Mehlwürmer

Mehlwurmschokolade, Mehlwurm-Burger-Pattys oder Mehlwürmer pur als Snack für zwischendurch. In vielen Ländern in Asien oder Afrika ist das ganz normal. Forscher aus Gießen wollen das Thema vorantreiben.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mehlwürmer - Lebensmittel der Zukunft?

Mehlwürmer in einer grauen Kiste.
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Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat Mehlwürmer vor kurzem als Lebensmittel zugelassen. Das bedeutet, jetzt ist es auch erlaubt, sie in Gerichten zu verarbeiten. "Die getrocknete Larve des Mehlkäfers darf als Ganzes oder gemahlen verkauft werden. Außerdem kann sie als Zutat bis zu einem Anteil von zehn Prozent in verschiedenen Lebensmitteln, zum Beispiel Nudeln oder Keksen, eingesetzt werden", teilt das Bundesverbraucherschutzministerium mit.

Und das hat große Vorteile, findet Martin Rühl, vom Fraunhofer Institut für Bioressourcen in Gießen. Er erforscht Insekten als Lebensmittel. "Wenn ich die Käfer oder die Larven nicht mehr als solche sehe, also nicht mehr angucken muss, sondern wenn sie dann zum Beispiel in einer Wurst verarbeitet sind oder in einem Brot oder in Chips, dann ist natürlich auch die Akzeptanz eine ganz andere."

Bisher überschaubares Angebot

Insekten gelten oft als Ernährung der Zukunft, weil sie weniger Ressourcen wie Wasser oder Platz brauchen als beispielsweise Kühe oder Schweine, dabei aber sehr viele für den Körper wichtige Proteine haben. Bis die Insektenburger und Co. aber regulär überall im Supermarkt zu finden sind, wird es wohl noch eine Weile dauern, glaubt Rühl. Nicht nur, weil sich viele Verbraucher daran gewöhnen müssten, sondern auch weil es noch gar nicht genügend Insektenfarmen gebe, um massenhaft für den Verzehr zu produzieren.

Bisher darf nur eine Firma in Frankreich die Mehlwürmer für den europäischen Lebensmittelmarkt verarbeiten. 14 weitere haben aber schon eine Zulassung beantragt. Man kann sich aber auch selbst eine kleine Farm für den Eigenbedarf anschaffen. Im Internet gibt es solche Mehlwurmfarmen für zu Hause ab rund 200 Euro.

Andere Insekten könnten folgen

Um weiter am Einsatz von Insekten als Nahrung der Zukunft zu forschen, will das Gießener Institut jetzt eine eigene Farm aufbauen und dazu noch eine Fischzucht, um doppelgleisig zu fahren. "Insekten sind ja schon seit drei Jahren als Futtermittel zugelassen", erklärt Forscher Rühl. "Wir gehen hier den Weg, dass man die Insekten züchtet und ihre Larven dann für die Fischzucht einsetzt und auf der anderen Seite für die Lebensmittelproduktion." Damit kann das Institut sowohl eine ressourcensparende direkte Produktion, als auch die indirekte Lebensmittelproduktion erforschen.    

Dabei beschränkt sich das Thema nicht nur auf Mehlwürmer: Heuschrecken, Superworms oder Grillen sind weitere Beispiele von Insekten, die in Zukunft häufiger auf unseren Tellern landen könnten. Vor allem in verarbeiteter Form, um den Ekelfaktor bei einigen kleiner zu halten.

Sendung: hr -iNFO, 11.05.2021, 11.55 Uhr