Boote auf dem Main, Brücke, abgeseilte Menschen mit Transparent

Aktivisten des Bündnisses "Seebrücke" haben mit Booten stundenlang den Schiffsverkehr auf dem Main bei Frankfurt blockiert. Zuvor waren rund 1.200 Demonstranten durch die Stadt gezogen. Sie forderten eine humanere Flüchtlingspolitik.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mainblockade nach Demonstration

Demonstration für Seenotrettung "Unite4Solidarity" in Frankfurt
Ende des Audiobeitrags

Eine Blockade des Mains in Frankfurt ist am Samstagabend friedlich beendet worden. Aktivisten des Bündnisses "Seebrücke", die sich am Nachmittag an der Alten Brücke mit einem Dutzend Boote auf dem Fluss platziert und den Schiffsverkehr blockiert hatten, paddelten nach wenigen Stunden ans Ufer. Mit der Blockade hatten sie auf die Situation von Flüchtlingen und Rettungsschiffen im Mittelmeer aufmerksam machen wollen.

Spontandemo auf der Wasserstraße #Main #Frankfurt will bleiben bis Forderungen erfüllt sind. Gefragt sind @OBPeterFeldmann @SPD_FFM @grueneffm @cdu_frankfurt zum Gespräch auf der Alten Brücke und Support mit Freund*innen Essen und Trinken

[zum Tweet mit Bild]

Dazu hatten sich auch Aktivisten mit einem Transparent von der Brücke abgeseilt. Darauf war zu lesen "Safe Passage Now!" ("Sichere Überfahrt jetzt!"). Die Brücke selbst war von rund 200 Demonstranten besetzt. Sie wurde für den Autoverkehr gesperrt. Die Aktivisten forderten Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und weitere Stadtpolitiker zum Gespräch auf.

Nach dem Ende der Blockade zogen die verbliebenen Demonstranten noch einmal Richtung Konstablerwache. Einem Polizeisprecher zufolge blieb bei den Aktionen alles friedlich. Man sei mit den Aktivisten in den Dialog gegangen. Diese hätten sich kooperationsbereit gezeigt. Die Ermittlungen zur Blockade dauerten noch an.

Frankfurt soll Hafen für Flüchtlinge werden

Bereits zuvor hatten nach Polizeiangaben etwa 1.200 Menschen in der Innenstadt für eine humanere Flüchtlingspolitik demonstriert. Dazu zogen die Demonstranten an den Parteibüros von CDU und SPD vorbei. Sie verlangten, dass sich Frankfurt den rund 60 Städten in Deutschland anschließt, die sich zu einem sicheren Hafen für Flüchtlinge erklärt haben.

"Wir brauchen eine mutige Kommunalpolitik, die sich in Zeiten rechten Terrors erst recht weltoffen und solidarisch mit geflüchteten Menschen erklärt", sagte der Sprecher von "Seebrücke" Frankfurt, Georg Bosak. Die Situation von Menschen auf der Flucht habe sich wegen der europäischen Migrationspolitik zusehends verschlechtert.

Repressionen gegen Seenotretter angeprangert

Im vergangenen Jahr seien über 2.200 Menschen im Mittelmeer ertrunken, andere würden nach ihrer Rettung im Mittelmeer wieder zurück ins Bürgerkriegsland Libyen gebracht.

Auch die massive Repression gegenüber zivilen Seenotrettern nehme weiter zu. Rettungsschiffe wie die Open Arms und die Ocean Viking würden aktuell auf dem Mittelmeer blockiert. Mit der Main-Blockade habe man die Situation auf dem Mittelmeer in das Herz Europas getragen, sagte Bosak.

Die "Seebrücke" besteht seit etwa einem Jahr. Sie ist nach eigenen Angaben eine soziale Bewegung, die sich mit über 100 Lokalgruppen bundesweit für sichere Fluchtwege und die kommunale Aufnahme von aus Seenot geretteten Menschen einsetzt. Mitte Juni gründete sich beim "Seebrücke"-Kongress das kommunale Bündnis “Städte Sicherer Häfen”.

Sendung: hr-iNFO, 10.08.2019, 17.30 Uhr