Die "Villa Gründergeist" im Frankfurter Westend
Die "Villa Gründergeist" im Frankfurter Westend Bild © hr

Aus einer Begegnungsstätte im Frankfurter Westend soll eine topmoderne Start-up-Villa werden: Mit diesem Plan kommt das Bistum Limburg nicht so recht voran. Jetzt braucht die Einrichtung eine neue Leitung. Und die Stadt hat ihre Förderung gestoppt.

Das Bistum Limburg sucht einen neuen Leiter für seine "Villa Gründergeist" in Frankfurt. Der bisherige Chef Peter Kubikowski hört nach zwei Jahren auf, wie ein Bistumssprecher hessenschau.de auf Anfrage bestätigte.

Am umstrittenen Konzept ändert die Personalie nichts: In dem schmucken Gebäude im Frankfurter Westend soll demnach weiterhin "der erste katholische Co-Working-Space" in Deutschland betrieben werden. Für Kubikowskis Ausscheiden werden persönliche Gründe genannt.

Wenig Interesse

Ob zur Miete oder bei spontanen Besuchen: Junge Unternehmer und Gründer von Start-ups sollten sich seinen Vorstellungen zufolge auf mehreren Etagen treffen, um Projekte zu entwickeln, sich auszutauschen und Beratung zu finden. Richtig in Gang gekommen ist das Vorhaben noch nicht, das im Sommer nach Kritik und langer Vorbereitung kurzfristig vorgestellt und für eröffnet erklärt worden war.

In den Räumen verlieren sich in der Regel nur die wenigen Mitarbeiter der Einrichtung. Auch die angekündigte Einrichtung eines Cafés hat noch nicht begonnen. Auf die Frage nach der Zahl von Besuchern oder Nutzern heißt es aus den Bistum, es gebe durchaus Interesse - zum Beispiel von einer Grafik-Designerin.

Stadt stoppt Zuschüsse

Unterdessen hat die Stadt aufgrund der Neuausrichtung ihre Förderung in Höhe von zuletzt 82.000 Euro im Jahr eingestellt. Das Bistum sei dem Vorschlag der Stadt gefolgt, den Antrag auf Bezuschussung zurückzuziehen, sagte eine Sprecherin des Frankfurter Sozialdezernats auf Anfrage von hessenschau.de.

Die Stadt prüfe derzeit noch, ob das Bistum bereits gezahlte Zuschüsse zurückzahlen müsse. Hintergrund der Prüfung ist, dass die katholische Kirche das seit den 80er-Jahren an gleicher Stelle als "Haus der Begegnung" (HdB) unterbreitete Angebote an Bildung und Beratung für junge Erwachsene zuletzt nach und nach abgebaut hatte. Zum Schluss gab es gar keinen Veranstaltungskalender mehr.

Bistum: Teil des Erneuerungsprozesses

Das Bistum macht sinkende Teilnehmerzahlen im HdB für die einschneidende Änderung geltend, die zudem im Kontext eines größeren kirchlichen Erneuerungsprozesses stehe. HdB-Mitgründer Norbert Copray wirft den Verantwortlichen dagegen vor, ohne Not eine mögliche Modernisierung auf Basis des bestehenden Profils nicht versucht zu haben. Aus dem einst bundesweit wegweisenden Projekt sei eine "geistige Ruine" ohne Inhalt gemacht worden.

Die Einrichtung im Frankfurter Westend war schon einmal in jüngster Vergangenheit ohne Leitung – und das jahrelang. Wegen Kritik an Limburgs Ex-Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst war der damalige HdB-Leiter Patrick Dehm nach zwölf Jahren zunächst fristlos entlassen worden. Vor dem Arbeitsgericht fiel das Bistum damit durch, es kam zu einem Vergleich.