Portrait von Claudia Schmitz vor einem alten Gebäude stehend.

Bislang empfiehlt das RKI Schwangeren nur in Ausnahmen eine Impfung gegen Corona. In anderen Ländern werden sie längst geimpft - auch deshalb fordern Ärzte und Betroffene zunehmend eine Priorisierung.

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Claudia Schmitz aus Hochheim (Main-Taunus) wünscht sich nichts sehnlicher als eine Impfung gegen das Coronavirus. Die 36-Jährige ist in der 19. Woche schwanger, sie erwartet Zwillinge und möchte sich und ihre Babys vor einer Infektion schützen.

Ihre Frauenärztin habe ihr bislang von einer Impfung abgeraten, weil die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut (RKI) diese nicht grundsätzlich empfiehlt, wie Schmitz berichtet. Die Stiko führt ins Feld, dass einfach zu wenige Daten auf die Auswirkungen von Corona-Impfstoffen auf Schwangere und ihre ungeborenen Kindern vorlägen. Sie empfiehlt lediglich, Schwangeren mit Vorerkrankungen nach einer Nutzen-Risiko-Abwägung eine Impfung anzubieten.

Viele Ärztinnen und Ärzte schrecken daher vor einer Impfung von Schwangeren ohne Vorerkrankungen zurück. Sie fürchten, im Fall von Nebenwirkungen haftbar gemacht zu werden.

Schwangere sieht sich erhöhtem Risiko ausgesetzt

"Als Schwangere fühle ich mich überhaupt nicht wahrgenommen", sagt Claudia Schmitz. Sie habe zwar keine Vorerkrankungen, sehe sich aber einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Ihr Kind gehe in die Notbetreuung, ihre Mehrlingsschwangerschaft sei eine Risikoschwangerschaft, und sie pflege ihren krebskranken Schwiegervater.

Als pflegende Angehörige gehört sie zur Priorisierungsgruppe 3. Für einen Termin in einem Impfzentrum hat sie sich deswegen schon angemeldet. Ob sie dort wirklich eine Spritze erhalten wird, habe ihr bislang aber niemand beantworten können, erzählt sie. "Ich solle es einfach mal probieren", habe ihr jemand vom Ärztlichen Notdienst am Telefon gesagt.

Ärzte wollen generelle Impfung von Schwangeren

Inzwischen sprechen sich immer mehr Verbände und Ärztinnen und Ärzte für eine Impfung von Schwangeren aus, weil bei diesen Frauen das Immunsystem insgesamt geschwächt sei. Sie weisen darauf hin, dass in mehreren Ländern wie den USA und Israel Schwangere bevorzugt geimpft werden oder wurden, in der Regel mit mRNA-Präparaten.

Laut einer Registerstudie der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin lagen am 22. April von bundesweit 1.900 gemeldeten Schwangeren 78 mit einer Corona-Infektion und mit "schweren mütterlichen Verläufen" auf Intensivstationen. Zahlen für Hessen lieferte das Sozialministerium bisher nicht.

Fehlende Stiko-Empfehlung verunsichert Ärzte

Eine Impfung von Schwangeren hält auch der Landesvorsitzende des Berufsverbandes der Frauenärzte, Klaus Doubek, für sinnvoll. Für viele Frauenärztinnen und Frauenärzte sei die Frage nach der Haftung unklar, solange die Stiko eine Impfung von Schwangeren nicht ausdrücklich empfehle.

Das Sozialministerium verweist auf das Infektionsschutzgesetz, wonach alle, "die mit einem der derzeit verwendeten Impfstoffe geimpft wurden und bei denen sich erhebliche Nebenwirkungen einstellen, einen Impfschadenausgleich erhalten können, unabhängig von etwaig abweichenden Empfehlungen der Stiko".

Ganz unbegründet seien die Bedenken vieler Ärztinnen und Ärzte nicht, findet Rechtsanwalt Klaus Doubek. Das Infektionsschutzgesetz greife zwar unabhängig von Stiko-Empfehlungen, "dennoch bleiben Lücken", sagt Doubek. So sehe das Gesetz "keinen Anspruch auf Schmerzensgeld vor". Außerdem könne es "Lücken geben, wenn Geschädigte berufsunfähig werden".

Stiko beschäftigt sich mit Schwangeren-Impfung

Die Stiko beschäftige sich derzeit intensiv mit der Impfung Schwangerer, berichtet Sabine Wicker, stellvertretende Vorsitzende der Ständigen Impfkommission und Fachärztin am Universitätsklinikum Frankfurt. Neueste Studien würden überprüft. Bislang fehlten ausreichend Daten, da in die ersten Zulassungsstudien für Impfstoffe Schwangere nicht einbezogen gewesen seien.

Claudia Schmitz weiß, wie kontrovers Corona-Impfungen für Schwangere diskutiert werden. Für sich und ihre ungeborenen Zwillinge wünscht sie sich dennoch klarere Aussagen, um sich in der Pandemie sicherer zu fühlen.

In den kommenden Tagen will die Stiko nach eigenen Angaben ihre Impfempfehlung für Schwangere aktualisieren. Für Claudia Schmitz zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 05.05.2021, 19.30 Uhr