Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hohe Arbeitsbelastung bei Lehrern

Grundschule - Sujet

Mehr als die Hälfte der Lehrer in Frankfurt arbeiten länger als sie müssten. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bildungsgewerkschaft GEW. Die Opposition im Landtag fordert Konsequenzen - für alle Lehrer in Hessen.

Mehr als die Hälfte aller Frankfurter Lehrerinnen und Lehrer arbeitet länger als vorgesehen - das geht aus einer Studie hervor, die die Bildungsgewerkschaft GEW am Mittwoch vorgestellt hat. Die Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Universität Göttingen hatte dafür Anfang 2020 die Arbeitsbelastung von 1.199 Frankfurter Lehrerinnen und Lehrern aus 64 Schulen erfasst.

Die Untersuchung liefert aus Sicht der Studienleitung für Frankfurter Grundschulen, Integrierte und Kooperative Gesamtschulen sowie Gymnasien repräsentative Ergebnisse. "53 Prozent der Lehrkräfte liegen mit ihrer Ist-Arbeitszeit über ihrem individuellen Soll und leisten Mehrarbeit", sagte Studienleiter Frank Mußmann. Die meiste Mehrarbeit gebe es an Kooperativen Gesamtschulen.

Arbeit auch am Wochenende

In einer durchschnittlichen Arbeitswoche arbeiteten Lehrer Montag bis Mittwoch jeweils neun Stunden, danach acht und sieben Stunden. Am Wochenende kämen durchschnittlich Samstag zwei und Sonntag drei Stunden dazu. "Zwei von drei Lehrkräften in Frankfurt haben den Eindruck, dass der Arbeitsdruck in den letzten 12 Monaten noch weiter zugenommen hat", stellte der Studienleiter fest.

Die Befragung lief zwischen dem 10. Februar und 8. März 2020, also bevor die Schulen wegen der Corona-Pandemie geschlossen wurden. "Seit Ausbruch der Corona-Krise hat die Arbeitsbelastung für die Lehrkräfte deutlich zugenommen", sagte Maike Wiedwald, Vorsitzende der Gewerkschaft GEW Hessen.

Hessische Lehrkräfte liegen nach Angaben der GEW mit ihrer gesetzlichen Jahresarbeitszeit an der Spitze der Bundesländer und auch über dem EU-Durchschnitt. Die "kalkulatorische Soll-Arbeitszeit" beträgt 47,5 Stunden. Real sind es der Studie zufolge 48,5 Stunden. In dieser Berechnung wird die zu erbringende Jahresarbeitszeit ausschließlich auf die Schulwochen umgerechnet.

Weitere Informationen

Studienergebnisse im Detail

Eine Kurzfassung des Ergebnisberichts hat die GEW auf ihrer Internetseite als PDF-Download veröffentlicht.

Ende der weiteren Informationen

"Kein Hirngespinst der Opposition"

Die Opposition im Landtag nahm die Studie zum Anlass für Kritik an der Schulpolitik des Landes. "Nun hat die Landesregierung es nochmal schwarz auf weiß: Die von tausenden an Schulen Beschäftigten unterzeichneten Brandbriefe und Überlastungsanzeigen sind kein Hirngespinst und keine Oppositionsidee", sagte Elisabeth Kula, bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag.

Es sei unverantwortlich, dass Kultusminister Alexander Lorz (CDU) nicht reagiere, beispielsweise indem er sich einen Überblick über Krankenstände verschaffe. Zwar behandele die Studie nur die Situation in Frankfurt, doch zahlreiche Schreiben belegten, dass die Lehrerinnen und Lehrer in ganz Hessen überlastet seien.

SPD: Hohe Burnout-Werte "kein Wunder"

Auch nach Ansicht der FDP-Fraktion ignoriert Lorz den Bedarf an Unterstützung, den Lehrer bräuchten. Bildungspolitiker Moritz Promny schlug multiprofessionelle Teams für Schulen vor, "damit sich die Lehrkräfte wieder auf ihre pädagogischen Kernaufgaben konzentrieren können". Die Teams könnten beispielsweise aus Sozialarbeitern, Sonderpädagogen, Verwaltungs- und IT-Fachkräften bestehen, sagte er.

Wirksame Maßnahmen zur Arbeitsentlastung und Wertschätzung forderte auch die SPD-Fraktion. "Es ist kein Wunder, dass die Frankfurter Lehrkräfte deutlich höhere Burnout-Werte (56) haben als Lehrkräfte in Nordrhein-Westfalen (49) oder Baden-Württemberg (46)", sagte der bildungspolitische Sprecher Christoph Degen. Ein großes Problem seien vor allem die Verwaltungsaufgaben.

Sendung: hr-iNFO, 23.09.2020, 12.00 Uhr