Collage aus Foto von Katharina Kasper und Limburger Dom
Ordensgründerin Maria Katharina Kasper wird die erste Heilige aus dem Bistum Limburg. Im Dom zu Limburg ist die Freude groß. Bild © Bistum Limburg, dpa; Collage: hr

Das Bistum Limburg hat seine erste Heilige: Am Sonntag hat Papst Franziskus in Rom die Ordensgründerin Katharina Kasper heiliggesprochen. Zwei Wunder waren dafür nötig - und rund 100.000 Euro.

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Gedenkkarten an Ordensgründerin Katharina Kasper

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Katharina Kasper von den Dernbacher Schwestern wird heiliggesprochen

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Mit Katharina Kasper ist am Sonntag in Rom erstmals ein Mensch aus dem Bistum Limburg heiliggesprochen worden - für Katholiken ein Jahrhundert-Ereignis.

Bei der Zeremonie im Vatikan nahm Papst Franziskus sechs weitere Selige in das Verzeichnis der katholischen Heiligen auf. Auf dem Petersplatz wurde unter tausenden Zuhörern applaudiert, als Franziskus den Ritus vortrug. Auch Gläubige aus dem Bistum Limburg waren nach Rom gereist.

Doch wie qualifiziert man sich für eine Heiligsprechung und warum sind die Gebeine der Heiliggesprochenen für die Kirche so wichtig? Sieben Fragen und Antworten zur Heiligsprechung:

Wie wird man heilig?

Die Kandidatin oder der Kandidat muss katholisch, seit mindestens fünf Jahren tot und bereits seliggesprochen worden sein. Für die Seligsprechung leitet ein Bistum oder eine Ordensgemeinschaft ein Verfahren ein. Ein Prüfer wird beauftragt, festzustellen, wie die Person gelebt hat, und Belege darüber zu sammeln. Das Dossier geht an den Vatikan.

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Heiligsprechung im TV

Die Heiligsprechung von Katharina Kasper ist auch Thema in verschiedenen Sendung im hr-fernsehen. Am Samstag um 17.45 Uhr heißt es bei "Engel fragt: Wozu brauchen wir noch Heilige?", am Sonntag um 12.30 Uhr dreht sich eine Spezialausgabe der Reihe um Wissenswertes zu Heiligsprechungen. Davor überträgt das hr-fernsehen ab 10 Uhr die Heiligsprechung live aus dem Vatikan.

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Wichtig ist, dass die Person ein Märtyrer war und für ihren Glauben gestorben ist oder einen geradezu heroischen Grad der Tugend erreicht hat. Sollte das nicht der Fall sein, muss ein Wunder geschehen. Es darf sich erst nach dem Tod der Person ereignet haben. Als Wunder gilt zum Beispiel, wenn ein unheilbar Kranker plötzlich gesund wird, nachdem er zu dem Toten gebetet hat. Das Wunder wird anerkannt, wenn Wissenschaftler belegen, dass es keine medizinische Erklärung für die Heilung gibt. Dann spricht der Papst oder ein von ihm beauftragter Kardinal die Person selig.

Für die Heiligsprechung braucht es ein zweites Wunder. Katholiken verehren ihre Seligen übrigens nur an dem Ort, an dem sie gelebt haben - Heilige auf der ganzen Welt.

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Heilige

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zum Video Engel fragt: Wozu brauchen wir noch Heilige?

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Wer war Katharina Kasper?

Katharina Kasper wurde am 26. Mai 1820 als achtes Kind eines Kleinbauern in Dernbach im Westerwald im heutigen Rheinland-Pfalz geboren. Sie gründete um 1845 mit weiteren Frauen einen Verein, der sich der häuslichen Pflege von Kranken und Alten sowie der Kinderbetreuung widmete. Am 15. August 1851 entstand aus diesem Verein die Kongregation der Armen Dienstmägde Jesu Christi. Im Jahr 1870 wurde die Gemeinschaft vom Vatikan anerkannt.

Nachbildung des Schlafraums von Katharina Kasper im Mutterhaus der Dernbacher Schwestern
Nachbildung des Schlafraums von Katharina Kasper im Mutterhaus der Dernbacher Schwestern. Bild © picture-alliance/dpa

1895 gründete Kasper in Limburg die damalige Mädchenschule Marienschule. Sie starb am 2. Februar 1898. Damals zählte der Orden bereits 1.725 Schwestern in 193 Niederlassungen. Heute zählt die Kongregation weltweit rund 600 Schwestern in 87 Niederlassungen, unter anderem in Indien, England, Belgien, Luxemburg, Brasilien, Mexiko, Kenia und Nigeria. Katharina Kasper wurde im Jahr 1978 von Papst Paul VI. seliggesprochen.

