Noch nie waren in Hessen so viele Menschen von Armut betroffen. Zu diesem Schluss kommt der aktuelle Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Auch die Kinderarmut hat demnach zugenommen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Armut in Hessen so hoch wie nie

Junge sitzt vor geschlossenem Laden
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Der Anteil armer Menschen in Hessen ist im vergangenen Jahr weiter gestiegen und lag im zweiten Jahr in Folge über dem Bundesdurchschnitt. Die Armutsquote stieg in Hessen von 15,8 Prozent im Vorjahr auf 16,1 Prozent, wie aus dem Armutsbericht 2020 des Paritätischen Gesamtverbandes hervorgeht, der am Freitag in Berlin vorgestellt wurde. Besonders betroffen sind demnach Alleinerziehende, Arbeitslose und kinderreiche Familien.

Der Verband befürchtet, dass die Corona-Krise den Negativtrend verstärkt. "Die Zahlen waren schon vor Corona alarmierend, mit der Pandemie hat sich die Entwicklung dramatisch verschärft", so Yasmin Alinaghi, Landesgeschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtverbandes Hessen. Besonders betroffen seien prekär Beschäftigte, die in Krisen als erste ihre Jobs verlören.

Kinderarmut: Mehr als jedes fünfte Kind betroffen

Auch bei der Kinderarmut spricht der Sozialverband von einem Höchststand: Betroffen sei mehr als jedes fünfte Kind. Seit 2018 sei die Quote um 0,8 Prozentpunkte auf 21,9 Prozent gestiegen. Der Verband forderte eine Anhebung der Hartz IV-Regelsätze und eine neue Kindergrundsicherung. Zudem müsse das Land den Anstieg der Mietkosten stoppen.

Mit der neuen Auswertung blieb Hessen im Armutsranking der Bundesländer auf Platz sieben - hinter Rheinland-Pfalz und vor Thüringen. Bundesweit lag die Quote bei 15,9 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung.

Armut wird anhand des Nettoeinkommens definiert

Dem Bericht zufolge ist die Armutsquote nahezu flächendeckend in Deutschland gestiegen - elf der 16 Bundesländer waren 2019 betroffen. Den schlechtesten Wert zeigte Bremen mit einer Armutsquote von 24,9 Prozent. Hessen wiederum war zwischen 2006 und 2019 das Bundesland mit dem stärksten Zuwachs - in diesem Zeitraum nahm die Armut um 34,2 Prozent zu.

Die Studie definiert Armut anhand des Nettoeinkommens. Arm ist demnach, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Monatseinkommens hat. Für Singles lag diese Grenze 2019 bei 1.074 Euro, bei einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 2.256 Euro.

Sendung: hr-iNFO, 20.11.2020, 13 Uhr