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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Limburgs Bischof kritisiert Segnungsverbot Homosexueller

Limburgs Bischof Georg Bätzing

Die Segnung von Schwulen und Lesben sei "objektiv" nicht Gottes Wille: Das hat der Vatikan kürzlich noch einmal bekräftigt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bätzing, teilt diese Meinung ausdrücklich nicht.

Der Limburger Bischof Georg Bätzing hat das Segnungsverbot des Vatikans für homosexuelle Paare deutlich kritisiert: "Ein Dokument, das sich in seiner Argumentation so eklatant einem Erkenntnisfortschritt theologischer und humanwissenschaftlicher Art verschließt, wird dazu führen, dass die pastorale Praxis darüber hinweggehen wird", sagte Bätzing in einem Interview auf der Website seines Limburger Bistums.

Er könne das Unverständnis der Gläubigen verstehen "und teile es ausdrücklich", sagte er. Bätzing ist zugleich Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, sein Wort hat damit Gewicht in der innerkirchlichen Debatte.

Bistum hatte schon in sozialen Medien Stellung bezogen

Das Postulat des Vatikans, dass homosexuelle Paare nicht gesegnet werden dürften, weil dies "objektiv" nicht Gottes Wille sei, hatte in der katholischen Kirche in Deutschland in der vergangenen Woche einen Proteststurm entfacht.

Es gab darauf aus Deutschland viele kritische Reaktionen - unter anderem auch vom Bistum Limburg. Es hatte in den sozialen Medien Stellung bezogen und sein Facebook- und Instagram- Profilbild mit einer Regenbogenfahne versehen - dem Symbol der Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Bewegung.

Das war aber eine Aktion unabhängig vom Bischof. Dieser hatte sich nach der Ankündigung des Vatikans zunächst noch zurückhaltend geäußert ("Auf Fragen dieser Art gibt es keine einfachen Antworten"), legte nun aber nach: "Gläubige in der Kirche akzeptieren allzu einfache Antworten nicht mehr und fordern Veränderungen", stellte der als Reformer und Brückenbauer bekannte Bischof von Limburg klar.

Ein Screenshot des Facebook-Profils des Bistums. Dort ist der Dom zu sehen, der von einem Regenbogen umrandet wird.

"Brauchen Weiterentwicklung der Sexualmoral"

"Wir brauchen eine Neubewertung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und eine Weiterentwicklung der kirchlichen Sexualmoral", forderte Bätzing. Dies relativiere nicht die Bedeutung der Ehe von Mann und Frau. "Aber um den besonderen Wert der Ehe herauszustellen, müssen nicht andere Formen von partnerschaftlichen Lebensgemeinschaften abgewertet werden", betonte er. Veränderung habe schon immer zum Wesen der Kirche gehört. "Wer sie verweigert, der gefährdet die Einheit der Kirche", hielt Bätzing dem Vatikan vor.

Der Fuldaer Bischof Michael Gerber (51) sagte dem hr nach den Verlautbarungen aus dem Vatikan: "Ich kann gut verstehen, dass viele Menschen, die homosexuell empfinden, jetzt verletzt sind." Der jüngste Ortsbischof der katholischen Kirche in Deutschland glaubt: "Das Thema ist noch nicht abgeschlossen." Der Umgang mit Homosexualität führe zu einem "wirklichen Ringen in der Kirche - da würde ich Bischof Bätzing zustimmen".

Standpunkt zur Homosexualität ein "harter Brocken"

Die in den Schriften der Kirche zugrunde gelegten Standpunkte seien, "was Homosexualität angeht für viele Zeitgenossen heute ein harter Brocken. Das muss man deutlich sagen", befand Gerber. Aufgabe sei es nun, einerseits das Empfinden und berechtigte Anliegen von Menschen zu berücksichtigen, und andererseits Schrift und Tradition der Kirche zu beachten.

Am Montag hatten mehr als 230 Theologieprofessoren aus dem deutschsprachigen Raum gegen die Erklärung des Vatikans Stellung bezogen und ihre theologische Qualität kritisiert. Offensichtlich sei das Schreiben des Vatikans auch auf den derzeitigen Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland gemünzt, sagte Bätzing. Für ihn stehe aber fest, dass dieser Synodale Weg weitergehe und auch zu Beschlüssen kommen werde.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki stellte sich unterdessen auf die Seite Roms. "In Einheit mit Papst Franziskus und der Kirche" sehe er in der Erklärung "eine Stärkung des katholischen Ehe- und Familienverständnisses", teilte Woelki am Mittwoch in Köln mit.

Sendung: hr-iNFO, 24.03.2021, 14.00 Uhr