Bischof Bätzing spricht bei der Synodalversammlung in Frankfurt

Vertreter der katholischen Kirche diskutieren in Frankfurt über Reformen. Im Zentrum steht die Lockerung des Zölibats. Einen Eklat gab es am Donnerstag beim Thema Kindesmissbrauch.

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Bätzing für Lockerung des Zölibats

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Es sind keine leichten Themen, die bei der dritten Synodalversammlung zur Reform der katholischen Kirche in Frankfurt diskutiert werden: Es geht unter anderem um Segnungen für homosexuelle Paare, um Mitsprache von Gläubigen bei der Bischofswahl und um eine Lockerung des Zölibats.

Der Forderung, Priestern das Heiraten zu erlauben, hat sich am Donnerstag auch Georg Bätzing, Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, angeschlossen. Er sei nicht gegen den Zölibat, betonte er. Den Priestern müsse aber freigestellt werde, ob sie ehelos leben wollten. "Ich kann nicht sehen, dass nicht die Ehe und das Priesteramt eine gemeinsame Bereicherung für diesen Dienst und für das gemeinsame Leben von Eheleuten geben könnte", sagte Bätzing.

Münchener Missbrauchsgutachtens überschattet Versammlung

Überschattet wird die dritte Synodalversammlung von der Veröffentlichung eines Gutachtens aus München zum Missbrauch von Kindern durch Geistliche. Unabhängige Gutachter hatten aufeinander folgenden Münchner Erzbischöfen und anderen Verantwortlichen Versagen beim Umgang mit sexuellem Kindesmissbrauch vorgeworfen - auch der ehemalige Papst Benedikt geriet unter Druck. Das Gutachten habe die Situation für die Katholische Kirche noch einmal ernster gemacht, sagte Bätzing. Er bezeichnete es als "Beben" für die katholische Kirche.

Georg Bätzing, Bischof von Limburg und Präsident des Synodalen Weges sowie Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, spricht zu Beginn der Dritten Synodalversammlung der deutschen Katholiken mit Demonstrierenden.

Im Rahmen der Diskussion sorgte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer für Empörung. Er wies darauf hin, dass eine Strafrechtsreform von 1973 Kindesmissbrauch nicht mehr als Verbrechen gewertet habe, weil sexualwissenschaftliche Urteile davon ausgingen, die Vernehmungen seien für betroffene Kinder und Jugendlichen schlimmer sind als "die im Grunde harmlosen Missbrauchsfälle". Das müsse man berücksichtigen, wenn heute über das Verhalten der Kirche in den 1970er und 80er Jahren geurteilt werde, sagte Voderholzer.

Voderholzers Aussagen lösten scharfe Kritik der Delegierten aus. Der Regensburger Bischof erklärte anschließend, er sei missverstanden worden und halte die Verharmlosung des sexuellen Missbrauchs für verheerend.

Katholische Kirche durchläuft Reformprozess

Der derzeit laufende Reformprozess in der katholischen Kirche in Deutschland wird als Synodaler Weg bezeichnet. Er wurde 2019 infolge des Missbrauchsskandals initiiert und hat das Ziel, die wichtigsten Missstände innerhalb der katholischen Kirche zu bekämpfen. Vorgesehen sind Reformen der katholischen Sexualmoral, der Position der Frau in der Kirche, des Umgangs mit Macht und des Zölibats, der priesterlichen Ehelosigkeit.

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Bätzing für Ende des Pflichtzölibats

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Die Synodalversammlung ist das zentrale Beschlussgremium des Prozesses. Sie wird getragen von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Die fünfte und letzte Synodalversammlung soll 2023 stattfinden.

Noch bis Samstag beraten 230 Delegierte des Synodalen Wegs in Frankfurt über Konsequenzen aus der Missbrauchskrise. Das Präsidium gab an, bis dahin seien bereits erste konkrete Beschlüsse möglich. Den Reformbeschlüssen müssen allerdings immer zwei Drittel der Bischöfe zustimmen.

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