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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Stadt bringt wohnungslose Kinder in Sex-Hotel unter

Das Hotel Columbus im Frankfurter Bahnhofsviertel

Prostitution im Frankfurter Bahnhofsviertel spielt sich zurzeit vor allem in Hotels ab. Denn die Bordelle sind wegen Corona dicht. In manchen der Hotels hat die Stadt wohnungslose Familien untergebracht. Der Kinderschutzbund schlägt Alarm.

Wer vor dem Hotel Columbus am Frankfurter Hauptbahnhof wartet, lernt schnell den Charakter der Umgebung kennen. Da werden einem ganz offen Drogen angeboten, auch käuflicher Sex ist zu haben. In diesem Umfeld hat die Stadt Frankfurt wohnungslose Familien mit Kindern untergebracht, auch im Hotel Columbus.

Dort, so hat die Stadtpolizei jetzt herausgefunden, trafen Prostituierte ihre Freier. Weil der Betreiber des Hotels das wissentlich geduldet habe, wurde er Ende September bei einer Kontrolle der Polizei angezeigt.

Offenes Geheimnis

Seitdem der Betrieb von Bordellen coronabedingt verboten ist, hat sich in Frankfurt die Prostitution auf den Straßenstrich und in Hotels verlagert. Das illegale Sex-Geschäft war im Hotel Columbus ein offenes Geheimnis.

Der Wohnungslose Youssef N., der dort von der Stadt untergebracht ist, schildert das allabendliche Treiben. Erst seien aufreizend gekleidete Frauen ins Hotel gekommen, später Männer. "Die fragen nach der Zimmernummer und gehen dann hoch." Jedem sei klar gewesen, was da vor sich gehe.

Leben zwischen Bordellen und Crack-Rauchern

Ein Großteil der Zimmer ist von der Stadt Frankfurt belegt. Das Sozialamt bringt dort Wohnungslose unter, nach Angaben vom August waren fünf Minderjährige dabei. Auch eine Familie mit zwei kleinen Kindern lebt dort. Sie schottet sich, so berichtet es Youssef, weitgehend von den anderen ab. Auch für den hr ist die Familie nicht zu sprechen. Laut Mitbewohnern lebt die Familie schon seit über einem Jahr dort.

Kinder im Bahnhofsviertel unterzubringen – das hat bei der Stadt Frankfurt Methode. Laut Sozialdezernat lebten zuletzt mehr als 70 Kinder und Jugendliche dort in Hotels, zwischen Sex-Shops und Bordellen, da, wo Süchtige am helllichten Tag Crack rauchen. Die Stadt bucht die Hotels aus purer Not, denn derzeit sind rund 8.000 Wohnungslose und Asylsuchende zu versorgen. Nicht für alle ist Platz in Wohnheimen und Unterkünften.

Kinderschutzbund sieht Kinder gefährdet

Trotz aller Engpässe fordert der Kinderschutzbund für Familien eine andere Unterbringung. Verone Schöninger, die Vorsitzende des Kinderschutzbundes Hessen, sieht das Kindeswohl gefährdet. "Das Kindeswohl hängt zu einem großen Teil mit dem Lebensumfeld zusammen. Täglich Prostitution und Drogenhandel mit anzusehen, ist da nicht förderlich."

Die Frankfurter Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) will aber an der Unterbringung erstmal nichts grundsätzlich ändern. Was das Hotel Columbus angeht, erklärt ihr Sprecher auf hr-Anfrage: "Wir gehen auf den Eigentümer zu und konfrontieren ihn mit den Vorwürfen." Außerdem werde es unangekündigte Kontrollbesuche geben.

Hotelier verspricht gut aufzupassen

Bei einem anderen Hotel im Bahnhofsviertel ist die Stadt im Juni ähnlich vorgegangen. Auch dort sind Kinder untergebracht. Auch dort gab es den Vorwurf der illegalen Prostitution. Die Stadt sprach darauf den Betreiber an, wie das Sozialdezernat dem hr berichtet: "Er sicherte zu, dies sofort zu unterbinden, sollte dies in seinem Haus stattfinden." Abzuwarten bleibt, ob dies auch für das Hotel Columbus in Zukunft gilt.