Hamsterkäufe

Klopapier, Desinfektionsmittel, Mehl: Die Corona-Krise sorgt seit Wochen für leergefegte Supermarkt-Regale. Mittlerweile gehen einzelne Städte strenger gegen Hamsterkäufer vor. Der Städtebund wünscht sich weitere Nachahmer, es gibt aber auch Bedenken.

Mehrere hessische Städte machen ernst: In Frankfurt und Hanau sind Hamsterkäufe von offizieller Stelle verboten, Geschäfte dürfen seit Montag nur noch haushaltsübliche Mengen an die Kunden abgeben.

"Mit dieser Verfügung wollen wir ganz gezielt die unsägliche Praxis von Hamsterkäufen unterbinden", teilte Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) am frühen Montagnachmittag mit. Fast alle Frankfurter verhielten sich zwar vernünftig, doch es gebe immer wieder Fälle, "in denen einige wenige unsolidarisch sind, andere Kunden und teilweise sogar die Angestellten in den Geschäften beschimpfen", so Feldmann.

Zudem darf nur noch eine Person pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche in den Laden gelassen werden. Bei 800 Quadratmetern sind das maximal 40 Personen gleichzeitig. Alle anderen müssen vor dem Laden warten und dort mindestens 1,5 Meter Abstand halten. "Mit der Allgemeinverfügung haben wir eine Handhabe gegen das Hamstern von Klopapier, Mehl oder anderen Gütern des täglichen Bedarfs“, sagte Gesundheitsdezernent Stefan Majer.

Frankfurt folgt dem Beispiel Hanau

Damit ist Frankfurt dem Beispiel der Stadt Hanau gefolgt, die eine solche Verfügung bereits am Montagvormittag erließ. "90 Prozent der Menschen sind vernünftig, aber der kleine Teil der Unvernünftigen gefährdet zunehmend die Versorgungslage", begründete Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) diese Entscheidung. "Wer panisch seinen Einkaufswagen vollpackt, handelt nicht nur sinnfrei und verantwortungslos, sondern schadet auch der Gemeinschaft", sagte er: "Hamsterkäufe sind asozial."

In Hanau dürfen auch nur noch eine bestimmte Zahl an Kunden ein Geschäft betreten, abhängig von der Größe der Verkaufsfläche. Auch die Zahl der Einkaufswagen, die insgesamt zur Verfügung stehen, wird begrenzt. Und: Jeder Kunde darf den Supermarkt künftig nur noch mit einem Einkaufswagen betreten.

Handelsverband hat Bedenken

Der Hessische Städte- und Gemeindebund befürwortet das vehemente Vorgehen der Kommunen. "Ich kann mir gut vorstellen, dass dies Vorbild-Charakter hat und weitere Kommunen nachziehen. Wir würden das durchaus begrüßen", sagte der Geschäftsführende Direktor, Karl-Christian Schelzke, am Montag. Ob neben Hanau und Frankfurt noch andere Kommunen bereits ähnliche Regeln erlassen haben, konnte der Verband nicht einschätzen.

Der Handelsverband Hessen sieht die strengeren Regeln mit gemischten Gefühlen. Denn Besorgungen für andere, zum Beispiel Alte, Kranke und Menschen in Quarantäne mit zu erledigen, falle dann schwer. "Wenn jetzt jemand für drei Haushalte Toilettenpapier einkauft, gibt es ja sofort Probleme", sagte Präsident Jochen Ruths am Montag. Deswegen müsse man abwarten, um beurteilen zu können, wie tauglich sich Regelungen in der Praxis erwiesen.

Auch Marburg-Biedenkopf verbietet Hamsterkäufe

Bereits am Samstag hatte der Landkreis Marburg-Biedenkopf ebenfalls schärfere Regeln für Supermärkte auf den Weg gebracht. Auch dort sind Hamsterkäufe verboten, Supermärkte dürfen nur noch einen Kunden pro Fläche von 20 Quadratmetern hereinlassen.

Hessens Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Grüne) hatte mehrfach betont: "Die Lieferketten halten, die Waren kommen verlässlich zu den Kunden." Für Hamsterkäufe gebe es deshalb keinen Grund.

Sendung: hr-iNFO, 22.03.2020, 16.00 Uhr