Wer sich ein Tattoo stechen lässt, muss sich in Hessen um die Hygiene kaum Sorgen machen. Tattoo- und Piercingstudios schneiden bei Kontrollen richtig gut ab. Überraschend, in welchen Regionen sich die Tattoo-Hochburgen befinden.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kaum Hygienemängel in Tattoostudios

Tätowiererin fertigt an einem Unterarm ein Tattoo
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Tattoo- und Piercingstudios schneiden bei Hygienekontrollen in der Regel gut ab. Das hat eine hr-Umfrage unter den neun größten Gesundheitsämtern in Hessen gezeigt. Bei 160 Kontrollen in den landesweit 250 Tattoostudios wurden seit 2016 lediglich 65 meist kleinere Beanstandungen dokumentiert. Nur ein Laden musste wegen nicht erfüllter Vorgaben schließen.

Mit diesem guten Ergebnis unterscheiden sich die Studios deutlich von anderen Unternehmen im Beauty-Bereich, wie etwa Nagelstudios. Im vergangenen Jahr waren zum Teil erhebliche Hygienemängel bei hessischen Nagelstudios zutage gekommen. Dabei ging es vor allem um schlecht gereinigte oder nicht desinfizierte Instrumente.

Gute Hygiene ist der Standard

Im Gegensatz zu den damals offenbarten gravierenden Hygienemängeln sind die Tattoostudios in der Regel sehr gut aufgestellt. Abgefragt wurden die Gesundheitsämter von Frankfurt, Wiesbaden, Kassel, Darmstadt, Offenbach, Fulda, Gießen und den Kreisen Main-Kinzig und Marburg-Biedenkopf.

Die Branche sei selbst an guten Hygienestandards interessiert, heißt es aus dem Gesundheitsamt Marburg-Biedenkopf. "Begehungen durch das Gesundheitsamt werden als positiv und konstruktiv empfunden. Die Betreiber sind zumeist kooperativ." Ein Resümee, das exemplarisch für die Erfahrungen aus anderen Gesundheitsämtern stehen kann.

Kurs und Prüfung

Seit 2018 müssen die Betreiber und ihre Mitarbeiter einen 40-stündigen Hygienekurs belegen und das gelernte Wissen durch eine Prüfung dokumentieren. Am Anfang kam es dabei zu Engpässen bei den Kursbetreibern, die aber inzwischen behoben worden sind.

Eine gesetzliche Kontrollpflicht für Tattoostudios gibt es für die Kommunen nicht. Gleichwohl scheint ein behördlicher Blick angebracht, um die Ausbreitung von Infektionskrankheiten zu verhindern, wie beispielsweise Hepatitis. Ein Risiko, das bei unsauberen Instrumenten durchaus besteht.

Häufigster Mangel: Fehlender Hygieneplan

In den Kreisen Darmstadt-Dieburg, Gießen und Main-Kinzig gibt es nur bei Neueröffnungen Kontrollen, oder wenn es konkrete Beschwerden gibt. Die meisten gemeldeten Mängel sind allerdings nicht gravierend. Zu den häufigsten Mängeln gehören fehlende Hygienepläne. In diesen müssen die Betreiber die Hygienemaßnahmen dokumentieren. Vereinzelt fehlen auch Sachkundenachweise im Bereich Hygiene.

Dass die Anstrengungen der vergangenen Jahre Erfolge zeigen, sieht man gut am Beispiel Frankfurt. Seit Beginn des Booms beim Tätowieren und Piercen in den 90er-Jahren wuchs das Bewusstsein der Unternehmer für Hygiene. "Aufgrund der guten Ergebnisse werden Studios zum Teil nur noch alle zwei Jahre kontrolliert", erklärt Tim Westphal vom Frankfurter Gesundheitsamt.

Wurden im Jahr 1999 noch 4,2 Mängel pro Studio festgestellt, waren es 2018 gerade noch 0,1 Prozent der kontrollierten Studios, die Mängel aufwiesen. Bei der Anzahl der Kontrollen gibt es in den Regionen erhebliche Unterschiede. So hat Frankfurt bei 33 Studios seit 2016 insgesamt 65 Kontrollen durchgeführt. In der Region Kassel wurden in diesem Zeitraum von den 50 Studios nur acht kontrolliert.

Kassel und Offenbach sind Tattoo-Hochburgen

Die Anfrage bei den Gesundheitsämtern hat auch gezeigt, wo die Tattoo-Hochburgen in Hessen liegen und wie viele Einwohner sich - theoretisch - ein Tattoostudio teilen. Keine Versorgungsprobleme haben in dieser Hinsicht Offenbach, Kassel und Fulda.

Hessenkarte mit der Angabe Einwohner pro Tattoostudio

In Offenbach kommen auf ein Studio 8.062 Einwohner. Kassel - inklusive des Landkreises - liegt mit 8.760 Einwohnern knapp dahinter, gefolgt von Fulda - inklusive Landkreis - mit rund 8.900 Einwohnern pro Studio.

Die wenigsten Tattoo- und Piercingstudios pro Einwohner gibt es in Frankfurt und Darmstadt. In Frankfurt ist die Zahl der Menschen, die sich rein rechnerisch ein Studio teilen, mit 23.000 am höchsten, gefolgt von Darmstadt - inklusive Landkreis - (17.000) und Wiesbaden (12.600).

Weitere Informationen

Umfrage: Fast jeder 5. tätowiert

Wie viele Menschen tätowiert sind, kann man nur schätzen. Eine Umfrage der Medizinischen Psychologie der Uni Leipzig erbrachte kürzlich folgendes Ergebnis: 2016 war knapp jeder fünfte Deutsche über 14 Jahre tätowiert. Am häufigsten junge Erwachsene im Alter zwischen 25 und 34 Jahren. Männer und Frauen sind gleichermaßen tätowiert. Tätowierungen waren in allen Bildungsschichten vertreten, es bestanden schwache Zusammenhänge mit einem geringeren Bildungsgrad und Erwerbslosigkeit.

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Sendung: hr-iNFO, 28.08.2019, 6 Uhr