Leerer Klassenraum

Wie geht es nach den Osterferien in Hessens Schulen weiter? Regierungschef Bouffier skizziert erste Gedankenspiele. Eltern vermissen derweil Ansagen zum Homeschooling, Lehrer eine Handhabe.

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hessenschau vom 08.04.2020
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  • Kanzlerin und Ministerpräsidenten beraten über Schulöffnungen
  • Hessens Ministerpräsident Bouffier für schrittweisen Schulbeginn offen
  • Lehrerverband GEW stellt Forderungen zur Hygiene
  • Elternbeiräte kritisieren Unklarheit beim Homeschooling
  • Schulen vermissen Handhabe bei Notengebung

Die Mitte März verordnete Schließung der hessischen Schulen dauert vorerst noch bis zum Ende der Osterferien. Das ist nicht mehr lang hin. Doch eine Lösung für die Zeit danach gibt es noch nicht. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länderchefs wollen darüber in der kommenden Woche beraten. Von einer Verlängerung der Zwangsferien bis zu einer Scheibchen-Lösung ist vieles möglich. Nur eins scheint ausgeschlossen: ein regulärer Schulbetrieb ab dem 20. April.

Schicht oder Scheibchen?

"Wir dürfen nicht riskieren, dass die Erfolge, die wir jetzt erzielt haben, wieder zunichte gemacht werden", sagte Ministerpräsident Bouffier im Gespräch mit der hessenschau am Mittwochabend. Gemeinsam mit seinen Amtskollegen und der Kanzlerin werde er kommende Woche "versuchen, abzuwägen, was verantwortet werden kann". Bestenfalls werde eine deutschlandweite Lösung dabei herauskommen.

Wie das aussehen könnte, deutete Bouffier an: Eine Möglichkeit sei es beispielsweise, zunächst nur diejenigen Schüler zurückzubeordern, die ihre Abschlüsse machen. Eine andere Überlegung sei eine Art Schicht-Unterricht, "damit nicht so viele auf einen Schlag zusammenkommen". Einher ginge das freilich mit einem größeren organisatorischen Aufwand – und einer Menge Zeitdruck.

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Wie sollte es nach den Ferien an den hessischen Schulen weitergehen?

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Ergebnis (%)
1
Schulen sollten noch zubleiben.
61,3
2
Schulen sollten im Schichtbetrieb wieder öffnen.
18,2
3
Schulen sollten ganz regulär wieder öffnen.
12,0
4
Schulen sollten öffnen, aber nicht für alle.
8,5

Politik ringt um Lösungen

Hier gehe Sorgfalt aber klar vor Schnelligkeit, betonte der Landeschef. "Wir werden nicht in einen Wettbewerb gehen, wer der Schnellste ist." Er baue in dieser Hinsicht auf den Rat der Mediziner, sagte Bouffier, und brachte das Dilemma der politisch Verantwortlichen auf den Punkt: "Die werden uns nicht den Gefallen tun, uns genau zu erklären, was wir zu machen haben."

Dass es die eine, richtige Lösung wohl nicht gibt, zeigt auch das unterschiedliche Vorgehen in anderen europäischen Ländern. Während Österreich seine Schulen nicht vor Mitte Mai öffnen will, legt Dänemark etwa nach Ostern wieder los. Und im Gegensatz zu den hessischen Gedankenspielen sind es bei den Skandinaviern nicht die Älteren, die zurück auf die Schulbank sollen, sondern die Kinder der Klassen 1 bis 5.

Lehrerverband: Hygiene zur Chefsache erklären

Der Deutsche Lehrerverband (DL) könnte mit einer stufenweisen Annäherung an den Normalbetrieb leben. Vorstellbar wäre beispielsweise eine Aufteilung der Klassen in verschiedene Gruppen. So könnte ein Sicherheitsabstand zwischen den Schülern gewährleistet werden.

Hessens Vorsitzende des Lehrerverbands GEW Maike Wiedwald forderte, das Thema Hygiene müsse an den Schulen zur "Chefsache in Politik, bei Behörden und bei den Trägern" gemacht werden. Es brauche eine deutliche Verbesserung der Zustände in den Bildungsanstalten des Landes. Die GEW Hessen nannte in einem Schreiben vom Donnerstag exemplarisch Waschbecken, Seife, Desinfektionsmittel und Papierhandtücher in möglichst allen Klassen- und Gemeinschaftsräumen und ausreichend funktionierende Toiletten.

