Collage: Abschiebeeinrichtung von außen und Blick in Einzelraum
Hohe Zäune und eine spartanische Einrichtung: So sieht es in der Abschiebeeinrichtung aus. Bild © picture-alliance/dpa (Collage: hr)

Seit rund einem Monat ist Hessens erste Abschiebeeinrichtung in Darmstadt in Betrieb. Bis zu 50 Männer sollen hier unterkommen. So leben sie kurz vor ihrer Abschiebung aus Deutschland.

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Drei Meter hohe Zäune mit Stacheldraht, vergitterte Fenster, diverse Sicherheitsschleusen: Die erste hessische Abschiebehafteinrichtung liegt direkt neben der JVA Darmstadt-Eberstadt und unterscheidet sich von außen kaum von einem Gefängnis. Die abschreckende Wirkung ist durchaus beabsichtigt, wie der Leiter der Einrichtung, Frank von der Au, bei einem Pressetermin am Freitag erklärte.

"Das hat im Grunde genommen auch einen präventiven Charakter, denn wir möchten überhaupt nicht, dass es zu einem Fluchtversuch kommt", so von der Au. "Denn jeder Fluchtversuch birgt auch die Gefahr der Verletzung der Menschen." Innenminister Peter Beuth (CDU) besuchte am Freitag erstmals die Einrichtung, die vor einem Monat ihren Betrieb aufgenommen hatte.

Auch von innen wirkt die Abschiebeeinrichtung auf den ersten Blick fast wie ein Gefängnis. Die Einzelräume sind knapp zehn Quadratmeter groß, spartanisch eingerichtet mit Tisch, Stuhl, Bett, Kleiderschrank, Kühlschrank und Fernseher. Die Möbel sind aus Sicherheitsgründen festgeschraubt, das Geschirr ist aus dem gleichen Grund aus Plastik. Die Fenster sind vergittert.

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Im Zimmer im neuen Abschiebegefängnisses in Darmstadt stehen ein Bett und ein Tisch.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ein Rundgang durch das Abschiebegefängnis

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Sportraum und Gemeinschaftsküche

Doch bei genauerem Hinsehen unterscheidet sich die Haftanstalt, die aus dem ehemaligen Freigängerhäuser der Justizvollzugsanstalt in Darmstadt-Eberstadt entstanden ist, von einem normalen Gefängnis. Die Männer dürfen in ihren Zimmern ihre eigene Kleidung tragen und rauchen - dafür gibt es aber kein Feuer, sondern batteriebetriebene Anzünder.

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Handys sind auch erlaubt, aber nur mit versiegelter Kamera. Die Männer können sich in ihren Zimmern einschließen. "Wir können aber immer aufschließen. Und wir können die Türen auch selbst verschließen", sagt von der Au.

20 Euro Taschengeld pro Woche gibt es zum Einkaufen. Für 80 Cent pro Stunde könnten sie sich auch Geld dazu verdienen, meist mit Reinigungsarbeiten. "Das gibt ihnen Beschäftigung" und trage zum entspannten Miteinander bei, so von der Au. Die Männer können auch einen Sportraum nutzen - mit Boxsack, Tischtennisplatte, Fahrrad und Stepper. Es gibt einen vergitterten Gebetsraum mit Koran sowie eine Gemeinschaftsküche, in der auch gekocht werden kann, einen kleinen grünen Außenbereich, einen Gemeinschaftsraum sowie einen Tischkicker.

Ärzte und Pädogogen stehen bereit

Eine Sozialpädagogin betreut die Männer in den letzten Tagen vor ihrer Abschiebung, eine andere übernimmt die unabhängige Haftberatung. "Es gibt zu jeder Zeit ärztlichen Kontakt", bei Spezialproblemen wie Zahnschmerzen werde ein Facharzt aufgesucht, sagt von der Au. Es gibt auch Kontakt zu einem Iman - und zur Kirche.

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Erstes hessisches Abschiebegefängnis

Die Einrichtung in Darmstadt ist die erste dieser Art in Hessen. Bisher wurden hessische Abschiebehäftlinge vor allem im rheinland-pfälzischen Ingelheim untergebracht.

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Wenn es Probleme mit Gewalt oder Selbstverletzungen gibt, können die Männer notfalls zeitweilig in einem voll gesicherten und videoüberwachten Haftraum eingesperrt werden. Bislang habe es aber noch keine nennenswerten Gewaltausbrüche oder Vandalismus gegeben.

Mindestens 50 Plätze benötigt

Die Abschiebungshaft ist von der Strafhaft strikt zu trennen, so die gesetzlichen Vorgaben. Ihr einziger Zweck ist zu verhindern, dass ein Mensch untertaucht. Derzeit sitzen neun Männer in den Zellen der Hafteinrichtung.

Bis Ende Mai sollen Plätze für 20 Menschen geschaffen werden. Doch auf Dauer wird das nicht reichen. Innenminister Beuth geht davon aus, dass Hessen mindestens 50 Plätze braucht. Ob diese noch alle im laufenden Jahr fertiggestellt werden können, ist derzeit noch offen.