Wohnungen in Frankfurt

Einer Analyse zufolge werden in Hessen bis zum Jahr 2040 hunderttausende Wohnungen fehlen. Bauprojekte gibt es zwar - doch selten dort, wo Wohnraum am dringendsten benötigt wird.

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367.000 Wohnungen werden einer Studie des Instituts für Wohnen und Umwelt zufolge bis zum Jahr 2040 in Hessen fehlen. Vor allem im Ballungsraum Rhein-Main und in Kassel fehle neuer Wohnraum, sagte Wohnungsbauminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Montag in Wiesbaden.

Die Bedarfsprognose des Darmstädter Forschungsinstituts fuße unter anderem auf aktuellen Schätzungen, wie sich die Bevölkerung entwickelt. Demnach werden 2040 voraussichtlich 6,34 Millionen Menschen in Hessen leben - 60.000 mehr als derzeit.

Wohnungen entstehen am "falschen" Ort

Aber nicht allein das Bevölkerungswachstum sei Grund für den Wohnungsbedarf, erklärte der Minister. "Wir werden älter und bleiben daher länger in unseren Wohnungen. Außerdem wohnen Menschen inzwischen anders, immer mehr leben allein, zu zweit oder in einer Kleinfamilie."

Um allen ein Dach über dem Kopf zu geben, müssten im Schnitt jährlich 16.000 neue Wohnungen fertig werden, rechnete der Minister vor. In den Jahren 2012 bis 2017 seien zwar jährlich im Schnitt 16.500 neue Wohnungen geschaffen worden. "Allerdings sind Wohnungsbestand und -neubau und Bedarf regional unterschiedlich verteilt", erklärte Al-Wazir.

Mangel im Süden, Leerstand im Norden

Während es vor allem in Mittel- und Nordhessen zum Teil mehr Wohnraum gebe als benötigt, bestehe in Südhessen weiterhin eine Lücke. Nach den Berechnungen der Experten wird im Jahr 2040 in den Regierungsbezirken Gießen und Kassel der Bedarf gedeckt - mit der Ausnahme der Stadt Kassel (nur 40 Prozent) und des Kreises Marburg-Biedenkopf (90 Prozent).

Im Regierungsbezirk Darmstadt wird der Bedarf an Wohnungen laut Studie mit 90 Prozent fast erfüllt - mit Ausnahme der Großstädte Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden und Offenbach, wo die Zahl teils deutlich darunter liegt.

"Großer Frankfurter Bogen" soll mehr Wohnraum schaffen

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Das Land Hessen will den Wohnungsbau im Rhein-Main-Gebiet mit dem Programm "Großer Frankfurter Bogen" fördern. 55 Kommunen, die innerhalb von maximal 30 Minuten mit S- oder Regionalbahn vom Frankfurter Hauptbahnhof aus erreichbar sind, können sich bewerben und etwa von höheren Fördersätzen in bestimmten Wohnungs- und Städtebauprogrammen profitieren.

Laut einer Analyse könnten dadurch bis zu 200.000 neue Wohnungen entstehen. Nach den Worten des Ministers beteiligen sich bislang 30 Partnerkommunen, darunter Darmstadt, Erzhausen, Karben und Hanau, an dem Programm.

Linke: "Wohnungen müssen auch bezahlbar sein"

Kritik an dem Förderprogramm kommt von der FDP-Fraktion im Landtag. Es reiche nicht aus, auf die Erreichbarkeit neuer Wohnprojekte mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu setzen, erklärte der wohnungsbaupolitische Sprecher Jürgen Lenders. "Wo die Bevölkerung wächst, müssen auch Straßen gebaut werden." Und: Die Bauprojekte, die als Teil des Großen Frankfurter Bogens vermarktet würden, seien meist keine zusätzlichen Vorhaben, sondern in der Regel schon länger geplant.

Der wohnungsbaupolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Dimitri Schulz, forderte: "Die Lage hinter den Frankfurter Bogen muss attraktiver werden. Der Minister sollte dafür sorgen, dass dort Industrie angesiedelt und die Infrastruktur aufgebaut wird, damit es aus wirtschaftlichen Gründen nicht nötig ist, in die Hotspots zu ziehen." Die Schere zwischen Wohnungsbedarf und Wohnungsangebot vor allem im Rhein-Main Gebiet drohe noch weiter als ohnehin auseinanderzugehen.

"Dass es in Südhessen und hier vor allem in den Städten im Ballungsraum Rhein-Main einen massiven Bedarf an neuen Wohnungen gibt, ist seit Jahren bekannt", monierte der wohnungspolitische Sprecher der Linksfraktion, Jan Schalauske. "Mindestens ebenso wichtig wie die reine Zahl neu gebauter Wohnungen ist aber, ob diese für Menschen mit niedrigem und mittlerem Einkommen auch tatsächlich bezahlbar sind."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 10.08.2020, 16.45 Uhr