Patrick Kraicker vorgeführt in türkischen Medien
Patrick Kraicker vorgeführt in türkischen Medien. Bild © Screenshot türkische Medien

Seit genau einem Jahr sitzt der Gießener Patrick Kraicker wegen Terrorvorwürfen in der Türkei im Gefängnis, verurteilt zu mehr als sechs Jahren Haft. Seine Familie und sein Anwalt kämpfen unermüdlich für seine Freilassung.

Jeden Montag kann Claudia S. mit ihrem Sohn telefonieren. Es ist seit Monaten der einzige beständige Kontakt für Patrick Kraicker. "Gesundheitlich geht es ihm besser", sagt seine Mutter dem hr, er mache das Beste aus seiner Situation.

Am 14. März 2018 war der 30 Jahre alte Kraicker im Süden der Türkei festgenommen worden. Er landete in Untersuchungshaft. Im vergangenen Oktober wurde ihm der Prozess gemacht. Der Vorwurf der türkischen Staatsanwaltschaft: Der Gießener soll versucht haben, durch militärisches Sperrgebiet illegal über die Grenze nach Syrien zu kommen. Dort habe er sich als Kämpfer der Kurdenmiliz YPG anschließen wollen. Die YPG gilt in der Türkei als Terrororganisation.

Gießener beteuert weiter seine Unschuld

Der gelernte Schreiner und Tischler aus Mittelhessen hatte immer beteuert, er sei zum Wandern in der Süd-Türkei gewesen und aus Versehen in das militärische Sperrgebiet geraten. Doch das Gericht schenkte einem Zeugen glauben, der Kraicker Anfang 2018 in Syrien gesehen haben will. "Blanker Unsinn" sagt seine Familie dazu, zu dieser Zeit sei Kraicker in Deutschland gewesen. Das Urteil lautete dennoch auf sechs Jahre und drei Monate Haft. Die verbüßt er in Elazig im Osten der Türkei.

Claudia S. aber glaubt weiter an die Unschuld ihres Sohnes: "Patrick hat nichts Unrechtes getan." Sie wünscht sich sehnlich, dass er bald wieder nach Hause kommt. Hoffnung gibt ihr Kraickers neuer Anwalt: Veysel Ok, der auch schon den Flörsheimer Journalisten Deniz Yücel verteidigte.

Mittlerweile habe immerhin eine deutsche Pfarrerin aus der evangelischen Gemeinde in Istanbul ihren Sohn nach mehreren Versuchen besuchen können, so Claudia S. "Das hat Patrick gutgetan." Denn ihr Sohn wolle einfach mal mit jemandem reden - nur einer der Mitinsassen spreche ein wenig deutsch.

Anwalt will bis vor den Europäischen Gerichtshof ziehen

Rechtsanwalt Ok hat jetzt ein Berufungsverfahren angestrengt. Wenn das scheitern sollte, "ziehen wir vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte", sagt die Mutter. Sie will ihren Sohn Mitte April im Gefängnis besuchen, ein Termin steht schon fest.

Unterstützung bekommt die Familie auch von Kraickers Freunden. Die haben eine Online-Petition und die Facebook-Gruppe "FreePatrick" ins Leben gerufen. Er hoffe weiter, dass sein Freund Patrick vielleicht doch noch frei kommt, sagt Dennis Schulz aus Gießen. Er meint aber auch, es bewege sich nicht wirklich was. "Man ist irgendwie hilflos."

Sendung: hr-iNFO, 14.03.2019, 15.45 Uhr