Nachdem sich in Marburg deutliche Kritik am Zustand des Schlosses geregt hat, tut sich nun was: In den kommenden Jahren soll viel Geld in die Sanierung des Marburger Wahrzeichens fließen. Auch für das Museum wird ein neues Konzept erstellt.

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Marburger Schloss wird saniert

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Zumindest in einschlägigen Online-Tourismusportalen ist man sich einig: Das Schloss ist eines der Top-Ausflugsziele in Marburg. Dank ihrer exponierten Lage ist die Burg aus dem 11. Jahrhundert weithin sichtbar und damit sogar noch prägnanter im Stadtbild als die berühmten Türme der Elisabethkirche. Besonders die grandiose Aussicht vom Schlossberg wird von Besucherinnen und Besuchern gelobt - wenn sie sich denn die 109 Höhenmeter von ganz unten nach oben geschleppt haben.

Damit sich der Aufstieg in Zukunft noch mehr lohnt, soll das Landgrafenschloss in den kommenden Jahren eine millionenschwere Sanierung und ein neues Besucherkonzept bekommen. Denn: In den vergangenen Monaten hatte es deutliche Kritik an den Zuständen der Anlage gegeben.

Schild zum Wilhelmsbau mit Tür und Plakat: "vorübergehend geschlossen"

In einem offenen Brief bemängelte eine Initiative von Bürgerinnen und Bürgern einen allgemeinen Sanierungsstau sowie Probleme mit Brandschutz und Barrierefreiheit. Durch das alte Schieferdach hatte es beispielsweise in der Vergangenheit bereits reingeregnet. Zudem ist der Wilhelmsbau, der den Großteil des Museums beherbergt, schon seit Dezember 2021 aus Brandschutzgründen geschlossen.

Stadt Marburg öffnet gut gefüllte Kassen

Um das Schloss auf Vordermann zu bringen, haben Stadt und Land nun millionenschwere Zuschüsse in Aussicht gestellt. So will die Landesregierung im Doppelhaushalt 2023/2024, der allerdings noch nicht vom Landtag verabschiedet ist, rund 11,7 Millionen Euro für die Dachsanierung bereitstellen. Auch die Stadt Marburg, die dank des Impfstoffproduzenten Biontech derzeit enorme Gewerbesteuereinnahmen hat, will ihre gut gefüllten Kassen öffnen.

Angedacht sei derzeit, dass sich die Stadt mit bis zu 50 Prozent der Kosten an einer Sanierung des fünfstöckigen Wilhelmsbaus beteiligt, teilt Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) auf Anfrage mit. Genauere Zahlen könne man zwar erst im weiteren Planungsprozess nennen, aber man rechne mit einer Summe im unteren einstelligen Millionenbereich. "Marburg ist die Wiege des Landes Hessen und war über 300 Jahre lang Hauptstadt und Zentrum", so Spies. "Wir möchten, dass 'die Marburg' ein stadt- und landesgeschichtliches Zentrum wird, wie es ihrem Rang entspricht." Mit "die Marburg" meint der Oberbürgermeister das Schloss.

Uni hat als Eigentümerin keine Mittel für das Schloss

Eigentümerin des Denkmals ist nicht die Stadt selbst, sondern die Philipps-Universität. Dort ist der Sanierungsstau seit Jahren bekannt, jedoch habe man bisher kein Geld für eine Sanierung gehabt, so die Uni. Der Unterhalt des Schlosses wird derzeit durch einen sogenannten Sondertatbestand vom Wissenschaftsministerium finanziert. Dass eine Uni ein derartiges Denkmal betreibt, ohne dass darin Forschung und Lehre stattfinden, ist in dieser Form hessenweit einzigartig.

Universitätspräsident Thomas Nauss zeigte sich gegenüber dem hr erfreut über die Zuschüsse, die nun in Aussicht stehen. Man habe in den vergangenen Monaten sehr fruchtbare und unkomplizierte Gespräche mit Stadt und Land führen können, so Nauss. "Wir haben nun zwei Finanzpartner und die Universität kann ihr Know-how einbringen, was die Schlosssanierung und die Museumsperspektive angeht."

Das Schloss soll zu einem historischen Bezugspunkt in Hessen gemacht werden, in dem Landes-, Stadt- und Universitätsgeschichte dargestellt werden, so Nauss. Außerdem soll es auch jenseits des Museums zu einem Veranstaltungs- und Erlebnisort ausgebaut werden. "Es gibt viele tolle Sachen im Schloss - vom Hundertmeterbrunnen bis zu den Sälen und Kapellen und den Fledermausquartieren in den Katakomben."

Initiative: Schloss als Baudenkmal von nationaler Bedeutung

Richard Laufner, Mitinitiator des offenen Briefs und dem Zusammenschluss "Die Marburg kann mehr", begrüßte die Entwicklung gegenüber dem hr. Auch die Initiative habe gute Gespräche mit Uni und Stadt geführt und in Aussicht gestellt bekommen, an der Konzeptentwicklung weiter beteiligt zu werden.

Mann vor alter Mauer

 "Wir sind überrascht, wie viel sich in den vergangenen Monaten getan hat - angesichts dessen, dass es sich um Projekt handelt, das sich über Jahre oder sogar ein ganzes Jahrzehnt hinziehen wird", meint Laufner. Die Initiative plane im kommenden Jahr eine Veranstaltungsreihe rund um die Bedeutung und Geschichte des Schlosses mit Vorträgen von Experten.

Perspektivisch wolle man sich außerdem dafür einsetzen, dass das Schloss den Status eines Baudenkmals von nationaler Bedeutung bekommt. "Dadurch könnte man noch mal Gelder durch bundesweite Förderprogramme akquirieren", meint Laufner. Denn er und seine Mitstreiter gehen davon aus: "Die Marburg" wird in den kommenden Jahren wohl noch viele weitere Millionen Euro für die Instandhaltung brauchen.

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