Lorz: Aufgaben als sinnvolle Beschäftigung

Elternverbände sorgen sich derweil mehr um inhaltliche Fragen denn um Rahmenbedingungen eines möglichen Schul-Neustarts. Die Elternbeiräte der Städte Wiesbaden und Frankfurt forderten am Donnerstag in einem offenen Brief an Kultusminister Alexander Lorz (CDU) eine unmissverständliche Kommunikation zur Bedeutung des Homeschooling. Es herrsche noch immer keine Klarheit darüber, ob die in den zurückliegenden Wochen erbrachten Leistungen zu bewerten sind, heißt es in dem Brief.

Lorz hatte die Eltern zum Start der Osterferien zur Gelassenheit aufgerufen. Die unterrichtsfreien Wochen würden "nicht über Dinge wie Versetzung oder Nicht-Versetzung" entscheiden. Er sehe die Aufgaben für Zuhause vor allem als Angebot, die Kinder sinnvoll zu beschäftigen.

Keine einheitliche Handhabe zum Homeschooling

Das Kultusministerium hatte den Schulen bereits Mitte März eine zeitnahe Entscheidung zur Notengebung in Aussicht gestellt. Eine einheitliche Handhabe, die über die Schulämter weitergetragen wurde, gibt es nach Informationen von hessenschau.de aber bis heute nicht. So liegt die Entscheidung über Hausaufgaben und deren Bewertung in der unterrichtsfreien Zeit bislang bei den Schulleitern und Lehrern selbst.

"Die Schulen einfach laufen zu lassen, ist vielleicht Kalkül, vielleicht Unfähigkeit", mutmaßt Wiesbadens Stadtelternbeirats-Vorsitzender David Böhne im Gespräch mit hessenschau.de, "aber es ist auf jeden Fall unbefriedigend."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 08.04.2020, 19.30 Uhr

Ihre Kommentare Was meinen Sie? Wie sollte es nach den Ferien in den Schulen weitergehen?

440 Kommentare

  • Die Schulpflicht ist meiner Meinung nach auszusetzen.
    Ich bin eine der Mütter, die ihre Kinder in der momentanen Situation nicht in die Schule schicken möchte und wird.
    Auf der anderen Seite bräuchten Familien im Homeoffice oä wohl mehr Unterstützung.
    Für mich steht Gesundheit jedenfalls VOR nachholbarer Bildung!
    Gegensätzliche Beschränkungen machen für mich kaum Sinn.
    Schulen öffnen aber Kontaktverbot?
    Gutgemeinte Maßnahmen wie Abstand,Händewaschen etc.sind in Schulen wohl kaum zu gewährleisten. Darum: klare Meinung.
    Unsere Kinder würden zusammen mit den Lehrern zu potentiellen Überträgern und das Kostbare das wir haben, wäre in Gefahr.
    Für mich eine grausame Vorstellung...

  • Nein, bin nicht dafür, denn sonst würden wir wieder von vorne anfangen... Das Problem ist, dass sich wenige Kinder an die Hygienemaßnahmen halten... Und somit wieder Gefahr für alle bedeuten würde.

  • Die Schulen sollten wieder öffnen. Mein Kind geht in die 8. Klasse der Realschule und ich kann ihr beim Homeschooling nicht mehr helfen. Da ich arbeiten gehe, ist alles nicht so einfach. Dann sollten an Gesamtschulen vielleicht klassenweise angefangen werden. Zuerst von Montag bis Mittwoch, die jetzt oder nächstes Jahr den Abschluss machen und Donnerstag und Freitag, die anderen Schüler, oder so. Beim Unterricht daheim werden neue Themen angefangen und es wird nicht richtig erklärt. Das schwächere Schüler freiwillig wiederholen sollen finde ich nicht gut, denn die Kinder hatten keine Chance durch die Schulschließung sich zu verbessern. In anderen Ländern klappt es doch auch unter Einhaltung der hygienischen Bestimmungen. Wenigsten Kinder sollten wieder ein wenig Normalität bekommen.

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