Blutkonserven

Die Krankenhäuser wollen zurück zum Normalbetrieb. Doch da gibt es ein Problem: In der Corona-Zeit kann kaum jemand Blut spenden - und die Reserven sind fast aufgebraucht.

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Infolge der Corona-Krise drohen den Krankenhäusern die Blutkonserven auszugehen. Angesichts der dramatischen Lage ruft das Sozialministerium die Bürger zu Blutspenden auf. "Jede Woche werden in Hessen zur Patientenversorgung mehrere tausend Blutspenden benötigt - jeder kann, zum Beispiel als Unfallopfer, auf Blutspenden angewiesen sein", sagte Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Mittwoch: "Ich bitte deshalb alle Hessinnen und Hessen, jetzt Blut zu spenden und so dazu beizutragen, dass kein Versorgungsengpass entsteht."

Verschobene Operationen stehen an

Nach Recherchen von tagesschau.de sind Baden-Württemberg und Hessen von der aktuellen Knappheit besonders betroffen. Demnach reichen die Reserven in den Blutbanken des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) derzeit nicht einmal mehr, um den durchschnittlichen Tagesbedarf zu decken. "Das ist der niedrigste Stand, den ich in meinem Berufsleben erlebt habe", berichtete Eberhard Weck vom Blutspendedienst Baden-Württemberg und Hessen.

Das Sozialministerium bestätigte auf Anfrage von hessenschau.de, dass die Versorgungslage sowohl beim DRK in Frankfurt und Kassel als auch bei den Lahn-Dill-Kliniken in Wetzlar "sehr angespannt" sei. Auch das Uni-Klinikum Gießen-Marburg schlägt Alarm. Derzeit bleibe fast jeder dritte regelmäßige Spender weg. Der Bedarf könne nicht gedeckt werden. Das fehlende Blut müsse aufwendig über andere Spendendienste herbeigeschafft werden. Aber auch das wird offenbar immer schwieriger, weil die Spenderzahlen überall rückläufig sind.

Dabei stehen auch die hessischen Krankenhäuser vor der Herausforderung, dass zu Beginn der Corona-Krise verschobene Operationen nun nachgeholt werden sollen - und entsprechend der Bedarf an Blutkonserven steigt. Das Klinikum Gießen-Marburg ruft daher ebenfalls die Bevölkerung in der Region zum Blutspenden auf.

"Keine erhöhte Infektionsgefahr"

Sowohl das Uni-Klinikum als auch das Sozialministerium weisen darauf hin, dass bei Blutspenden kein erhöhtes Infektionsrisiko bestehe. "Deshalb ist es auch unter den aktuellen Einschränkungen von Veranstaltungen erlaubt, zum Blutspenden zu gehen", betonte Sozialminister Klose. Personen, die Blut spenden möchten, sollten online einen Termin vereinbaren, um den vorgegebenen Schutzmaßnahmen gerecht werden zu können.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Klinikum Gießen-Marburg: Blutspender gesucht!

Eine Frau bekommt in Berlin Blut abgenommen.
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Angesichts der bundesweit schwindenden Reserven fordert Klose die Bundesärztekammer dazu auf, ihre Haltung zu überdenken, "ganze Gruppen unabhängig vom individuellen Verhalten faktisch von der Blutspende auszuschließen". So dürfen etwa homosexuelle Männer derzeit nur Blut spenden, wenn sie zuvor zwölf Monate keinen sexuellen Kontakt zu einem anderen Mann hatten.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 20.05.2020, 16.45 Uhr