Auf einem Parkplatz der Uni Gießen steht ein Kleinbus mit der Aufschrift "Impfzentrum". Drumherum sind Stehtische zu sehen, an denen junge Menschen stehen.

Probieren geht über Studieren? Mit einem mobilen Impfzentrum vor der Gießener Uni-Mensa sollen Studentinnen und Studenten spontan von einer Spritze gegen das Coronavirus überzeugt werden. Der Beginn verläuft schleppend, doch der Impfdruck auf die Jüngeren steigt.

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Audioseite Impfaktion an der Uni Gießen

Impfstoff wird in Spritze aufgezogen.
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Erst Mittagessen, dann impfen lassen. Das ist die Idee hinter dem mobilen Impfzentrum, das seit Donnerstag an der Mensa der Universität Gießen steht. In den nächsten drei Wochen können sich alle, die wollen, auf dem Parkplatz vor der großen Uni-Kantine spontan eine Spritze gegen das Coronavirus setzen lassen. Aber wird das auch genutzt?

Impfstoff gibt es inzwischen genug. Ab kommenden Montag können landesweit alle Berechtigten auch ohne Termin in eines der 28 hessischen Impfzentren gehen, wie die Landesregierung in dieser Woche bekanntgab. Doch diese sind manchmal gar nicht so einfach zu erreichen, gerade wenn man - wie viele jüngere Leute - kein eigenes Auto hat. Um Ungeimpfte zu überzeugen, soll das Impf-Angebot deshalb so einfach und spontan wie möglich sein.

Anfangs noch wenig los

Zum Start der Impf-Aktion vor der Gießener Mensa hält sich der Andrang, vorsichtig gesagt, noch in Grenzen. Um 8 Uhr morgens kommen drei Helferinnen des Impfzentrums vom Kreis Gießen auf den Uni-Parkplatz gefahren und bauen ihr kleines Impfzentrum auf: ein Pavillon, zwei Bierzeltgarnituren und zwei Stehtische. Mehr braucht es nicht, außer natürlich den Impfstoff.

Es dauert gut eineinhalb Stunden bis mit Medizinstudentin Sabeth Neubourg der erste Impfling des Tages vorbeikommt. Sie findet die Aktion am Campus praktisch, denn hier kommt sie mit ihrem Fahrrad viel einfacher hin als in das Impfzentrum am Rand der Nachbarstadt Heuchelheim. Bis zur Mittagszeit kommen einige weitere Impfungen dazu. Mitarbeiter des Studentenwerks verteilen Handzettel mit Infos an alle, die gerade in die Mensa wollen. Die Reaktion der meisten: "Ich bin schon geimpft."

Das Angebot finden viele hier grundsätzlich gut. Sie glauben aber nicht, dass es dabei hilft, Impfskeptiker doch noch zu überzeugen. "Ich halte es für Leute sinnvoll, die sich nicht richtig darum kümmern. Aber um Leute zu erreichen, die sich nicht impfen lassen wollen, da bringt es nichts", sagt Lehramtsstudent Niklas Paul. Er ist selbst schon durchgeimpft.

Präsenzlehre nur für Geimpfte?

Jurastudent Dijwar Ortac fordert deshalb Anreize für Studierende, sich impfen zu lassen - im nächsten Semester zum Beispiel nur Präsenzveranstaltungen für Geimpfte. Auch in der Politik werden Stimmen laut, den Impfdruck an Hochschulen zu erhöhen. In Baden-Württemberg verlangt die zuständige Ministerin Theresia Bauer (Grüne) etwa, ungeimpften Studierenden die kostenlosen Coronatests zu streichen.

Das hessische Wissenschaftsministerium möchte so weit noch nicht gehen: "Besondere Regeln für Hochschulen und Studierende planen wir in Hessen dazu nicht", teilt das Ministerium auf Nachfrage mit.

Die Taktik Präsenz nur für Geimpfte könnte aber nach zwei Online-Semestern klappen, meint die Studentin der Wirtschaftswissenschaften, Selina Yildiz. Sie wollte sich ursprünglich nicht impfen lassen. Aber die Aussicht auf mehr Normalität im Uni-Alltag hat sie dann doch überzeugt, sich spontan vor der Uni-Mensa die erste Dosis des dort ausgegebenen Biontech-Impfstoffs spritzen zu lassen.

Ausblick auf Normalität kann manche Überzeugen

Ihre Kommilitonin Merve Akin will dagegen erstmal ungeimpft bleiben. Sie hat Angst vor möglichen Nebenwirkungen und möchte eigentlich warten, bis es Langzeitstudien gibt: "Auch wenn das hier ziemlich simpel ist: vorbeikommen und sich in zwei Minuten impfen lassen. Aber es ist mein Leben, und ich muss mit den Nebenwirkungen klarkommen."

Vielleicht entscheide sie sich in der nächsten Zeit aber doch noch um, sagt sie. Bis voraussichtlich 19. August steht das mobile Impfteam noch jeden Tag unter der Woche vor der Gießener Mensa. Am ersten Tag wurden gerade mal 18 Impfdosen gespritzt.

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