Für welche Wunder soll sie verantwortlich sein?

Für die Seligsprechung von Katharina Kasper galt die Heilung einer an Tuberkulose erkrankten Schwester im Jahr 1941 als Wunder. Die Dernbacher Klosterschwester lag nach Angaben des Bistums Limburg bereits im Sterben. Nach einem Gebet, in dem sie die verstorbene Ordensgründerin um Hilfe anrief, wurde sie überraschend wieder gesund.

Viele Jahre später, im November 2011, wurde ein indischer Geistlicher bei einem Motorradunfall lebensgefährlich verletzt. Wie das Bistum Limburg berichtet, galt er bereits als klinisch tot.

Als Schwestern der indischen Niederlassung des Ordens für ihn zu Katharina Kasper beteten, öffnete und schloss er plötzlich seine Augen. Trotz innerer Verletzungen und schwerer Knochenbrüche erholte er sich wieder. Für die katholische Kirche ein weiteres Wunder, das auf das Konto von Katharina Kasper geht.

Wozu gibt es Reliquien?

Reliquien sind Überreste eines Heiligen, oft Körperteile oder persönliche Besitztümer der Person. Diese werden von Gläubigen verehrt. In der Vergangenheit wurden häufig andere Gebeine daneben gelegt, in der Hoffnung, dass die Heiligkeit auf die Knochen überspringt. So kam es dazu, dass zum Beispiel plötzlich fünf Oberschenkelknochen eines Heiligen in Umlauf waren.

Brille von Katharina Kasper im MUtterhaus der Dernbacher Schwestern
Brille von Katharina Kasper im MUtterhaus der Dernbacher Schwestern Bild © picture-alliance/dpa

Im Mittelalter erhoffte man sich Wunderwirkungen von Reliquien, nicht selten wurde damals mit Reliquien auch gehandelt. Die Nachfrage ist jedoch weiterhin groß. Denn noch heute wird in jeden katholischen Altar eine Reliquie eingearbeitet. Ohne neue Heilige und Gebeine können auch keine Altäre und keine neuen Kirchen in Betrieb genommen werden.

Knochensplitter von Katharina Kasper hat man ihrem Grab wie üblich bereits bei der Seligsprechung entnommen.

Was sind Schutzheilige?

Manchmal bekommen Heilige quasi ein eigenes Zuständigkeitsgebiet zugeteilt. Es gibt Schutzheilige für Berufe wie Ambrosius für Lebkuchenbäcker oder Maria von Ägypten für Prostituierte. Oder den Schutzheiligen für Autofahrer, den heiligen Christopherus.

Aber auch Orte und Regionen haben im Glauben der Kirche ihre besonderen Fürsprecher vor Gott. Hessens Schutzheilige ist die Heilige Elisabeth von Thüringen, deren Grab sich in Marburg befindet. Nach ihrer Heiligsprechung 1235 lagen ihre Gebeine drei Jahrhunderte lang in einem Reliquiar in der Marburger Elisabethkirche. Seitdem sind die meisten ihrer Knochen verschollen. Das Reliquiar liegt im Historischen Museum in Stockholm.

Dann gibt es noch den Wiesbadener Schutzheiligen Mauritius, Frankfurts Schutzheilige Bartholomäus und Helena, Fuldas Schutzheilige Simplicius, Faustinus und Beatrix sowie Limburgs Schutzheiligen Servatius von Tongern.

Wie viel kostet eine Heiligsprechung?

Jedes Verfahren kostet zwischen 50.000 und 250.000 Euro. Diese werden von den Antragstellern bezahlt und sind keine unwichtige Einnahmequelle für den Vatikan. Neben Gebühren an den Vatikan entstehen Kosten unter anderem auch durch Gutachter, Übersetzer und Notare.

Die bisherigen Kosten für die Heiligsprechung von Katharina Kasper schätzt der Limburger Bischof Georg Bätzing auf rund 100.000 Euro.

Wer ist Rekordhalter im Heiligsprechen?

Papst Johannes Paul II. Er hat in seiner Amtszeit von 1978 bis 2005 ganze 1.338 Selig- und 482 Heiligsprechungen durchgeführt - mehr als doppelt so viel wie alle seine Vorgänger in den zurückliegenden 400 Jahren. Es gibt auch Gruppen-Heiligsprechungen. Papst Franziskus verkündete am 12. Mai 2013 eine Rekord-Heiligsprechung: 800 Märtyrer von Otranto in Italien wurden auf einen Schlag heiliggesprochen. Sie sollen im Jahr 1480 von osmanischen Streitkräften getötet worden sein, weil sie sich weigerten, zum islamischen Glauben überzutreten.