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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Deutliche regionale Unterschiede bei der Lebenserwartung

Vier Rentner sitzen auf einer Parkbank.

Die Lebenserwartung der Menschen in Hessen ist von Kreis zu Kreis unterschiedlich. Eine Untersuchung des Max-Planck-Instituts zeigt: Richtig lang leben die Menschen im Hochtaunus. Ein Überblick.

Wie alt wir werden, hängt von vielen Faktoren ab: Genmaterial, Krankheiten und Bildungsstand sind nur einige der Faktoren, die den Wert maßgeblich beeinflussen können. Forscher des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock haben nun untersucht, inwiefern auch die Region bei der Lebenserwartung eine Rolle spielt.

Mit Hilfe der Sterberaten der Jahre 2015 bis 2017 haben die Forscher die Lebenserwartung für Frauen und Männer in den Kreisen berechnet. Die Ergebnisse wurden im Ärzteblatt veröffentlicht. Deutschlandweit unterscheide sich die Lebenserwartung bei den Männern je nach Landkreis um bis zu 5,4 Jahre, teilte das Institut am Montag mit. Bei Frauen betrage der Unterschied maximal vier Jahre.

Männer im Werra-Meißner mit geringster Lebenserwartung

Auch für Hessen zeigt die Studie deutliche Unterschiede. Am höchsten liegt die Lebenserwartung demnach im Hochtaunuskreis. Mit einem Medianwert von 85,2 Jahren bei den Frauen und 80,7 Jahren bei den Männern liegt der Kreis auf Platz 6 aller 402 Landkreise in Deutschland. Auch der Main-Taunus-Kreis (Platz 22) steht vergleichsweise gut da: Hier werden die Frauen den Berechnungen zufolge 84,8 Jahre alt, die Männer 80,3 Jahre.

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Der Median

Der Median ist ein statistischer Mittelwert. In einer Zahlenreihe, die nach der Größe der Werte sortiert ist, gibt er an, welcher der Werte sich an mittlerer Stelle befindet.

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Eine deutlich geringere Lebenserwartung weisen dagegen der Kreis Waldeck-Frankenberg (Platz 264) und der Lahn-Dill-Kreis (Platz 281) auf. Dort liegt der Median bei den Frauen bei 83,4 bzw. 83,3 Jahren - also ganze zwei Jahre niedriger als im Hochtaunuskreis. Auch bei den Männern liegen die Werte mit jeweils 78,5 Jahren knapp zwei Jahre darunter. Noch niedriger liegt der Wert im Werra-Meißner-Kreis: Hier werden die Männer keine 78 Jahre alt - und damit fast drei Jahre weniger als im Hochtaunus.

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Reichere Landkreise tendenziell mit höherer Lebenserwartung

Auffällig dabei: In den Landkreisen mit einer besonders hohen Lebenserwartung ist auch das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen besonders hoch. So lagen nach Angaben des Statistischen Landesamt in Wiesbaden für das Jahr 2017 die Einkommen im Hochtaunuskreis und im Main-Taunus-Kreis deutlich über dem hessenweiten Durchschnitt. Der Kreis Waldeck-Frankenberg und der Werra-Meißner-Kreis zählen dagegen zu den Landkreisen mit einem eher geringen Haushaltseinkommen.

Zudem werden die Einwohner der Landkreise im Rhein-Main-Gebiet und in Südhessen tendenziell älter als die Menschen in den nördlicheren Landkreisen. Für Offenbach und Kassel zeigt die Max-Planck-Studie außerdem, dass die Menschen, die im zugehörigen Landkreis leben, rund ein halbes Jahr älter werden als die Stadtbewohner.

Geringste Lebenserwartung in Ostdeutschland und im Ruhrgebiet

Verglichen mit anderen Bundesländern ist die Lebenserwartung in Hessen eher hoch. Keiner der hessischen Landkreise befindet sich im Deutschlandvergleich im unteren Zehntel. Die Landkreise, für die die Forscher die niedrigste Lebenserwartung prognostizieren, sind vor allem in den ostdeutschen Bundesländern sowie im Ruhrgebiet zu finden.

Für Deutschland stellten die Forscher ebenfalls ein Nord-Süd-Gefälle fest: In Bremerhaven beträgt die Lebenserwartung der Männer demnach nur 75,8 Jahre, im Landkreis München ist sie mit 81,2 Jahren am höchsten. Die Landkreise mit besonders hoher Lebenserwartung konzentrieren sich insgesamt im Süden und Südwesten der Bundesrepublik.

Arbeitslosigkeit als mögliche Ursache

Die Wissenschaftler suchten auch nach Ursachen für die Unterschiede. Starken Einfluss haben nach ihren Erkenntnissen die Arbeitslosenquote und die Quote der Hartz-IV-Empfänger. "Wer Unterschiede in der Lebenserwartung reduzieren will, muss vor allem die Lebensbedingungen des ärmsten Teils der Bevölkerung verbessern", sagte Roland Rau vom Max-Planck-Institut.

Sendung: hr-iNFO, 20.07.2020, 16 Uhr