Frankfurter AWO-Zentrale wird durchsucht.

Großrazzia bei der AWO: Mehr als 80 Einsatzkräfte haben nach neuen Betrugsvorwürfen Büros und Wohnungen von AWO-Verantwortlichen durchsucht - auch die Zentrale des Frankfurter Kreisverbands. Gegen diesen stellte die Stadt Frankfurt nun Strafanzeige.

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In Zusammenhang mit immer neuen Betrugs- und Untreuevorwürfen gegen die AWO-Kreisverbände Wiesbaden und Frankfurt hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft am Dienstagvormittag die Durchsuchung zahlreicher Wohn- und Geschäftsräume in Hessen und Berlin angeordnet - darunter auch die Zentrale des Frankfurter AWO-Kreisverbands.

Insgesamt wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft 14 Objekte in Frankfurt, Wiesbaden, Bad Schwalbach (Rheingau-Taunus), Schöneck (Main-Kinzig) und Berlin durchsucht. Dabei seien zahlreiche Geschäftsunterlagen sowohl in schriftlicher als auch in elektronischer Form sichergestellt worden, teilten die Ermittler mit. 84 Beamte seien dabei im Einsatz gewesen.

Vorwurf: Untreue und Betrug

Im Zentrum der Ermittlungen stehen zum einen zwei ehemals von der AWO im Auftrag der Stadt Frankfurt betriebene Flüchtlingsunterkünfte, deren Personalkosten der Wohlfahrtsverband falsch abgerechnet haben soll. Der Stadt könnte dadurch ein Schaden "im hohen sechsstelligen Bereich" entstanden sein, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Hier steht der Verdacht des Betrugs im Raum. Beide Objekte wurden am Dienstag durchsucht.

Zum anderen wird wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Dies könnte durch die "Vereinbarung und Entgegennahme" satzungswidriger Vergütungen beziehungsweise ungerechtfertigter Honorarzahlungen sowie der Gewährung überhöhter Dienstwagenpauschalen gegeben sein, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Sechs Hauptverdächtige, aber keine Festnahmen

Als Hauptverdächtige gelten zwei Frauen und vier Männer im Alter zwischen 40 und 63 Jahren, die bei der AWO in Frankfurt beziehungsweise Wiesbaden - teilweise auch in beiden Kreisverbänden gleichzeitig - zum Teil ehrenamtlich in leitenden Funktionen tätig waren. Keiner der Beschuldigten sei festgenommen worden, hieß es seitens der Staatsanwaltschaft. Haftgründe lägen nicht vor.

Eine Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft erklärte, dass den Hausdurchsuchungen umfangreiche Ermittlungen vorausgegangen seien. Diese seien notwendig gewesen, um belastbare Indizien für einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss zu erhalten.

Stadt Frankfurt stellt Strafanzeige gegen AWO-Kreisverband

Nach Bekanntwerden der Durchsuchungen und der von der Staatsanwaltschaft genannten möglichen Schadenssumme stellte die Stadt Frankfurt eine Strafanzeige gegen den AWO-Kreisverband. Anlass seien die Durchsuchungen und die Äußerungen der Staatsanwaltschaft, sagte eine Sprecherin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU).

"Da wir bislang noch keine Akteneinsicht erhalten und keine näheren Kenntnisse über Umfang des voraussichtlichen Schadens und beteiligte Personen haben, stellen wir vorsorglich Strafanzeige und Strafantrag aus allen rechtlichen in Betracht kommenden Gründen", sagte Birkenfeld laut Mitteilung.

AWO-Bundesverband befürwortet Ermittlungen

Der AWO-Bundesverband begrüßte die Ermittlungen am Dienstag. "Die Handlungen der Staatsanwaltschaft machen die Tragweite der Vorwürfe in Frankfurt am Main und Wiesbaden deutlich", erklärte der AWO-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Stadler. Nur eine vollständige Aufklärung und eine Begleichung der finanziellen Schäden ermöglichten einen "radikalen und glaubwürdigen Neuanfang", ergänzte er.

Der Bundesverband werde die Staatsanwaltschaft bei Bedarf unterstützen. "Wir fordern auch von den Verantwortlichen vor Ort, uneingeschränkten Aufklärungswillen zu zeigen", hieß es.

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Durchsuchungen bei der AWO
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"Angesichts der Schwere der Vorwürfe gegen leitende Awo-Mitarbeiter in Frankfurt und Wiesbaden sind die Durchsuchungen von heute nur folgerichtig", hieß es in einer Reaktion des Generalsekretär der hessischen SPD, Christoph Degen. "Wenn Straftaten vorliegen, müssen diese konsequent verfolgt und geahndet werden."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 14.01.2020, 19.30 Uhr