Zwei Kinder betreten ein Schulgebäude

Am vergangenen Montag ging es wieder los, für einige allerdings nur kurz: Wenige Tage nach Beginn des neuen Schuljahres in Hessen ziehen Schüler, Eltern und Lehrer ein gemischtes Fazit.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Alles andere als gewöhnlich: die erste Schulwoche

Schüler mit Masken vor einem Hinweisschild zur Maskenpflicht
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So richtig zufrieden ist Landesschulsprecher Paul Harder nicht mit dem Regelbetrieb unter Corona-Bedingungen: Die Schüler kämen zwar gut mit den Corona-Maßnahmen zurecht, trügen jedoch auch eine gewisse Angst mit sich, sagte Harder am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. "Und man merkt schon, dass die Schulen nicht vorbereitet waren."

Teils säßen 20 bis 30 Schülerinnen und Schüler eng in kleinen Räumen zusammen, wodurch das Infektionsrisiko steige. Besser seien seiner Ansicht nach entweder kleinere Gruppen oder eine Maskenpflicht kombiniert mit gestaffelten Pausen, um im Freien die Maske absetzen zu können.

Mehrere Klassen in Quarantäne

Das neue Schuljahr hat am vergangenen Montag begonnen - für manche allerdings nur kurz: Mehrere Schulklassen im Land mussten ebenso wie ihre Lehrer bereits kurz nach Start in häusliche Quarantäne, weil Corona-Infektionen festgestellt wurden.

Betroffen waren Klassen unter anderem in Wiesbaden, im Wetteraukreis in Bad Nauheim und Büdingen sowie in Homberg (Efze) im Schwalm-Eder-Kreis. Von der Quarantäne betroffene Schüler wie Lehrer sollen nun getestet werden. In Dieburg blieb am Freitag die Goetheschule nach zwei Corona-Infektionen bei Schülern vorsorglich geschlossen - mehr Fälle von Schulschließungen sind bislang nicht bekannt.

Ministerium soweit zufrieden

"Jeder Tag, an dem keine Schule geschlossen wird, ist ein guter Tag", resümierte der Sprecher des Kultusministeriums, Philipp Bender. Man sei mit dem bisherigen Verlauf so weit zufrieden. Dass einige Klassen in Quarantäne müssten, liege zum Großteil an Reiserückkehrern. Ziel sei es, Schulen, Gesundheits- und Schulämtern den nötigen Spielraum und die Entscheidungsfreiheit für einzelne Maßnahmen wie eine Maskenpflicht zu lassen.

Landesweit gilt, dass Schüler wie Lehrer auf dem Schulgelände eine Alltagsmaske tragen müssen. An einigen Schulen ist die Maskenpflicht auch während des Unterrichts aber in dieser Woche bereits Realität geworden. Wegen steigender Infektionszahlen gilt für einen Teil der Schulen im Groß-Gerau-Kreis, dass immer eine Mund-Nasenbedeckung getragen werden muss. Die Städte Offenbach und Frankfurt haben mittlerweile nachgezogen.

GEW: Mehr Busse einsetzen

Die Bildungsgewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert unterdessen den Einsatz zusätzlicher Busse im Schülerverkehr in Hessen. Die Busse seien häufig überfüllt. Die Schulen fühlten sich damit überfordert und alleingelassen. Hier seien Schulträger und Land gefordert, Lösungen zu finden.

Viele Eltern zeigten sich wiederum über die Nachmittagsbetreuung irritiert, bei der andere Hygieneregeln gelten als im Klassenverband. Der Vertreter der Grundschulen im Landeselternbeirat Hessen, Stefan Stein, zeigte sich "verhalten optimistisch" nach dem Schulstart. Gerade die jüngeren Schüler seien froh gewesen, wieder zur Schule gehen zu dürfen und ihre Freunde zu treffen, sagte er. "Wir haben allerdings kein Netz, das komplett trägt, sollten die Schulen wieder schließen müssen."

Zu wenig Digitalisierung

In Sachen Digitalisierung der Schulen sei bisher zu wenig passiert, bemängelten sowohl Stein als auch Landesschulsprecher Harder und Lehrergewerkschaft-Vorsitzende Wiedwald. So sei etwa das Schulportal mit Video-Chatfunktion noch immer nicht für alle Schulen im Land einsatzbereit, erklärte Harder. "Das Video-Tool existiert nicht", ergänzte Wiedwald. Einige Schulträger hätten schon Computer angeschafft, die in Teilen bereits einsatzfähig seien, berichtete Wiedwald.

Andere hätten auf die finanziellen Mittel gewartet und würden jetzt auf den Herbst vertröstet, weil es Lieferschwierigkeiten für die Geräte gebe. An vielen Schulen fehle es immer noch an WLAN, führte Stein aus. "Da helfen auch keine Endgeräte für Schüler oder Lehrer", so Stein.

Sendung: hr1, 21.08.2020, 12.40 Uhr