Fahrradsternfahrt "Stern für Hanau"

#SayTheirNames: Mit dieser Aufschrift auf T-Shirts und Helmen haben mehrere hundert Radler auf einer Sternfahrt an die neun Getöteten des rassistischen Anschlags von Hanau erinnert. Auf einer Kundgebung drangen sie auf lückenlose Aufklärung - und erhielten aus der Ferne Unterstützung von SPD-Chefin Faeser.

Videobeitrag

Video

zum Video Rad-Sternfahrt nach Hanau

hs_190621
Ende des Videobeitrags

Knapp eineinhalb Jahre nach dem rassistischen Anschlag in Hanau haben am Samstag mehrere hundert Menschen mit einer Sternfahrt und einer Kundgebung auf dem Hanauer Freiheitsplatz an die neun Getöteten erinnert. Viele Teilnehmer trugen gelbe Warnwesten oder Helme mit dem Aufdruck "#SayTheirNames" sowie T-Shirts mit den Gesichtern der neun Opfer, die am 19. Februar 2020 bei dem Attentat ermordet wurden.

Rund 650 Menschen radelten bei der Sternfahrt mit, wie die Polizei berichtete. Diese führte über fünf Routen nach Hanau: etwa aus Frankfurt oder Aschaffenburg. Zur anschließenden Kundgebung hätten sich rund 500 Menschen versammelt. Besondere Vorkommnisse gab es laut Polizei keine, alles sei "ruhig und friedlich" verlaufen.

Bereits an den unterschiedlichen Startpunkten der Sternfahrt hatten Angehörige der Opfer zu den Teilnehmern gesprochen, wie Hagen Kopp, Sprecher der "Initiative 19. Februar Hanau" sagte. Bei der Versammlung in Hanau forderten Familienmitglieder eine lückenlose Aufklärung der Ereignisse vor, während und nach der Tat sowie Antworten auf offene Fragen zum Vorgehen der Behörden und der Polizei.

SPD will U-Ausschuss beantragen

Unterstützung in dieser Angelegenheit bekamen die Demonstrierenden aus der Ferne von SPD-Fraktionschefin Nancy Faeser. Diese kündigte am Samstag am Rande des Landesparteitags der Sozialdemokraten in Offenbach an, dass die SPD noch vor der Sommerpause im Landtag einen Untersuchungsausschuss zum Anschlag von Hanau beantragen wolle: "Wir werden einen Untersuchungsausschuss einrichten, weil wir überhaupt keinen Aufklärungswillen der Landesregierung erkennen können", sagte Faeser. "Seit über einem Jahr passiert überhaupt nichts an Aufklärung." Das sei nicht tragbar, begründete Faeser. Es gebe zu viele offene Fragen, beispielsweise rund um den unterbesetzten Notruf in der Nacht des Anschlags.

Der 43 Jahre alte Tobias R. hatte am 19. Februar 2020 neun Menschen in Hanau aus rassistischen Motiven erschossen, bevor er seine Mutter und schließlich sich selbst tötete. Die Tat löste bundesweit Entsetzen aus.

Anschlagsopfer Vili Viorel Păun posthum geehrt

Erst am Freitag hatte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) einen der Getöteten, den damals 22 Jahre alten Vili Viorel Păun, posthum mit der hessischen Medaille für Zivilcourage geehrt. Dieser hatte den Täter verfolgt, um ihn zu stoppen - und war von dem Attentäter in seinem Auto erschossen worden.

Die Eltern von Vili Viorel Păun hatten nach dem Anschlag Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. Mobilfunkdaten ergaben, dass der junge Mann während der Verfolgung des Täters mehrfach versuchte, den Polizeinotruf zu erreichen, aber nicht durchdrang.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen