Entwurfsgrafik des geplanten Gebäudes: ein weißes, mehrstöckiges, abwechslungsreich geformtes Eckgebäude mit großen Fenstern.

Ein jahrelang geplantes Projekt nimmt Gestalt an: In Frankfurt wird die Jüdische Akademie gebaut. Es ist die erste überregionale jüdische Institution dieser Art.

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hessenschau vom 02.09.2021
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Es ist ein großer Tag für das jüdische Leben und das Judentum in Deutschland: In Frankfurt erfolgte am Donnerstag der erste Spatenstich für den Bau der Jüdischen Akademie. Die zukünftige Leiterin Sabena Donath sagte: "Wir werden ein Haus sein mitten in der Stadt und mitten in einer Stadt, die mitten in Deutschland ist, das heißt, unser Herz wird dort schlagen."

Veranstaltungssaal, Wendeltreppe und Café

Das Gebäude an der Senckenberganlage wurde von dem Frankfurter Architekten Zvonko Turkali entworfen. Der Neubau an der Südspitze des geplanten Kulturcampus im Stadtteil Bockenheim schließt eine frühere Professorenvilla mit ein. Die Fertigstellung ist für Ende 2023 geplant, 2024 soll die Jüdische Akademie ihren Betrieb aufnehmen. Die Gesamtkosten des Projekts liegen bei 34,5 Millionen Euro und werden gemeinsam vom Bund, dem Land, der Stadt und dem Zentralrat der Juden in Deutschland getragen. Mit der Enthüllung des Bauschildes hatte die Realisierungsphase Ende Juni begonnen, die Baugenehmigung war bereits Ende Dezember 2019 erteilt worden.

Alt- und Neubau werden dem Architekten zufolge "durch einen verglasten, eingeschossigen Baukörper miteinander verbunden". Im Neubau sollen ein Veranstaltungssaal für etwa 200 Personen, ein Speisesaal und Foyer-Räume entstehen. Eine massive Wendeltreppe führe auf die Dachterrasse mit Skyline-Blick. Im Altbau sollen unter anderem ein Café sowie Besprechungs- und Verwaltungsräume untergebracht werden.

Erste Institution dieser Art in Deutschland

Donath sagte: "Diese Kombination aus der alten Villa und dem Neubau ist auch, wie wir uns verstehen: Eine Verknüpfung zwischen Alt und Neu." Sie wird die Akademie gemeinsam mit ihrem Kollegen Doron Kiesel leiten. Beide sind bislang schon für die Bildungsabteilung beim Zentralrat der Juden zuständig.

Nach Angaben des Zentralrats ist die Jüdische Akademie die erste Institution dieser Art in Deutschland, die nach der Schoa - der Verfolgung und Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten - errichtet wird. Sie stehe in der Tradition des von Franz Rosenzweig geleiteten Freien Jüdischen Lehrhauses in den 1920er Jahren.

Von Philosophie bis Film

In Seminaren, Konferenzen, Podiumsdiskussionen, Studientagen und Vorträgen sollen dort unterschiedlichste Themen aus jüdischer Perspektive behandelt werden. Das Spektrum reiche von jüdischer Philosophie über Ethik bis hin zu moderner Kunst, zeitgenössischer Literatur und Film.

"Das bedeutet, dass wir einen Themenkanon kreieren können, der zum einen eine starke jüdische Stimme in der Bildungslandschaft wieder neu einnehmen kann, und zum anderen auch in gesellschaftlich relevanten Themen wie Antisemitismus auch die Rezeption der Schoa aus jüdischer Perspektive nochmal konzentrierter vornehmen kann", sagte Donath.

Akademie sieht sich aktiver Toleranz verpflichtet

Die Akademie soll als "intellektueller Mittel- und Anziehungspunkt sowohl für Jüdinnen und Juden aus Deutschland und Europa als auch für Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften wirken, die an jüdischen, interkulturellen, interreligiösen oder universellen Fragestellungen interessiert sind", wie der Zentralrat mitteilte. Zugleich wolle die Akademie "die Traditionen des in der ehemaligen Sowjetunion gewachsenen Judentums würdigen und aufnehmen". Das jüdische Bildungsverständnis sehe sich besonders aktiver Toleranz und eines gleichberechtigten Miteinanders von Kulturen verpflichtet.

Am Festakt zum Spatenstich nimmt der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, teil. In Vertretung von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wird Staatsekretär Markus Kerber vor Ort sein, außerdem wird Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) kommen.

"Das Judentum ist bunt, modern und vielfältig"

Benjamin Graumann, der zum Vorstand der jüdischen Gemeinde in Frankfurt gehört, sagte vorab: "Die Akademie wird das intellektuelle Zentrum des Judentums in Deutschland werden und das geht natürlich nur dann, wenn man das neben einer starken Gemeinde etabliert. Und das sind wir hier in Frankfurt. Wir haben die Infrastruktur, die Synagoge ist in der Nähe, das koschere Restaurant auch."

Er wünsche sich, dass vor allem die jungen jüdischen Stimmen in der Akademie "viel mehr Gehör und die Gelegenheit bekommen, sich dort entfalten zu können. Und zwar nicht nur im Bereich Antisemitismus und Israel, sondern das Judentum ist bunt, ist modern, ist vielfältig."

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