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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Volle Schulbusse

Das Foto zeigt das Innere eines Schulbusses. Viele Schüler'innen stehen dicht gedrängt.

Überfüllte Schulbusse sorgten schon vor der Corona-Pandemie für hitzige Debatten. Jetzt kommt die Sorge vor Ansteckung hinzu. Schüler, Eltern und Lehrer fordern Verbesserungen. Auch der Landkreis Fulda als Schulträger erkennt, dass es so nicht weitergehen sollte.

Verbände, Schüler und Eltern beklagen nach der ersten Woche des neuen Schuljahrs volle Schulbusse und fordern Nachbesserungen. Die Kinder und Jugendlichen könnten aufgrund der Enge nicht genug Abstand zueinander halten. So steige die Infektionsgefahr.

Ihre Forderung: mehr Schulbusse in den Stoßzeiten, um Ansteckungsgefahren zu verringern. In Bussen und Bahnen gilt hessenweit laut Landesverordnung keine Abstandsregelung, aber die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung.

Schüler und Eltern: Schulbusse zu voll

"Die Busse sind voll. Das ist in ganz Hessen so - ein Unding", beschwert sich der Vorsitzende des Landesschülerrats, Dennis Lipowski. Der angehende Abiturient aus Groß-Gerau sagt: Es führen nicht genug Busse, zudem seien sie vielerorts zu klein und böten zu wenig Schülern ausreichend Platz.

Stefan Stein, Vertreter der Grundschulen im Landeselternbeirat, sagt: "Schon vor Corona war die Situation am Anschlag. Durch die Krise wurde alles noch mal verschärft." Der Verkehr müsse von Schulträgern und Kommunen besser organisiert werden.

Nach aktuellen Rückmeldungen aus einigen Städten berichtet Stein: "In Frankfurt, Offenbach und Fulda zum Beispiel ist die Situation ganz schlimm, teilweise sogar im ländlichen Raum. Schüler aus Fulda sagten dem hr, sie fühlten sich in der Enge angesichts der Corona-Gefahr unwohl.

"Alle auf einmal ins Schulgebäude"

Die Bildungsgewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gibt darüber hinaus zu bedenken, dass gerade an großen Schulen im ländlichen Raum die Fahrzeuge alle zeitgleich ankämen:

"Wenn dann die Schüler auf einmal ins Gebäude strömen, ist Abstand halten schwer", sagt GEW-Landesvorsitzende Maike Wiedwald. Die Schulen fühlten sich überfordert und alleingelassen.

Wie Elternvertreter Stein fordert auch die GEW den Einsatz zusätzlicher Schulbusse.

Busbetreiber: Reisebusse wären zusätzlich verfügbar

Der Landesverband Hessischer Omnibusbetreiber hält eine Ausweitung der Kapazitäten nicht nur für sinnvoll, sondern auch für möglich. Die Busunternehmen seien in der Lage, weitere Fahrzeuge bereitzustellen. Es seien viele Reisebusse verfügbar, seitdem die Bustouristik wegen Corona weniger gefragt ist, sagt Geschäftsführer Volker Tuchan.

Der Verband plädiert aber auch für versetzte Schulzeiten. "Die Entzerrung der Schulanfangszeiten könnte dazu beitragen, die Platzsituation in den Schulbussen, in denen besonders viele Schüler stehen müssen, zu entspannen und größere Abstände im Fahrzeug zu ermöglichen", sagt Tuchan.

Auch aus Sicht des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) verspräche eine Staffelung der Schulanfangszeiten eine bessere Verteilung der Fahrgastnachfrage.

Landkreis Fulda für unterschiedliche Schulstarts

Der Landkreis Fulda als Schulträger sieht in einer zeitlichen Entzerrung des Schulbeginns den einzig wirksamen Hebel, damit die Schulbusse künftig weniger voll sind, wie er nach Beschwerden mitteilte.

Das Problem könne nicht allein auf regionaler Ebene angegangen werden. Darüber würden nun die kommunalen Spitzenverbände mit dem Kultus- und dem Verkehrsministerium sowie mit den Verbünden sprechen.

"Drei- bis viermal so viele Busse nicht vorhanden"

Auf die Forderung vieler Fahrgäste, mal eben mehr Busse einzusetzen, erwidert der Kreis: Wollte man die Abstandsregeln in Bussen einhalten, bräuchte man drei- bis viermal so viele Fahrzeuge. Im äußersten Fall würde das bedeuten, dass zum Beispiel ein Bus nur mit 20 Kindern besetzt werden dürfte.

Würde man versuchen, die Abstandsregeln bundesweit durchzuführen, bräuchte man tausende Busse, argumentiert der Kreis. Anders als beim Verband der Omnibusbetreiber ist man hier der Ansicht, dass die nicht vorhanden seien. Es gebe auch nicht genug Busfahrer. Und die Fahrzeuge würden nur in Spitzenzeiten genutzt und stünden den Rest des Tages im Depot.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version dieses Berichts wurde versehentlich der Eindruck erweckt, dass der Landesverband Hessischer Omnibusbetreiber eine beliebige Erhöhung der Buskapazitäten nicht für möglich halte. Der Verband hat klargestellt, dass er dies sehr wohl für möglich und auch sinnvoll halte - zum Beispiel durch den Einsatz aktuell nicht genutzter Reisebusse. Wir bitten um Entschuldigung.

Sendung: hr1 21.08.2020, 9.40 Uhr

Ihre Kommentare Überfüllte Schulbusse: Ihre Erfahrungen und Ideen?

67 Kommentare

  • Schulbusse überfüllt, das ist doch nichts Neues. Hoffe die Verantwortlichen Politiker werden endlich wach und schieben nicht wieder die Verantwortung weiter! Muss erst Corona kommen damit etwas geschieht? ANSTECKUNGEN sind nun auch bei Schülern angekommen, auch das war schon lange vorhersehbar. Ich erspare mir weitere Kommentare, aber wenn in geschlossenen Räumen die Abstände nicht eingehalten werden, dann sind Masken dort eine Pflicht!

  • Die Einhaltung des Mindestabstands in Bussen ist unrealistisch und auch gemäß der Verordnung nicht vorgeschrieben. Dafür gibt es die Maskenpflicht. Insofern ist eher die Maskenpflicht auf dem Schulhof (bei Einhaltung des Mindestabstands) nicht sachgerecht. Es sollte jetzt aber auch nicht sein, dass die Schüler dicht an dicht im Bus stehen müssen. Ein zeitversetzter Beginn und Ende des Präzensunterrichts kombiniert mit einer Reduzierung des Stundenumfangs und ggf. ein wenig Nachmittagsunterricht könnte hier hilfreich sein. Da müsste mal das Kultusministerium etwas konzipieren. Es ist richtig, dass das Problem schon lange vor Corona bestand. Ich selbst habe das vor etwa 20 Jahren erlebt, verbessert hat sich anscheinend bisher wenig. Eine Gurtpflicht in Bussen gibt es nur im Fernverkehr (Reisebusse). Ich gehe davon aus, dass das auf Bundesebene hinreichend abgewogen wurde.

  • Ja auf jeden Fall sind sie zu voll.Aber fahren sie morgens an den Haltestellen vorbei oder in den Pausen an der Schule egal wo .Keine Masken kein Abstand Alter der Kinder egal .Was bringt dann diese ganze Diskussion ??????

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