Ein Student liegt auf einem Feldbett im Studierendenhaus auf dem Campus Bockenheim der Frankfurter Johann Wofgang Goethe-Universität (Archivbild).

Im Studierendenhaus auf dem Campus der Frankfurter Goethe-Uni findet ein bundesweiter Krisengipfel wegen der aktuellen Preissteigerungen statt. "Es reicht", sagt Pia Troßbach vom AStA Frankfurt im Interview.

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hr3-Nachrichten vom 27. September

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Sie wollen nicht warten, bis ihnen der Strom abgedreht wird. Wollen nicht, dass sich Schimmel ausbreitet, wenn sie in kalten Wohnungen sitzen. Und warten nicht darauf, gekündigt zu werden, weil es für die Miete nicht mehr reicht. "Nein, unseren Aufstand gibt es jetzt!", teilt das studentische Bündnis "Lernfabriken ... meutern!" mit.

Für diesen Dienstag lädt das Bündnis wegen der hohen Preissteigerungen bei Energie, Lebensmitteln und Mieten gemeinsam mit dem AStA Frankfurt, den großen Studierendenvertretungen und dem freien Zusammenschluss von Student*innenschaften (fzs) zu einem "Studentischen Krisengipfel" auf den Campus der Goethe-Universität Frankfurt. Pia Troßbach studiert Politikwissenschaft und gehört zum Vorstandskollektiv des AStA Frankfurt. Die 24-Jährige erklärt, worum es dabei geht.

hessenschau.de: Was erhoffen Sie sich von dem Krisengipfel?

Pia Troßbach: Drastisch formuliert, wird in Deutschland gerade das Grundrecht auf Bildungsfreiheit eingeschränkt - weil die finanzielle Lage darüber entscheidet, ob man überhaupt ein Studium beginnen kann und wo. Gegen die Prozesse, die diese Einschränkung bewirken, wollen wir eine laute Stimme sein.

hessenschau.de: Wie wollen Sie und die anderen Studierenden konkret Ihre Stimme erheben?

Troßbach: Auf dem Krisengipfel geht es zunächst einmal darum, uns zu organisieren, uns auszutauschen, themenspezifisch zu vernetzen und dann Maßnahmen zu entwickeln. Klar ist: Wir halten die sogenannten Entlastungspakete für Studierende einfach nicht für ausreichend. Sie sind Tropfen auf heiße Steine.

hessenschau.de: Der BAföG-Höchstsatz wurde erst in diesem Sommer angehoben. Studierende sollen aus dem dritten Entlastungspaket eine Einmalzahlung in Höhe von 200 Euro bekommen.

Troßbach: Und das erst im Januar, während gleichzeitig Rentnerinnen und Rentner 300 Euro bekommen sollen. Aber: Sind deren Heizkosten etwa höher als unsere? Der BAföG-Höchstsatz wurde um 73 auf 934 Euro angehoben. Darin wird aktuell mit 350 Euro fürs Wohnen gerechnet. In Städten wie Frankfurt, Berlin, Hamburg oder Köln zahlt man aber eher 500 oder 600 Euro für ein WG-Zimmer. Das BAföG reicht hinten und vorne nicht - zumal nur elf Prozent der Studierenden bezugsberechtigt sind.

Sehr viele Studierende leben an der Armutsgrenze oder sind von Armut betroffen, überproportional zum Rest der Gesellschaft. Viele wissen nicht, wo sie noch sparen sollen. Mieten sind absurd hoch, Lebensmittelpreise gehen durch die Decke. Nicht wenige Studierende haben Angst, ihr Studium an den Nagel hängen zu müssen. Deswegen ist jetzt der Zeitpunkt, sehr laut zu sagen, dass es so nicht weitergehen kann.

hessenschau.de: Was fordern Sie?

Troßbach: Wir haben immer die Forderung, dass der Öffentliche Personennahverkehr kostenlos oder günstiger wird. Das 9-Euro-Ticket hat gezeigt, wie enorm es Studierende entlastet. Wir fordern eine Wohnraumpolitik, die Wohnraum für alle zugänglich macht und nicht nur für reiche Leute. Es darf kein Privileg sein, in Städten zu wohnen. Wir fordern eine weitere Erhöhung des BAföGs und ganz dringend den Ausbau von Wohnheimplätzen.

hessenschau.de: Für wie realistisch halten Sie es, dass Sie damit durchdringen?

Troßbach: Wir müssen erst mal abwarten, was dort passiert, wie viele Menschen unserer Einladung folgen, wie deren Stimmung ist, wie groß der Handlungsbedarf ist, den andere Studierendenausschüsse sehen. Es kommt darauf an, wie hoch das Mobilisierungspotenzial ist. Wir haben aber schon sehr stark die Hoffnung, dass wir Demonstrationen organisieren können, die man nicht mehr ignorieren kann.

Das Gespräch führte Max Sprick.

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