Ein Mann springt vom Zehn-Meter-Turm im Frankfurter Stadionbad

Die Hälfte der hessischen Freibäder blieb in diesem Sommer ganz dicht, andere verzeichneten wegen der Corona-Beschränkungen deutliche Einbußen. Dennoch wird mancherorts die Saison verlängert.

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hessenschau kompakt von 16:45 Uhr vom 14.09.2020
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"Ich bin unglaublich froh, dass unser Schwimmbad in diesem Sommer geöffnet hatte", sagt Uta Bach aus Mossautal-Güttersbach im Odenwald und spricht vermutlich für die meisten Freibad-Besucher in Hessen. Ein Sommer ohne nasse Abkühlung? Nicht vorstellbar.

Seit Mitte Juni dürfen Freibäder wieder öffnen. Doch wegen Corona war vieles anders. Ein Hygienekonzept musste entwickelt und Abstandsregeln eingehalten werden. Der Güttersbacher Bademeister Timo Münch zog eine positive Bilanz: "Es lief sehr gut, die Leute haben sich zu 98 Prozent an die Regeln gehalten."

Nur Hälfte aller Freibäder war geöffnet

So ganz problemlos ging die Corona-Pandemie aber nicht vorbei. Nur rund die Hälfte aller Freibäder war geöffnet, sagt Michaela Fisseler-Weinreich vom Landesverband der Schwimmmeister: "Die meisten Badbetreiber haben eine nach Hygieneplan mögliche Auslastung von 60 Prozent erreicht."

So seien bei weitem nicht die Besucher-Zahlen der vergangenen Jahre erzielt worden. Zugangsbeschränkungen und Umstellung auf Online-Tickets sorgten für mehr Platz auf den Liegewiesen und in den Becken. Zudem hatten die Bäder nur rund 90 statt der sonst üblichen 120 Tage geöffnet.

Darmstadt: Rund 300.000 Badegäste weniger

Rafael Reißer (CDU), Bürgermeister von Darmstadt

Finanziell sind Freibäder für Kommunen ohnehin oft sogenannte Zuschussgeschäfte, die Kosten für den Betrieb höher als die erzielten Einnahmen. In Darmstadt etwa rechnet Bürgermeister Rafael Reißer (CDU) mit einem Einnahmeausfall von einer halben Million Euro. Anstatt der sonst üblichen 400.000 Badegäste seien in diesem Sommer nur rund 100.000 in die fünf Darmstädter Bäder gegangen.

Reißer ist dennoch froh, dass die Schwimmbäder in Darmstadt unter Auflagen öffnen konnten. So habe es eine kleine Möglichkeit gegeben, den Menschen trotz Corona etwas anzubieten.

Frankfurt mit Hygienekonzept zufrieden

Etwas besser sieht die Bilanz in Frankfurt aus: Rund 470.000 Besucher zählten die Bäder in der verkürzten Sommer-Saison, rund 23 Prozent weniger Badefreudige als im Vorjahr.

Positiv gestimmt ist Stadtrat Markus Frank (CDU) dennoch bei der Vorstellung der Bilanz am Montag: Das mehrstufige Hygienekonzept sei aufgegeangen, es habe keinen einzigen Fall einer Infektion in den Bädern gegeben. "Trotzdem wird dieses Jahr in Erinnerung bleiben", sagt Frank. Frankfurt gehörte zu einer der ersten Städte in Hessen, die ihre Bäder öffneten, nachdem die Landesregierung das Okay gegeben hatte.

Badesaison geht in Verlängerung

Trotz der gemischten Bilanz der Betreiber gehen einige hessische Freibäder wegen des sommerlichen Wetters nun sogar in die Verlängerung. In Kassel hat man sich etwa dazu entschlossen, die Badesaison bis zum 20. September zu erweitern. "Wir wollen die schönen Tage in dieser Woche nochmal mitnehmen", sagt Heiko Meckbach, stellvertretender Leiter Bäder der Städtischen Werke Kassel.

Auch in Alsfeld, Wetzlar, Erbach, Hanau oder Wiesbaden verlängern die Freibäder ihre Saison um eine Woche. Manche Badeseen gehen sogar noch weiter: An der Stockelache im Schwalm-Eder-Kreis oder am Badesee Bensheim haben Gäste sogar bis Ende des Monats noch die Möglichkeit schwimmen zu gehen.

Sendung: hr fernsehen, hessenschau, 14.09.2020, 16.45 Uhr