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Audioseite Abbruch zum Aufbruch - Synodaler Weg in Frankfurt

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing.

Weil zu viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereits abgereist waren, musste die Vollversammlung des Synodalen Weges in Frankfurt am Samstag vorzeitig beendet werden. Die Organisatoren ziehen dennoch eine positive Bilanz.

Die zweite Versammlung des katholischen Reformprozesses mit Bischöfen und Laien ist am Samstagnachmittag früher als geplant zu Ende gegangen. Nachdem nicht mehr genügend Delegierte für die Beschlussfähigkeit anwesend waren, wurden die restlichen Tagesordnungspunkte der zweiten Synodalversammlung nicht mehr behandelt.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hatte als Präsident des Synodalen Wegs einen Antrag zur Feststellung der Beschlussfähigkeit gestellt. Demnach waren nur noch 149 Delegierte anwesend, bei 154 lag das Quorum für die Beschlussfähigkeit. Bätzing erklärte danach, er habe den Antrag bewusst gestellt, weil er entsetzt sei, wie viele Menschen im Laufe das Samstags abgereist seien. Damit sei er nicht einverstanden, erklärte der Limburger Bischof. Er wolle nicht, dass Entscheidungen in zweifelhaften Abstimmungen zustande kämen.

Bischof Bätzing dennoch zufrieden

Bätzing zog dennoch eine positive Bilanz: "Nach drei Tagen, die sehr arbeitsreich waren und in denen wir sehr viel auf den Weg gebracht haben, sitze ich hier in großer Dankbarkeit für das hohe Engagement." Es sei ein "unglaubliches Konvolut" von Papieren beraten worden. "Kein Text wurde abgelehnt, alle erhielten eine hohe Akzeptanz."

Ähnlich äußerte sich der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg. Er lobte vor allem die Debattenkultur: "Ich war sehr erleichtert, wie das Gremium in der Lage war, ganz unterschiedliche Positionen zu hören und zu diskutieren." Die Debatten seien fair verlaufen. "Wir haben gezeigt: Synodalität geht", betonte Sternberg.

Der Synodale Weg ist ein von der Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken verabredeter Reformdialog mit dem Ziel, der katholischen Kirche aus der Missbrauchskrise zu helfen. Die Tagung in Frankfurt gilt vielen Beobachtern als richtungsweisend.

Laien-Mitsprache bei Bischofwahlen

Bereits am Freitag hatte die Vollversammlung eine Erklärung verabschiedet, in der eine neue Sexualmoral der katholischen Kirche gefordert wird. Darin heißt es unter anderem, in der christlichen Ehe müsse man nicht bei jedem Geschlechtsverkehr offen für Nachwuchs sein. Gleichgeschlechtliche Paare und wiederverheiratete Geschiedene sollten gesegnet werden können.

Am Samstag stimmte eine Mehrheit von katholischen Bischöfen, Klerikern und Laien für einen Reformvorschlag, Gläubige in die Bestellung von Bischöfen einzubeziehen. Eine qualifizierte Mehrheit stimmte am Samstagnachmittag für die Handlungsempfehlung. Eine endgültige Abstimmung über die Reform findet zu einem späteren Zeitpunkt statt. Damit der Vorschlag final angenommen werden kann, ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit der 230 Delegierten, darunter eine eigene Zwei-Drittel-Mehrheit der Bischöfe, nötig.

Personelle Neu-Ausrichtung im Präsidium

Der Synodale Weg soll zudem bis Anfang 2023 verlängert werden. Man plane eine weitere Versammlung Ende Januar oder Anfang Februar, kündigten Bätzing und Sternberg an. Angesichts der Fülle der Reformvorschläge sei eine weitere Synodalversammlung nötig. Diesem Vorschlag müssten Bischofskonferenz und Zentralkomitee noch gesondert zustimmen.

Das Präsidium des Synodalen Wegs steht derweil vor einer personellen Neu-Ausrichtung: Thomas Sternberg wird im November nicht wieder als ZdK-Präsident kandidieren. Auch die Vizepräsidentin des Synodalen Wegs, Karin Kortmann, wird im Februar bei der nächsten Synodalversammlung nicht mehr dabei sein.

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