Masse aus jungen Menschen, die in einer Aula stehen.

Wer in den vergangenen zwei Jahren ein Studium begonnen hat, hatte bisher nicht viel vom Studentenleben. Vorlesungen per Video, die eigenen vier Wände als Campus. Mit dem neuen Semester beginnt die Rückkehr zu Präsenz und Normalität. Studierende und ihr Hochschulpräsident berichten.

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Hochschulen – Sommersemester in Präsenz

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Schon das vergangene Semester war für die Studierenden eine Mischung aus Online- und Präsenzlehre. Mit dem Start des Sommersemesters kehren die hessischen Studierenden wieder komplett zurück an die Universitäten und Hochschulen. Die Woche mit den Einführungsveranstaltungen liegt bereits hinter ihnen, nun beginnt die Vorlesungszeit. Nicht nur für die Erstsemester, auch für fortgeschrittene Studierende fühlt sich der Vorlesungsbeginn wie ein Neustart an.

Rrezarta Mustafa: "Lerne genauso viel wie die Erstis"

Rrezarta Mustafa (3. Semester) hatte selbst nie eine Einführungswoche. Den Campus der University of Applied Sciences kennt sie nur von vereinzelten Besuchen, auch ihre Kommilitonen hat sie noch nicht oft gesehen. Sie hat sich dazu entschieden, den neuen Erstsemestern als Tutorin zur Seite zu stehen. Davon haben beide Seiten etwas.

Rrezarta Mustafa in der University of Applied Sciences

"Ich erkläre die Plattformen und Accounts, die für die Hochschule wichtig sind. Wir geben auch viel Information rund um den Stundenplan. Da gibt es viele, die direkt von der Schule kommen, dementsprechend muss ich zum Beispiel auch erklären, was ein Modul ist. Aber ich lerne vieles auch zum ersten Mal kennen. Zum Beispiel die Einführungsveranstaltungen oder die Infomärkte, das kenne ich so gar nicht. Ich lerne zum Teil genauso viel wie die Erstis.

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So fühlt sich das Sommersemester in Präsenz an

Masse aus jungen Menschen, die in einer Aula stehen.
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Das kompensiert auf jeden Fall die Tatsache, dass ich keine Einführungsveranstaltung hatte. Wir hatten zwar eine über Zoom und Breakout-Rooms, da wurde versucht, das echte Leben, die echten Kontakte zu imitieren. Aber das ist natürlich was ganz anderes, wenn man zusammensteht und lacht und die Leute persönlich kennenlernt. Wir haben viel Abendprogramm und Kennenlernspiele, das kommt nicht zu kurz.

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„Das kompensiert auf jeden Fall die Tatsache, dass ich keine Einführungsveranstaltung hatte.“ Rrezarta Mustafa Rrezarta Mustafa
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Ich habe das Gefühl, das Studium fängt jetzt erst an. Man hat sich die letzten Semester und Jahre ein bisschen arbeitslos gefühlt, und abgeschottet. Einfach in seinen vier Wänden. Und dementsprechend freue ich mich, weil ich wieder Struktur in meinen Alltag bekomme und unter Menschen bin. Ich brauche diese Gesellschaft, diesen Austausch. Also ich bin motiviert, viel mehr als die Semester davor."

Ning Yang: "Nachteil ist, dass man an bestimmte Zeiten gebunden ist"

Ning Yang (25, viertes Semester) geht es ähnlich wie Rrezarta Mustafa. Ihr Architektur-Studium nahm sie 2020 auf, das anstehende Sommersemester wird das erste, das sie komplett in Präsenz erlebt. Die Vorfreude überwiegt ganz klar, aber die Anwesenheitspflicht in manchen Vorlesungen und Kursen hat für sie auch Nachteile.

Ning Yang studiert im 5. Semester Architektur

"Ich freue mich auf jeden Fall sehr darauf, meine Kommilitonen zu treffen. Wir haben uns bisher nicht wirklich in Präsenz gesehen. Wir hatten zwar zwischendurch auch Hybrid-Semester, da haben wir uns ab und zu gesehen, aber alle mit Maske und Abstand.

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„Oft hat man nur mit schwarzen Kacheln geredet.“ Ning Yang Ning Yang
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Oft hat man nur mit schwarzen Kacheln in Videocalls geredet und sich nicht wirklich kennengelernt. Man hat nur Aufgaben zusammen erledigt. Und jetzt in Präsenz lernt man die Leute einfach anders kennen. Gerade im Architekturstudium ist Gruppenarbeit wichtig, das wird jetzt besser.

Im Online-Studium war es aber auch so: Ich konnte mir die Zeit besser einteilen. Der Nachteil an der Präsenzlehre ist jetzt, dass man an bestimmte Zeiten gebunden ist, dass man um 8 Uhr an der Uni sein muss."

Oscar, Mareike und Yannick: Endlich Kneipentour

Für die neuen Erstsemester an der University of Applied Sciences startet das Semester in etwa so, wie es vor Corona üblich war: Campusführung, Informationsveranstaltungen vor Ort, gemeinsames Mensa-Essen. Die wichtigste Präsenzveranstaltung scheint für die Erstis Mareike, Oscar und Yannick aber eine andere zu sein.

Oscar, Mareike und Yannick fangen zum Sommersemester 2022 ein Studium an

Mareike: "Ich freue mich am meisten auf die Kneipentour. Ich glaube, da lernt man die Mitstudierenden nochmal besser und privater kennen."

Oscar: "Ich freue mich, ein paar Leute kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen und ins Studium reinzustarten. Und vor allem auf die Kneipentour, da enden wir in Altsachsenhausen, das wird für mich als Frankfurter ein Heimspiel."

Yannick: "Ich freue mich vor allem, Informationen über das Studium zu sammeln. Aber natürlich auch auf die Kneipentour."

Frank Dievernich: "Hygienemaßnahmen aufrechterhalten"

Für Hochschul-Präsident Frank Dievernich ist die Rückkehr zur Präsenzlehre ein Segen. Angesichts der noch hohen Corona-Infektionszahlen bleiben manche Hygieneregeln vor Ort aber bestehen.

Frank Dievernich, Präsident der University of Applied Science vor seinem Arbeitszimmer

"Menschen haben natürlich Sorge, auch wenn wir als Hochschule nie ein Hotspot gewesen sind. Aber dennoch müssen wir ein Klima schaffen, in dem sich die Leute wohlfühlen. Da geht es darum, Hygienemaßnahmen aufrechtzuerhalten und das auch gut zu kommunizieren.

Die Rückkehr zur Präsenz ist aber ehrlich gesagt großartig. Wir verstehen uns als Hochschule für angewandte Wissenschaften, als einen Ort der Präsenz. Es geht darum, mit der Praxis zusammenzuarbeiten, an sich selbst zu arbeiten. Den Kommilitonen wieder wahrzunehmen, den auch ein Stück weit zu spüren, wieder zusammenzukommen. Und das können wir jetzt tatsächlich auch wieder leben, ich würde sogar sagen, zelebrieren."

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Die Rückkehr zur Präsenz

In Hessen kehren die fünf größten Universitäten und viele Hochschulen zur Präsenz zurück. Viele hatten schon im vergangenen Semester auf eine Mischung aus Online- und Präsenzlehre gesetzt. Corona bleibt aber ein Thema: In Frankfurt, Gießen, Marburg, Darmstadt und Kassel gilt weiterhin die Maskenpflicht in Innenräumen.

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