Audio

Nachrückverfahren für Medizin-Studierende ausgesetzt

Nach den Problemen mit falsch vergebenen Medizinstudienplätzen an der Universität Frankfurt suchen die Bundesländer nach einer Lösung. Als erster Schritt wurde eine Webseite für Studienplatz-Bewerbungen gesperrt.

Wegen falsch vergebener Studienplätze an der Goethe-Universität in Frankfurt ist die zentrale Webseite für Studienplatz-Bewerbungen zunächst teilweise gesperrt worden. Auf das Bewerbungsportal Hochschulstart.de, die von der Stiftung für Hochschulzulassung betrieben wird, kann voraussichtlich erst wieder ab kommenden Mittwoch zugegriffen werden.

Das Verfahren für etwa 17.800 Bewerberinnen und Bewerber auf Nachrückplätze werde zunächst ausgesetzt, teilte die Stiftung am Freitag mit. Sie ist für die bundesweite Vergabe der Studienplätze in Medizin, Tiermedizin, Zahnmedizin und Pharmazie zuständig ist. Hintergrund ist ein Übermittlungsfehler der Universität in Frankfurt, der weite Kreise zieht.

Nicht die erste Panne

Die Hochschule hatte der Stiftung deutlich mehr Studienplätze gemeldet als sie hat. Die Folge: 251 Bewerberinnen und Bewerber für Medizin und 31 für Zahnmedizin konnten sich zunächst über eine Studienplatzzusage freuen und waren bitter enttäuscht, nachdem der Fehler bemerkt und die Zusage wieder zurückgenommen wurde. Nun wird nach einer Lösung gesucht, wie die Betroffenen eventuell noch als Nachrücker einen Platz bekommen könnten. Dabei müsse beachtet werden, dass andere, die sich ebenfalls als Nachrücker bewerben oder beworben haben, nicht benachteiligt würden.

Eine hr-Recherche ergab zudem, dass bereits im Wintersemester 2013/2014 eine ähnliche Panne passierte. Damals betraf sie auch den Fachbereich Medizin. Insgesamt 80 Studierende wurden zu viel aufgenommen - im Unterschied zum aktuellen Fall durften sie ihr Studium fortsetzen.

Suche nach rechtssicherem Vergabeverfahren

Die Kultusministerkonferenz teilte am Freitag mit, die Bundesländer schöpften in einem gemeinsamen Vorgehen alle Möglichkeiten aus, um den Betroffenen zu helfen und ein rechtssicheres Vergabeverfahren zu gewährleisten. Man arbeite mit Hochdruck daran, Möglichkeiten zu finden, dass berechtigte Studienwünsche erfüllt würden, sagte Holger Burckhart, Stiftungsratsvorsitzender der Stiftung für Hochschulzulassung.

"Das Vergabeverfahren der Länder und die technischen Abläufe für das Bewerbungsverfahren sind jedoch stark formalisiert und sehr komplex, und es ist zu berücksichtigen, dass alle am Nachrückverfahren Teilnehmenden ein Recht auf ein faires Verfahren haben." Ob wirklich alle 282 Betroffenen einen Studienplatz bekämen, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar.