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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Stadtdekan warnt vor "Sehnsucht nach Durchgreifen"

Johannes zu Eltz

Wegen des Coronavirus wird bundesweit das öffentliche Leben heruntergefahren, Veranstaltungen fallen aus - und auch Gottesdienste. Nur in Frankfurt warnt ein Stadtdekan vor einer "Sehnsucht nach Durchgreifen".

Der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz hat angesichts der landesweiten Versammlungs- und Veranstaltungsverbote wegen des Coronavirus vor einer "Sehnsucht nach dem Durchgreifen" gewarnt. Stattdessen müsse jeder einzelne Rücksicht nehmen und Verantwortung tragen, sagte er am Sonntag auf der bis auf weiteres letzten Sonntagsmesse im Frankfurter Dom.

Es bedrücke ihn, wenn man in der Begegnung mit anderen jetzt eine Bedrohung und keine Bereicherung mehr sehe, sagte er dem hr. Wenn "freiwillig Freiheit und Selbstverantwortung" aufgegeben würden, sei das "nicht sehr staatsbürgerlich".

Gegen "immer härtere Maßnahmen"

Er wolle sich dem Ruf nach immer härteren Maßnahmen und Verboten nicht anschließen und bedauere die Absage aller Gottesdienste im Bistum Limburg bis zum 4. April. Er selbst habe keine Angst vor dem Virus, so zu Eltz. "Weil eh jeder krank wird und weil am Ende aller Tage auch das Leben nicht der Güter höchstes ist."

Mit dieser Auffassung steht der Stadtdekan derzeit allerdings ziemlich allein da. Über Länder-, Behörden- und auch Kirchengrenzen hinweg sind sich inzwischen weitgehend alle einig über die Notwendigkeit, eine Ausbreitung von Sars-Cov-2 so effektiv wie möglich zu verhindern.

Bistümer sagen Gottesdienste ab

Dass von den Maßnahmen auch Gottestdienste und andere religiöse Zusammenkünfte betroffen sind, haben auch die Bistümer klar gemacht: Am Freitag und Samstag meldeten Fulda, Limburg und Mainz, dass es vorerst keine Gottestdienste mehr gibt. Ähnlich äußerte sich die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck. Mit dem am Samstagabend vom Land ausgesprochenen Verbot von Veranstaltungen über 100 Teilnehmer haben sich diese Beschlüsse aber ohnehin erledigt.

Während sich eine Bevölkerung damit abfinden muss, dass Konzerte, Sportveranstaltungen, Feiern und vieles mehr ausfallen, sieht Stadtdekan zu Eltz im Gottesdienst keine verzichtbare Kulturveranstaltung, sondern spirituelle Daseinsvorsorge: "Das ist systemrelevant für eine Gesellschaft, aus der die Solidarität nicht verschwinden soll." Dennoch werde er sich "treulich" an die Vorgaben halten, so zu Eltz.

Sendung: hr-iNFO, 15.03.2020, 15 Uhr