten für die Demokratie", berichtete Mühbauer weiter. Und demokratische Werte seien das, was die Schüler in der Schule täglich leben wollten.

"Wird keine Diskussionen geben"

Das letzte Wort hat jetzt der Landkreis Kassel. "Wir müssen das jetzt in unsere Gremien bringen", sagte Kreissprecher Harald Kühlborn. Es gehe nur darum, ob irgendetwas Rechtliches dagegen spricht. Davon gehe er aber nicht aus. Klar sei auch schon, dass Lübckes Familie die Umbenennung begrüße. Wenn alles gut gehe, könne es der Kreistag schon am 1. April beschließen. "Ich gehe davon aus, dass es nicht einmal eine Diskussion gibt."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 28.02.2020, 19.30 Uhr