Frau trinkt Wein
Ein Gläschen in Ehren? Viele Arbeitnehmer haben ihren Alkoholkonsum nicht unter Kontrolle. Bild © picture-alliance/dpa

Hunderttausende hessische Arbeitnehmer pflegen laut DAK-Gesundheitsreport einen riskanten Umgang mit Alkohol und Nikotin. Das führt zu deutlich höheren Fehlzeiten im Büro. Mit der heimischen Spielkonsole kommt ein weiterer Risikofaktor dazu.

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Wer nach der Arbeit gern mal ein, zwei oder drei Bierchen trinkt, dazu genüsslich an seiner Zigarette zieht und den Abend dann vor der Playstation beschließt, sollte jetzt stark bleiben - oder besser seine Gewohnheiten kritisch hinterfragen. Trinken, Rauchen und Gaming bergen dem jüngsten Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK zufolge nämlich nicht nur ein großes Suchtpotenzial, sie sorgen auch für Probleme im Büro.

Ein riskanter Umgang mit Alkohol und Nikotin führt laut der am Mittwoch veröffentlichten Studie zu einer doppelt so hohen Fehlzeit auf der Arbeit. Gleiches gelte auch für Arbeitnehmer, die ein riskantes Nutzungsverhalten mit Computerspielen aufweisen. Gaming-Sucht wurde in diesem Jahr erstmals als Faktor mit in die Untersuchung aufgenommen.

Fehlzeiten von Suchtgefährdeten bei 7,9 Prozent

Konkret bedeutet das in Zahlen: Während der Krankenstand in Hessen im Schnitt bei 3,9 Prozent liegt - also jeden Tag etwa vier von 100 Arbeitnehmern als arbeitsunfähig gelten - liegt die Prozentzahl der Krankschreibungen bei Erwerbstätigen mit einer sogenannten Substanzstörung etwa doppelt so hoch, nämlich bei 7,9 Prozent (siehe Grafik). Auch seien diese Arbeitnehmer häufiger unkonzentriert und kämen öfter zu spät.

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Der DAK-Gesundheitsreport basiert neben Sekundärauswertungen von Versichertendaten auf einer repräsentativen Befragung von 5.614 Beschäftigten.

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Betroffene fehlten aber nicht nur im Job, weil sie wegen ihrer Suchtproblematik krankgeschrieben wurden. Sie sammelten auch in allen anderen Diagnosegruppen mehr Fehltage: ob Psyche, Krankheiten aufgrund körperlicher Beschwerden, Atemprobleme oder Kreislaufschwäche. Besonders auffällig sind die Werte bei psychischen Leiden: Hier fehlen Suchtgefährdete viermal so häufig.

Grafik zum Krankenstand
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Wer mehr trinkt, kommt später und geht früher

Größter der drei genannten Risikofaktoren ist laut Gesundheitsreport weiter der Alkohol. 75 Prozent der Krankmeldungen bei Suchtproblemen seien darauf zurückzuführen. Und nicht nur die Abwesenheit auf der Arbeit wird zum Problem.

Jeder zehnte Arbeitnehmer mit riskantem Trinkverhalten gab an, in den letzten drei Monaten abgelenkt oder unkonzentriert im Job gewesen zu sein. Auch habe sich gezeigt: Je höher der Konsum, desto häufiger kommen Betroffene zu spät oder machen früher Feierabend.

Zigaretten treiben die meisten Arbeitnehmer in die Sucht

Das Rauchen von Zigaretten ist laut DAK-Studie die verbreiteteste Sucht, die das Arbeitsleben beeinträchtigt. 10,6 Prozent aller hessischen Arbeitnehmer sind demnach nikotinabhängig. Besonders gefährdet sei hier die Gruppe der 60- bis 65-Jährigen, in der fast jeder Vierte Zigaretten raucht - auch außerhalb der vorgeschriebenen Arbeitspausen im Büro.

Sechs Prozent der Erwerbstätigen in Hessen rauchen zudem E-Zigaretten, viele von ihnen parallel zur gewöhnlichen Kippe. "Dampfen mit Nikotin oder Tabak führt in die Abhängigkeit, genau wie herkömmliche Zigaretten", warnt Sötkin Geitner, die Leiterin der DAK-Landesvertretung Hessen. Die DAK fordert daher ein umfassendes Werbeverbot für Tabak, Zigaretten und E-Zigaretten.

Konsum DAK Gesundheitsreport
Bild © hr

Gaming: Lange keine Modeerscheinung mehr

Erstmals untersuchte der Gesundheitsreport im vergangenen Jahr auch das Thema Gaming und seine Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Die Zahlen überraschen durchaus: Rund 60 Prozent der Erwerbstätigen hierzulande verbringen regelmäßig Zeit vor der Spielekonsole oder dem Computer. Von den rund 287.000 Genannten mit riskantem Gaming-Verhalten gab jeder Vierte an, während seiner Arbeitszeit am Computer zu spielen.

Auch wenn die Gaming-Sucht erst neu in den Gesundheitsreport aufgenommen wurde, so sei sie nicht minder gefährlich, warnte Kai Müller von der Ambulanz für Spielsucht an der Mainzer Uniklinik: "Als ich vor elf Jahren anfing, in diesem Bereich zu arbeiten, dachte ich auch erst an eine Modeerscheinung, was sich aber bald ändern sollte." Die Patienten seien erheblich beeinträchtigt durch die Sucht, "nehmen oftmals kaum noch am sozialen Leben teil, haben ein deutlich vermindertes Selbstwertgefühl, sind oft sozial isoliert".

"Sucht kann jeden treffen"

Sötkin Geitner von der DAK-Landesvertretung fordert einen offeneren Umgang mit dem Thema Sucht in der Gesellschaft. "Sucht ist eine Krankheit, die jeden treffen kann. Wir wollen eine breite und offene Debatte anstoßen", sagt Geitner. Gerade beim Thema Alkoholprävention fehlten in Hessen flächendeckende Angebote.

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Sucht-Definition gemäß Weltgesundheitsorganisation

Laut Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es folgende Kriterien für Sucht und Abhängigkeit: starkes Verlangen, Kontrollverlust, Entzugssyndrom, Toleranzentwicklung, Vernachlässigung anderer Aktivitäten und erhöhter Zeitaufwand für den Konsum, anhaltender Konsum trotz schädlicher Folgen. Sind drei dieser sechs Kriterien erfüllt, spricht man von einem Abhängigkeitssyndrom.

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