Annemarie Lea Fuckel ist Doula und Geburtsfotografin

Sie ist da, wenn es emotional wird oder an die körperlichen Grenzen geht: Manche Frauen lassen sich rund um die Geburt ihres Kindes von einer Doula begleiten. Was macht diese Schwangerschaftshelferin?

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Eine Gebärmutter als Tattoo auf dem Unterarm. Ein kraftvolles Symbol, das Annemarie Lea Fuckel bei ihrer Arbeit als Doula täglich begleitet. Ohne Gebärmutter gibt es kein Leben, sagt sie während sie mit ihren Fingern über die Tätowierung fährt. Sie sitzt in ihrem Wohnzimmer, ein orangenes Sofa steht vor einer violetten Wand, Kerzen und eine Vase mit Pfingstrosen auf dem Couchtisch. Es herrscht eine gemütliche, einladende Atmosphäre. Ein Raum für Emotionen, wie es die 22-Jährige nennt.

"Jede Geburt ist anders"

Eine Doula - vom altgriechischen Wort für Dienerin - begleitet eine Frau auf dem Weg zum Muttersein. Nicht nur während der Geburt, sondern auch in der Schwangerschaft und im Wochenbett. Eine Hebamme kann sie allerdings nicht ersetzen, denn eine Doula ist keine medizinische Fachkraft. "Jede Geburt ist anders, jede Frau ist anders, somit ist auch die Begleitung immer verschieden", sagt Annemarie Lea Fuckel, "ich begleite Frauen, die zum ersten Mal schwanger sind, aber auch Mütter, die bereits einen Kaiserschnitt hatten und sich jetzt eine natürliche Geburt wünschen."

Gebärmutter-Tattoo von Annemarie Lea Fuckel

Nach dem Abitur habe sie zuerst als Geburtstfotografin gearbeitet, erzählt Fuckel. Bei einem ihrer ersten Termine habe sie dann eine Erfahrung gemacht, die sie dazu bewegt habe, Doula zu werden. "Ich habe eine Geburt in einer Klinik fotografiert und war entsetzt, wie dort mit der Mutter umgegangen wurde. Gleichzeitig wurde mir bewusst, was für einen Unterschied es machen kann, wenn eine Frau liebevoll und aufmerksam begleitet wird", sagt die Frankfurterin. Seitdem sei ihr klar gewesen, was sie in Zukunft machen wolle.

Immer auf Bereitschaft

An der Wohnungstür stehen zwei Taschen. In der einen ist der Fotoapparat, in der anderen eine Menge Kleinigkeiten, die der werdenden Mutter die Geburt erleichtern sollen. Ein Kamm, in den sie greifen kann, um die Schmerzen zu lindern, LED-Kerzen für ein warmes Licht, ein paar Snacks zur Stärkung und Öle für eine Massage. Ihre Doula-Tasche ist immer gepackt und bereit. "Wenn es losgeht, muss ich schnell sein, auch nachts ist mein Handy immer auf laut", sagt Fuckel.

Annemarie Lea Fuckel ist Geburtsfotografin

Wie die Begleitung abläuft, ist immer unterschiedlich. Der Geburtszeitraum wird meist auf fünf Wochen geschätzt. Die Begleitung einer Doula kann aber auch länger dauern, je nach den Bedürfnissen der Frau. Annemarie Lea Fuckel unterstützt die Frauen mit Gesprächen, Massagen oder Buchempfehlungen. "Eine Schwangerschaft ist oft mit Ängsten verbunden, je nachdem, welche Vergangenheit die Frauen haben - sei es eine vorherige Geburt oder ein Verlust", berichtet sie. Manche Doulas begleiten Frauen während dem Adoptionsprozess, andere unterstützen Mütter bei einer Fehlgeburt. Das Spektrum sei groß.

Väter und Doulas

"Manche Väter sind anfangs skeptisch und denken, ich wolle sie ersetzen", sagt Fuckel. Dabei sei sie eher eine gute Freundin, die unterstützt. "Wenn wir dann sprechen, merken doch viele, dass ich eine Entlastung sein kann und beiden zur Seite stehe. So kann auch der Vater während der Geburt mal durchatmen oder mit den Hebammen sprechen, wissend, dass seine Frau nicht alleine ist", erklärt die 22-Jährige. Doulas begleiten Frauen bei Hausgeburten oder in Kliniken.

Rosa Lulay ist eine der rund 30 Mütter, die Annemarie Lea Fuckel begleitet hat. Sie hat ihre Tochter im August vergangenen Jahres zur Welt gebracht. "Ich habe während der Geburt irgendwann angefangen zu weinen, nicht wegen der Schmerzen, sondern weil es einfach so emotional war", berichtet die 27-Jährige. "Annemarie hat mir dann ein Kuscheltier gebracht, das mir meine Mutter geschenkt hat, die kurz vorher gestorben ist. Das war ein magischer Moment", erzählt Rosa Lulay.

Nicht jede Frau kann sich eine Doula leisten

Allerdings kann sich nicht jede Frau eine Doula leisten. Die Unterstützung kostet zwischen 500 und 1.000 Euro, je nach Zeitraum. "Ich finde es sehr schade, dass die Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen, obwohl es Evidenzen dafür gibt, dass das Kaiserschnittrisiko und der Einsatz von schmerzhemmenden Maßnahmen wie PDAs sinken", sagt Annemarie Lea Fuckel. Auch das Gefühl nach der Geburt sei bei den von Doulas betreuten Frauen positiver.

Rosa Lulay hatte eine Doula

Trotzdem wachse das Bewusstsein für Doulas in der Gesellschaft und unter Müttern. Neben der emotionalen Unterstützung als Doula bietet Annemarie Lea Funkel an, die Frauen in der Schwangerschaft und während der Geburt zu fotografieren.

Rosa Lulay durchlebt beim Betrachten der Fotos den schönsten und gleichzeitig kraftvollsten Moment ihres Lebens immer wieder aufs Neue. Freude, Verzweiflung, Schmerz, Glück und Liebe festgehalten in Bildern. "Diese animalischen Gesichtsausdrücke, die da teilweise entstanden sind, haben mich daran erinnert, was das für ein heftiger Moment war", sagt die junge Mutter. Das nehme man in dem Moment gar nicht so wahr, "wenn man danach aber die Fotos sieht, dann weiß man, was man geschafft hat".

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Geburt zeigen, ohne Tabus

Anders als im Film se eine Geburt keine Hochglanz-Veranstaltung, betont Annemarie Lea Fuckel. "Dieses Bild aus Hollywood: Ein paar Wehen, Fruchtblase platzt und kurz darauf legt sich die Frau ein sauberes, sechs Monate altes Baby auf die Brust, so ist Geburt nicht", sagt die Doula. Da dürfe auch mal ein bisschen Fruchtwasser oder Blut sein, das sei total normal. Ihre Fotos veröffentlicht sie mit Einverständnis der Mütter auf Instagram (@annemarielea_geburtsfotografin). Sie und die Frauen wollen, dass die Geburt authentischer, ehrlicher und ohne Tabus gezeigt wird.

Ob sie sich ein ganzes Leben als Doula vorstellen könne, weiß die 22-Jährige noch nicht. "Es ist emotional doch auch anstrengend, die dauerhafte Bereitschaft macht den Beruf stressig", berichtet Fuckel. Manchmal komme sie nach Hause und müsse weinen. "Trotzdem kann ich mir nichts Schöneres vorstellen. Wenn ich mal ein paar Wochen keine Geburt hatte, bekomme ich direkt Geburtssehnsucht", sagt die Doula mit einem Lächeln.

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